Mit dem Nachtwächter zurück ins Mittelalter

+
Karl-Heinz Bartsch ist als Nachtwächter in Meinerzhagen unterwegs.

Meinerzhagen - „Hört ihr Leut’ und lasst euch sagen: Unsere Glock’ hat zwölf geschlagen. Menschenwachen kann nichts nützen, Gott muss wachen, Gott muss schützen“, schallte es früher durch viele Straßen.

Die Nachtwächter, denen dieses bekannte Lied gewidmet ist und die es auch gesungen haben sollen, gab es im Mittelalter. Heute erleben die frühen Sicherheitskräfte aber eine Renaissance – und das nun auch in Meinerzhagen.

Denn: Ein Nachtwächter ist wieder in der Volmestadt unterwegs. Allerdings kümmert der sich weder um Personen- noch um Objektschutz, sondern vielmehr um Menschen, die etwas über die Geschichte ihrer Heimatstadt erfahren wollen.

Karl-Heinz, genannt „Kalle“, Bartsch, früherer und inzwischen pensionierter Polizeibeamter, leidenschaftlicher Pilger und ehrenamtlicher Kirchenführer, hat es übernommen, als Nachtwächter Gruppen durch die Innenstadt zu führen und ihnen Wissenswertes über die geschichtsträchtige Stadt an der Volmequelle zu erzählen. Zu einem mittelalterlichen Nachtwächter gehört natürlich die passende Montur. Und die hat sich Kalle Bartsch besorgt. Dreispitz auf dem Kopf, Hellebarde in der Hand – in der Hochzeit der Nachtwächter wäre Kalle Bartsch im Straßenbild kaum aufgefallen. Im Meinerzhagen von heute tut er das schon – allerdings wirkt er durch die historische Kleidung auch authentischer. Beispielsweise, wenn er einen der Schwerpunkte seiner Rundgänge anspricht: die Großbrände. „Die gab es in den Jahren 1700, 1770, 1797, 1894 und 1913“, erläutert er. Und Kalle Bartsch erklärt auch, warum es damals so oft und verheerend brannte: „Die Dächer waren strohgedeckt, häufig lagerte Heu auf dem Dachboden. Offenes Feuer in den Häusern war normal, Kamine gab es meist nicht. Und natürlich auch keine Brandvorschriften.“ Warum die Stadt überhaupt entstand und dass die Lage Meinerzhagens beileibe kein Zufall ist, auch diese Aspekte gehören zu Kalle Bartschs Nachtwächter-Vorträgen. „Meinerzhagen lag im Kreuzungspunkt von zwei wichtigen Fernhandelsstraßen, der Eisen- und der Heidenstraße.“

Wer mehr hören möchte, ist zu einem der Rundgänge eingeladen, die in Zukunft regelmäßig stattfinden sollen. Wer mag, kann sich dafür bei Kalle Bartsch anmelden, er ist unter Tel. 0 23 54/62 51 zu erreichen. Die Terminabsprache erfolgt individuell zwischen Nachtwächter und seinen „Kunden“. Start ist jeweils an der Dränke, Ecke Bahnhofstraße/Volmestraße. „Von dort geht es Richtung Altstadt und Jesus-Christus-Kirche“, erläutert Kalle Bartsch. Und natürlich ist das stadtbildprägende Gotteshaus auch wesentlicher Bestandteil des kleinen Rundgangs.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare