Mit einem High-Tech-Auto gegen Temposünder

In den Aggerkurven und im weiteren Verlauf der L 323 soll verschärft kontrolliert werden. ▪ Archivfoto: van de Wall

MEINERZHAGEN ▪ Ob der Fahrer des Wagens, der am vergangenen Mittwoch um 9.45 Uhr auf der Landstraße zwischen Meinerzhagen und Gummersbach verunglückte, zu schnell unterwegs war – darüber lässt sich nur spekulieren. Der 22-Jährige krachte in der Tempo-60-Zone bei Niederbadinghagen in die Leitplanke, dabei wurden die drei Fahrzeuginsassen verletzt. Jetzt soll dort verstärkt die Geschwindigkeit überprüft werden.

Dass auf der L 323 inklusive „Aggerkurven“ häufiger Auto- und Motorradfahrer verunglücken, belegen auch die Zahlen. In diesem Jahr nahm die Polizei bei Niederbadinghagen bereits drei Unfälle auf, zwei davon mit Verletzten. Deshalb könnte sich nun die Unfallkommission mit der „Problem-Piste“ befassen, wie in der Vergangenheit bereits mit der Landstraße 539 zwischen Meinerzhagen und Valbert. Die zentrale Frage dabei: „Wie lassen sich schwere Verkehrsunfälle hier verhindern?“ Dabei setzt die Polizei stets auf ein bewährtes Mittel: die Tempo-Kontrollen. Und gerade in diesem Bereich hat eine neue Technik den Beamten nun ein Arbeitsgerät an die Hand gegeben, das die Geschwindigkeitsüberwachung revolutioniert. „Wir haben im heimischen Kreis bereits einen Wagen im Einsatz, der mit dieser Technik ausgerüstet ist“, erläutert Polizeihauptkommissar Michael Stumpe, Leiter der Wache in Meinerzhagen. Das Mess-Fahrzeug muss nicht mehr unmittelbar am Straßenrand abgestellt werden, es kann auch 50 Meter neben der Messstelle stehen. Die Technik im Inneren des Autos ist drahtlos verbunden mit zwei Boxen, die auf Stativen rechts und links der benachbarten Fahrbahn stehen. Mittels Lichtschranke werden die durchfahrenden Autos so in beiden Fahrtrichtungen gemessen. Motorräder, die in der Vergangenheit nur von vorn „geblitzt“ wurden, können außerdem von Front- und Rückseite – inklusive Kennzeichen – erfasst werden. „Und ein Foto wird ebenfalls geschossen. Dabei reicht der Helm-Ausschnitt, der einen Teil des Gesichtes vom Fahrer freigibt auch aus, um die Personalien des Mannes am Lenker zu ermitteln“, erläutert der Erste Polizeihauptkommissar Dieter Bruder aus Lüdenscheid. „Ein Gutachter kann im Abgleich von Augen-Ausschnitt und Passbild feststellen, ob es sich um dieselbe Person handelt“, fügt Bruder hinzu.

Im Bereich Niederbadinghagen, wo der Unfall am Mittwoch passierte, wurde zwar auch in der Vergangenheit „geblitzt“, Schwerpunkt der Kontrollen waren aber eindeutig die berühmt-berüchtigten Aggerkurven. Auch dort eröffnet der neue Messwagen jetzt ganz andere Möglichkeiten. Denn: „Früher benötigten wir für eine Messung etwa 30 Meter gerade Strecke. Jetzt ist es uns möglich, auch unmittelbar in Kurven zu messen“, freut sich Dieter Bruder. Er weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass es sich bei den Kontrollen natürlich nicht um „Abzocke“ der Auto- und Motorradfahrer handelt: „Betriebswirtschaftlich betrachtet ist das glasklar ein Zuschussgeschäft. Es geht einzig und allein darum, die Straßen sicherer zu machen.“ ▪ beil

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