Nach Prügel-Attacke Haftstrafen für die Mittäter

MEINERZHAGEN ▪ Mit erschreckender Brutalität ging am 25. Februar 2012 ein 34-jähriger Meinerzhagener gegen einen 38-Jährigen in dessen Wohnung vor. Der Mann wurde bereits verurteilt, so wie jetzt auch seine Mittäter.

Im Februar hatte der 34-Jährige seinen Gegenüber zu Boden geprügelt und dort gegen den Kopf und den Oberkörper des Wehrlosen getreten, der Blutergüsse, Platzwunden, eine Schnittwunde und zahlreiche Abschürfungen davontrug. „Er konnte sein Auge nur noch ein bis zwei Zentimeter öffnen“, schilderte eine Polizistin ihren Eindruck nach dem Notruf des Mannes. „Die Wohnung war ziemlich blutverschmiert“, ergänzte ein Ermittler. Glücklicherweise behielt das Opfer keine Schäden zurück.

Am 5. Juni verurteilte ein Schöffengericht in Lüdenscheid den 34-Jährigen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung. Dagegen wehrte er sich vor einer Berufungskammer des Landgerichts Hagen, die die Haftstrafe zur Bewährung aussetzte. Verurteilt wurde der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Raubes, denn er hatte gemeinsam mit zwei Mittätern die Wohnung des zwischenzeitlich in Ohnmacht gefallenen Opfers ausgeräumt. Weggeschleppt wurden unter anderem ein großer LCD-Fernseher, ein Receiver, ein Lautsprecherboxensystem, ein Akkuschrauber und eine Webcam. Eine Kette wurde kurzerhand vom Hals des Opfers gerissen.

Die beiden mutmaßlichen Mittäter, die zumindest beim Abtransport der Güter geholfen haben sollen, mussten sich am Mittwoch für ihre Beteiligung an dem Raubüberfall ebenfalls in Lüdenscheid vor einem Schöffengericht verantworten. Am Ende wurden auch sie wegen des Raubüberfalls verurteilt: Ein 27-jähriger Meinerzhagener kassierte ein Jahr und vier Monate auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung und Raub. Ein dritter Beteiligter kam wegen Beihilfe zum Raub mit einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung davon.

Der 28-Jährige versuchte nach Kräften, seinen Beitrag zu der Tat herunterzuspielen. Beim morgendlichen Brötchenholen habe er seine beiden Mittäter getroffen und anschließend wunschgemäß zum Haus des Opfers gefahren. Dort sei er mit in die Wohnung gegangen, aus der er sich nach den ersten Schlägen gegen das Opfer aber wieder entfernt habe. Tatsächlich konnte sich das Opfer nicht erinnern, ihn dort gesehen zu haben. Unten wartete der 28-Jährige, bis die beiden Anderen mit Händen voller Beute wieder herunterkamen. Nur gegen seinen Widerstand sei der Kofferraum seines Autos damit befüllt worden, behauptete er. „Wenn ich gewusst hätte, was passiert, hätte ich die da gar nicht hingefahren“, versicherte der einzige Beteiligte, der nicht stark betrunken war. Sein Verteidiger plädierte wegen eines fehlenden gemeinsamen Tatentschlusses auf Freispruch für seinen Mandanten. Sein Kollege folgte dieser Linie: Sein Mandant habe bei dem Geschehen „nur daneben gestanden“. Es gebe deshalb erhebliche Zweifel an einer Mittäterschaft.

Das aber sahen Staatsanwältin und Schöffengericht ganz anders: Nicht nur durch gesprochene Worte, sondern auch durch Verhaltensweisen könne eine Verabredung zu einer Straftat zustande kommen, erklärte Richter Jürgen Leichter den Anwälten. „Es kommt nicht immer auf den Wortlaut an.“ Man müsse davon ausgehen, dass es irgendeine Form von Absprache gab, „es dem da oben mal richtig zu zeigen“. Das Opfer, das bestätigt hatte, dass der schon zuvor verurteilte Haupttäter das Beutemachen mit den Worten „Bedient euch!“ eröffnet hatte, sei glaubwürdig. Und diese beiden Worte machten keinen Sinn, wenn er sich als Alleintäter verstanden hätte ▪ thk

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