"Lehrerin zu sein ist für mich eine Berufung"

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"Ich werde die Schüler vermissen", sagt Christel Kalkowski, deren Ruhestand bevorsteht.

Valbert - Sie hat Schülergenerationen aufwachsen sehen, und viele Eltern, die heute ihren Nachwuchs in die Ebbeschule bringen, hatten selbst bei ihr Unterricht. „Frau Kalkowski“ gehört für die Valberter zur Schule wie die Kreide zur Tafel oder die Pause zum Schulvormittag.

40 Jahre unterrichtete sie an der Grundschule Valbert. In der kommenden Woche wird die Schulleiterin in den Ruhestand verabschiedet. 

Einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gibt es für die Leitung der Grundschule bislang nicht. Noch bis zum 16. Juli sei die Stelle ausgeschrieben, berichtet Christel Kalkowski. Sollte es bis dahin keinen Bewerber geben, wird Konrektorin Ingrid Deppe die kommissarische Leitung übernehmen. „Vielleicht tut sich ja noch was“, hofft die scheidende Rektorin, weiß aber auch: „Schulleiter sind Mangelware.“ Und aufs Land wollten auch nur die Wenigsten. 

Die Anforderungen, die an die Schulleitung gestellt würden, seien hoch, die erforderlichen Qualifikationen inzwischen auch: „Man muss einen kleinen Betrieb managen“, findet die 65-Jährige einen passenden Vergleich, betont aber auch: „Ich kann mitbestimmen, in welche Richtung sich Schule entwickeln soll.“ 

„Für den Beruf des Lehrers möchte ich gerne Werbung machen, denn er ist toll“, steht für Christel Kalkowski fest. Lehrer zu sein sei „spannend und interessant“. „Man kann so vieles machen: Theater, Forscher-AGs oder Computer-AGs...“, zählt Christel Kalkowski auf. Es gebe viele Möglichkeiten, Schule zu gestalten. Für sie selbst sei es eine Berufung, Lehrerin zu sein. Die Arbeit habe sie immer ausgefüllt. „Wenn ich auch mal als Vertretungslehrerin in einer Klasse war und an der Tafel ein Stück Kreide in die Hand nahm, fiel mir immer etwas ein.“ 

Schulleiterin zu werden, darüber habe sie als dreifache Mutter allerdings nie nachgedacht. „Ich habe es aber nie bereut“, betont Christel Kalkowski, deren berufliche Laufbahn an der Uni Münster begann. Von der Heimat im münsterländischen Mettingen ging es als Lehramtsanwärterin zunächst nach Lüdenscheid-Gevelndorf. Die Grundschule in Herscheid-Hüinghausen war ebenfalls eine kurze Station, danach unterrichtete sie eineinhalb Jahre an der Burgschule Neuenrade. Da sie inzwischen mit ihrem Ehemann nach Olpe gezogen war, bat sie um ortsnähere Versetzung und „landete“ in Valbert. „Hier bin ich geblieben.“

Vier Jahrzehnte hat sie das Schulleben mitgeprägt, zehn von ihnen als Rektorin. Ob sie streng war als Lehrerin? „Früher war ich das“, gibt sie zu. Heute sei sie das nicht mehr, meint sie lächelnd. Das liege auch daran, dass sich das Lehrerbild gewandelt habe. „Früher waren Lehrer Führungspersonen, heute sind es Lernbegleiter.“

Gleichzeitig gebe es neue Schwerpunkte: kooperative Lernformen, bei denen der Lehrer nicht an der Tafel stehe, sondern den Schülern ermögliche, Themen selbst zu erarbeiten, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Sinngemäß steht dafür auch der Spruch des Gründers der Reggio Pädagogik Loris Malaguzzi, der gerahmt im Büro der Schulleiterin hängt: „Ein Kind hat drei Lehrer: Der erste Lehrer sind die anderen Kinder. Der zweite Lehrer ist der Lehrer. Der dritte Lehrer ist der Raum.“ 

Auch wenn das Gebäude oberhalb des Dorfkerns immer noch den alten Charme atmet – vieles hat sich in vier Jahrzehnten auch geändert in der Schule. Das gilt auch für die Schüler. „Früher waren die Kinder mucksmäuschenstill und man musste sie zum Sprechen ermuntern. Heute sind sie meistens vom ersten Tag an viel selbstbewusster und wir müssen ihnen oft lehren, dass sie den anderen zuhören müssen. Allerdings wissen die Kinder heute auch oft viel mehr. Manche Kinder können schon fast lesen, wenn sie in die Schule kommen. Es gibt also auch positive Dinge“, beschreibt Christel Kalkowski. Allerdings, resümiert die Schulleiterin, gebe es vermehrt Defizite bei den grob- und feinmotorischen Fähigkeiten. „Man merkt, dass die Schüler mehr sitzen und nicht mehr so viel draußen toben.“ Es zeige sich auch, dass manche Kinder im dritten oder vierten Schuljahr noch kein Fahrrad fahren könnten, auch beim Schwimmen gebe es häufiger Schwierigkeiten. 

Wichtig für die Arbeit in der Schule sei, die Kinder und deren Belange in den Mittelpunkt zu stellen. In der Grundschule bräuchten Schüler eine feste Bezugsperson: „Emotionale Bindung ist in der Grundschule noch ganz wichtig.“ Gleichzeitig müsse man gemeinsam mit den Kindern Ziele aufstellen, die man erarbeiten wolle.

Sie selbst habe auch den praktischen Unterricht sehr geschätzt, sagt die Rektorin. Der Schulgarten und der Schulteich gehörten für die passionierte Hobbygärtnerin dazu. Hier hätten die Kinder stets vieles beobachten können. Von ihren 157 Schülern und ihren Kollegen wird Christel Kalkowski nach einem „wunderschönen letzten Jahr“ – mit einem Lehrerausflug nach Langeoog und dem Zirkusprojekt zum Finale – am kommenden Freitag offiziell verabschiedet. Bis zu den Ferien wird sie dann noch in „ihrer“ Schule sein, viele schöne Erinnerungen wird Christel Kalkowski mitnehmen, wenn sie die Schultür schließt.

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