Abschied von Karl Friedrich Mühlhoff

Karl Friedrich Mühlhoff und seine Frau Hanne im Jahr 2007.

Meinerzhagen -  Nach einem erfüllten und auch aus eigener dankbarer Wahrnehmung gesegneten Lebeben ist am Montag dieser Woche im hohen Alter von fast 90 Jahren Karl Friedrich Mühlhoff gestorben. Am Freitag findet im engsten Familienkreis in seiner Geburtsstadt Lüttringhausen die Beisetzung statt.

Von Horst vom Hofe

Der Körper war nach langer Krankheit schwach geworden, der Geist des langjährigen Meinerzhagener Gemeindepfarrers und Superintendenten des Kirchenkreises Lüdenscheid bis zuletzt wach und interessiert an allem geblieben, was sich in der evangelischen Kirche und in seinem zur Heimatstadt und damit lieb gewordenen Meinerzhagen an aktuellen Entwicklungen tat. Als besondere Gnade hatte es Mühlhoff dabei bis zuletzt empfunden, dass er mit seiner geliebten Ehefrau Hanne nahezu 60 reich erfüllte Jahre ehelicher und familiärer Gemeinschaft erleben durfte. In seinen 2007 veröffentlichten Lebenserinnerungen („Ein Skizzenbuch über acht Jahrzehnte“) machte sich Mühlhoff die Worte eines betagten, Rückschau haltenden Ehemanns und Familienvaters zu eigen: „Und wenn ich nochmal auf die Erde käme, würde ich mit Freude wieder dieselbe Frau heiraten und dieselben Kinder haben und wieder da leben und arbeiten wollen, wo ich mein Leben lang gelebt und gearbeitet habe!“ Fast 50 Jahre hatten Karl Friedrich Mühlhoff und seine Frau Hanne, die ihre eigene vorgezeichnete Laufbahn als Theologin mit abgeschlossenem zweitem theologischem Examen eintauschte gegen das Leben einer auch ehrenamtlich tätigen Pfarrersfrau, gemeinsam im kirchlichen Dienst gestanden. Vor allem in Meinerzhagen, aber auch im Kirchenkreis sind von ihnen bleibende Spuren hinterlassen worden.

24 Jahre und damit so lang wie bis dato kein Zweiter – von Juli 1964 bis Juni 1988 – zeichnete Mühlhoff als Superintendent verantwortlich für die Geschicke des Kirchenkreises Lüdenscheid. Eines der großen Projekte, das in seiner Ägide ebenso ambitioniert wie über viele Jahre erfolgreich wirkend auf den Weg gebracht wurde, war der Bau der evangelischen Tagungs- und Bildungsstätte Haus Nordhelle in Valbert in gemeinsamer Trägerschaft mit vier weiteren südwestfälischen Kirchenkreisen. „Das Verhältnis zu den Städten und Gemeinden und zum Landkreis (zuerst Kreis Altena, dann Kreis Lüdenscheid, schließlich Märkischer Kreis) und zu deren politischen Vertretern und Behörden war von der Entwicklung und Pflege vertrauensvoller, kooperativer Beziehungen geprägt. Was ich in der Stadt Meinerzhagen bei Planung und Gestaltung von Arbeitsvorhaben, vor allem im Bereich der sozialen Dienste, an Gemeinsamkeit zwischen Stadt und Kirche erlebt hatte, das fand auf der Kreisebene seine Fortsetzung“, erinnerte Mühlhoff in seinem Memoiren. Als besonderes Beispiel für diese Zusammenarbeit nannte er dabei die in Trägerschaft des Kirchenkreises errichtete psychologische Beratungsstelle für Erziehungs- und Lebenfragen (Erziehungsberatungsstelle) in Lüdenscheid.

Als am 28. Dezember vergangenen Jahres das 60-jährige Ordinations-Jubiläum anstand, musste wegen des zu diesem Zeitpunkt schon stark angegriffenen Gesundheitszustandes auf eine ihm zugedachte große öffentliche Feier verzichtet werden. Gleichwohl erreichten den Jubilar viele Glück- und Segenswünsche, in denen die große Wertschätzung und Anerkennung für seinen engagierten Einsatz als Gemeindepfarrer und Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid und auch für den tatkräftigen Begleiter vieler wichtiger kommunalpolitischer Entscheidungen in den herausfordernden Aufbaujahren nach dem Krieg in Meinerzhagen sinnfällig zum Ausdruck kamen. Das evangelische Gymnasium und das Seniorenzentrum Wilhelm-Langemann-Haus sind zwei ganz besondere Einrichtungen, deren Gründung auch dem tatkräftigen Einsatz von Karl Friedrich Mühlhoff zu danken sind, der hier gemeinsam mit seinem Mentor und väterlichen Freund Rudolf Schmidt, dem einstigen Gemeindepfarrer und späteren Vizepräsidenten der Evangelischen Landeskirche von Westfalen, erfolgreich an den richtigen Fäden zog.

Und das waren, im Stenogramm, die wesentlichen Stationen des nun zu Ende gegangenen Lebens eines verdienstvollen Theologen und sich darüber hinaus dem Gemeinwohl verpflichteten und daher hoch geachteten Bürgers der Stadt Meinerzhagen: Geboren 26. Dezember 1923 in Lüttringhausen/Kreis Lennep, heute Remscheid. Verheiratet seit 1953 mit der Pastorin Hanne, geborene Schönthal. Zwei Kinder, fünf Enkel. Nach dem Besuch der Höheren Handelsschule zunächst kaufmännische Lehre. Wegen chronischer Bronchitis „Luftveränderung“ verordnet, Wechsel nach Freiburg im Breisgau mit Besuch der dortigen Wirtschafts-Oberschule. 1943 zum Wehrdienst eingezogen, als Frontsoldat im Russland-Feldzug eingesetzt. Aus russischer Kriegsgefangenschaft im Juli 1945 wegen eines Lungensteckschusses vorzeitig entlassen. Ab 1948 Studium der Theologie in Wuppertal, Heidelberg, Tübingen und Münster, Examen in Bielefeld. 1950/51 Lehrvikar in Meinerzhagen. Ordination zum Pfarrer am 28. Dezember 1952 in der Jesus-Christus-Kirche zu Meinerzhagen. Hier Gemeindepfarrer bis zur Pensionierung 1988. Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid von Juli 1964 bis Juni 1988.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare