Prozessstart am Landgericht Hagen

Nach Missbrauch der Tochter: Eltern weisen sich gegenseitig Schuld zu

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Symbolbild

Meinerzhagen – Mit der Verlesung der Anklage und weitgehenden Geständnissen der beiden Angeklagten hat im Landgericht Hagen am Dienstag der Prozess gegen ein Ehepaar aus Meinerzhagen begonnen.

Der 37-jährige Angeklagte und seine 32-jährige Ehefrau gaben zu, dass sie in wechselnder Besetzung unterschiedliche sexuelle Handlungen an ihrer gemeinsamen Tochter vorgenommen hatten, die zu den Tatzeitpunkten noch keine drei Jahre, teilweise noch unter zwei Jahren alt war

Da die Eheleute sich bei den Übergriffen teilweise gegenseitig fotografierten und kleine Videos drehten, steht der 1. großen Strafkammer des Landgerichts reichlich Beweismaterial zur Verfügung. Bei einer Hausdurchsuchung am 20. November 2019 stellten die Ermittler auf zahlreichen Datenträgern weiteres kinderpornografisches Material sicher. 

"Ich kann das nicht erklären"

„Es tut mir leid, dass das so passiert ist“, legte zunächst der Familienvater sein Geständnis im Hinblick auf die Übergriffe gegenüber seiner Tochter ab. „Ich kann das nicht erklären, wie es dazu gekommen ist.“ 

Er bemühte sich aber, die kinderpornografischen Bilder möglichst weit aus seinem Verantwortungsbereich zu schieben: Sie seien ihm zugeschickt worden – inmitten einer großen Menge an Erwachsenen-Pornografie. Das legte den Schluss nahe, dass der Angeklagte in der Fülle des Gesammelten möglicherweise den Überblick verloren hatte. 

Das passte allerdings nicht zu dem gravierenderen Vorwurf, dass die Angeklagten ihre eigene kleine Tochter missbraucht und davon ebenfalls Bilder gemacht hatten. 

Angeklagte berichtet von eigenem Missbrauch

Die Angeklagte übersprang zunächst die konkreten Tatvorwürfe und bemühte sich um eine persönliche Rechtfertigung: „Ich möchte etwas zu mir und meinem Leben sagen.“ Die Richter werden sicherlich ihren Bericht über einen sexuellen Missbrauch im Alter von elf Jahren noch einmal aufnehmen. 

Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz wunderte sich allerdings über die Selbstrechtfertigung mit einem erlittenen sexuellen Missbrauch: „Haben Sie sich nicht vorstellen können, wie das für Ihre eigenen Kinder ist?“ 

Die 32-Jährige bemühte sich darum, ihren Mann als treibende Kraft bei den Übergriffen auf die gemeinsame Tochter darzustellen. „Er hatte die Idee, sich an ihr zu vergreifen?“, fragte der Vorsitzende Richter. „Definitiv ja!“, versicherte die Angeklagte, die dankbar auch die Formulierung aufnahm, dass sie „den Wünschen ihres Ehemanns erlegen“ sei. „Ich habe mich unter Druck gesetzt gefühlt“, erklärte sie.

Der 37-Jährige bekam Gelegenheit zu einer Gegenrede: „Das war immer einvernehmlich. Ich habe sie nie zu etwas gezwungen“, beteuerte er. „Es war nie mein Ziel, sie zu bedrängen.“

Der Prozess wird morgen vor dem Landgericht Hagen fortgesetzt.

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