Nachtbaustelle auf der Sauerlandlinie

MEINERZHAGEN ▪ Die letzten zwei Pkw fahren über die A45 zwischen Drolshagen und Meinerzhagen. Danach ist „Schicht“. An der Auffahrt warten schon die Baustellenfahrzeuge darauf, von Jan Schneider, Leiter der Autobahnmeisterei Lüdenscheid, grünes Licht für den Beginn der nächtlichen Bauarbeiten zu bekommen.

Der fährt von Olpe aus in Richtung Dortmund und verlangsamt den Verkehr hinter sich, um die Fahrzeuge schließlich in Drolshagen abzuleiten. Jetzt geht nichts mehr in der Baustelle denn von 20 Uhr bis 5 Uhr morgens soll der Bereich winterfest gemacht werden.

Die unzähligen Lkw haben der Fahrbahn, insbesondere den Wasser-Abläufen schwer zugesetzt. „Normalerweise fährt hier niemand drüber“, erklärte Schneider. Doch durch die komplette Ausnutzung der Fahrbahnbreite wegen der Baustelle donnern die Lkw im Sekundentakt auch über die Gullydeckel. Damit sich bei Eis und Schnee hier das Wasser nicht staut und eventuell sogar gefriert, besteht dringender Handlungsbedarf. Und in der Baustelle lassen sich solche Maßnahmen nur mit einer Fahrbahnsperrung realisieren.

Gökhan Özcan leitet die Bauarbeiten vor Ort. Er ist bundesweit fast jede Nacht unterwegs um Fahrbahnschäden zu beseitigen. Ein gefährlicher Knochenjob. Während er die Schäden sichtet und mit Schneider das Vorgehen bespricht, läuft der Verkehr auf der Gegenfahrbahn mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Die schmale Trennwand würde weder einen Pkw noch einen ausbrechenden Lkw aufhalten. Erst vor fünf Monaten hat Göhkan Özcan auf der A4 bei Bad Hersfeld einen Kollegen verloren, als sie gemeinsam eine Baustelle eingerichtet haben. Ein Pkw-Fahrer ist mit hoher Geschwindigkeit in die Baustelle gefahren und hat den Kollegen erfasst.

„Gott sei Dank haben wir wenig Zeit, darüber nachzudenken“, erklärte Özcan im MZ-Gespräch. Die Gefahr auf der dunklen Autobahn ist allgegenwärtig und selbst wenn die Bauarbeiter vorsichtig sind, arbeiten sie immer unter Lebensgefahr. In dieser Nacht geht es um dringende Reparaturarbeiten. Löcher klaffen in der Fahrbahn, die bei Frost und Salz weiter aufreißen würden. Außerdem haben mehrere Unfälle im Bereich der Baustelle den Leitplanken stark zugesetzt, sodass auch die teilweise ausgetauscht werden müssen. „Nicht daran zu denken, so etwas bei Tag zu machen“, weiß Özcan. Während er jetzt noch halb tagsüber und halb in der Nacht arbeitet, wird er wohl ab 2013 aufgrund einer Gesetzesänderung nur Nachts unterwegs sein, denn dann dürfen solche Bauarbeiten wegen der Verkehrsbehinderung nur während den verkehrsschwachen Zeiten durchgeführt werden. Die neuralgische Zeit ist immer die Einrichtung einer Baustelle dann ist Gökhan Özcan mit seinen Kollegen immer ganz nah am fließenden Verkehr und der rechnet oft nicht mit einem Hindernis. Und selbst wenn eine Baustelle fertig eingerichtet ist, ist das noch kein Garant für sicheres arbeiten. Gestern Nacht stand plötzlich eine Dame aus Münster mit ihrem Mini in der Baustelle. Sie hatte angeblich nichts von der Sperrung bemerkt und war an sämtlichen beleuchteten Verkehrsführungszeichen vorbei gefahren. „Wollen wir es ihr mal glauben“, versucht Gökhan Özcan Verständnis zu zeigen, obwohl er vermutet, dass sie sich einfach nicht in den Stau auf der B 54 einreihen wollte.

In der vergangenen Nacht galt es für sein Team die 20 Kleinbaustellen abzuarbeiten. Da bleibt weder Zeit für Konversation mit Verkehrsteilnehmern noch für Pausen. „Um 5 Uhr müssen wir hier fertig sein – egal was passiert“, erklärt Gökhan Özcan der mittlerweile mit seinem Team alleine ist, denn Jan Schneider von der Autobahnmeisterei hat sich nach der Sichtung der Fahrbahnschäden in die Bereitschaft verabschiedet. Und während der Straßen-Fachmann mit seinen Kollegen die Piste repariert, staut sich der Verkehr auf der B 54 vor Meinerzhagen denn dort soll er wieder auf die Autobahn geführt werden. Damit war die „Battenfeld-Ampel“ allerdings überfordert und so lief hier der Verkehr auf. Die neue Ampel an der Anschlußstelle hat allerdings prima gearbeitet und den Verkehr in diesem Bereich flüssig gehalten.

Thomas van de Wall

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