Infektionskrankheit

Nach Masernwelle in Meinerzhagen: So steht es um eine Impfpflicht in Kindergärten

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Eine Schutzimpfung kann vor Infektionskrankheiten schützen. Dennoch werden in den Meinerzhagener Kitas weiterhin auch Mädchen und Jungen aufgenommen, die nicht geimpft sind.

Meinerzhagen - Eine Masern-Erkrankung wurde zuletzt vor zwei Wochen in Meinerzhagen gemeldet, seitdem sei kein Fall mehr bekannt geworden, sagte ein Sprecher des Märkischen Kreises. Das Thema Impfschutz ist aber immer noch aktuell. In den heimischen Kindergärten wird auf Freiwilligkeit gesetzt.

Im Januar hatte hatte ein ungewöhnlicher Anstieg von Masern-Erkrankungen in Meinerzhagen für Unruhe gesorgt, auch im Oberbergischen Kreis stieg die Zahl der Masernfälle. Während das Gesundheitsamt des Märkischen Kreises unbedingt rät, den Impfstatus von Kindern und Erwachsenen überprüfen zu lassen, hat die Sorge vor dem Virus in Essen gravierendere Folgen. 

Fünf Kindertagesstätten in privater Trägerschaft nehmen hier nur noch Kinder auf, die einen Impfschutz vorweisen können, der von der ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Institutes empfohlen wird. Für diese Entscheidung hat die Betreiberin der Kitas bundesweit viel Lob geerntet. Aber auch Kritiker melden sich zu Wort. Denn bisher gibt es in Deutschland keine Impfpflicht. 

Kita-Träger verzichten auf den Impfzwang

In Meinerzhagen verzichten die Träger der Kindertagesstätten daher auf Zwang – und setzen weiterhin auf Aufklärung. „Wir können aus unserem Selbstverständnis heraus keine Impfpflicht einführen, da es diese auch bundesweit nicht gibt. Bei uns gilt weiterhin die Selbstbestimmung der Eltern“, betont Iris Diedenhofen vom Zweckverband Katholischer Kindertageseinrichtungen im Bistum Essen. 

Allerdings werde in den katholischen Kitas vor der Aufnahme der Kinder überprüft, ob die Eltern eine Impfberatung in Anspruch genommen haben. Ist kein Nachweis vorhanden, müssen sich Eltern beim niedergelassenen Kinderarzt oder beim Gesundheitsamt beraten lassen. „In diesen seltenen Fällen meldet die Kita-Leitung nach Paragraph 34 Infektionsschutzgesetz die fehlende Impfberatung dem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst.“

Eltern sind sichtlich besorgt

Das Gesetz zum Schutz übertragbarer Erkrankungen mit erweiterter Meldepflicht, das eine Impfberatung vor dem Kita-Eintritt vorschreibt, trat am 25. Juli 2017 in Kraft. Die Sorge einiger Eltern vor einem Ausbruch der Krankheit sei zu spüren, sagt Diedenhofen. Vereinzelt hätten Eltern in den Einrichtungen des Zweckverbandes nachgefragt, ob sie davon ausgehen könnten, dass alle Kinder, die die jeweilige Einrichtung besuchen, geimpft seien.

Iris Diedenhofen weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass man keinen einhundertprozentigen Schutz bieten könne. „Selbst wenn die Kinder im Kindergarten geimpft sind, könnte es theoretisch sein, dass ein fremdes Kind, das beim Abholen dabei ist, das Virus überträgt.“ Sollten meldepflichtige Krankheiten wie beispielsweise Masern in den Einrichtungen auftreten, kämen die Kitas ihrer Verpflichtung nach und informierten darüber mit Aushängen. „Wenn wir wissen, dass Mütter schwanger sind, rufen wir sie auch an, um sicherzugehen.“ 

Erinnerungen an die Impfungen gern gesehen

In den Einrichtungen des Unterbezirks der Arbeiterwohlfahrt (Awo) – unter anderem in der Kita „Rappelkiste“ – wird ähnlich verfahren. Awo-Fachberatung Tina Reers erklärt: „Wir als Kindertageseinrichtung sind nach dem Infektionsschutzgesetz verpflichtet, die Eltern über die Wichtigkeit eines vollständigen Impfschutzes beim Kind aufzuklären.“ Im Rahmen der Aufnahmegespräche komme es vor, dass unvollständige Impfpässe vorgelegt würden. „Manchmal haben Eltern die Nachimpfung vergessen und sind für eine Erinnerung dankbar“, stellt Reers fest. Eine grundsätzliche Impfpflicht bestehe in den Awo-Kitas nicht, problematische Fälle seien nicht bekannt.

Nur noch geimpfte Kinder in die Kita - Ist dieser radikale Vorstoß gerechtfertigt?

„Bei uns sind alle Kinder geimpft“, ist Edda Dahlhaus, Leiterin des evangelischen Kindergartens Otto-Fuchs-Straße froh, dass es hinsichtlich der Impfbereitschaft noch nie Probleme gegeben habe. Aus ihrer Sicht ist es wichtig, Impfungen durchzuführen – gerade, wenn Kinder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen. Zum einen gehe es um die Gesundheit des eigenen Kindes, aber auch um die der anderen Kinder und der Mitarbeiter. 

Impfbuch muss vorgelegt werden

Gerade Krankheiten wie Masern könnten bekanntlich zu gefährlichen Folgeerkrankungen führen. Vor der Aufnahme in den evangelischen Kitas wird, wie es das Infektionsschutzgesetz vorschreibt, überprüft, ob Eltern eine Impfberatung wahrgenommen haben. Ist das nicht der Fall, werde das Gesundheitsamt informiert. Laut Gesetz dürften dann auch personenbezogene Daten weitergegeben werden. Das Impfbuch müsse ebenfalls vorgelegt werden. Fehlen Impfungen, sei dies kein Grund, ein Kind abzulehnen. Allerdings weist Edda Dahlhaus auf die Aufnahmekriterien hin, die jede Kita habe.

Auf Beratung wird auch in den DRK-Einrichtungen gesetzt. „Wir überprüfen, ob eine Impfberatung stattgefunden hat“, erklärt Kathrin Weichert, Geschäftsführerin der DRK-Kinderwelt, Trägerin der Meinerzhagener Einrichtung „Korallenriff“. Die Vorlage der Bescheinigung reiche aus, „allerdings darf diese nicht älter als drei Monate sein“, so Kathrin Weichert. „Liegt keine Impfberatung vor oder ist die Bescheinigung älter als drei Monate verweisen wir die Eltern an das Gesundheitsamt mit dem Hinweis, die Beratung durchführen zu lassen.“ 

Aus diesem Grund sollten Sie sich dringend impfen lassen

Ob Kinder geimpft würden oder nicht, sei letztlich eine Entscheidung der Eltern und habe keinen Einfluss auf die Aufnahme. „Innerhalb des DRK haben wir diese Thematik auch diskutiert, doch laut Gesetz besteht keine Impfpflicht.“ Trete etwa ein Masernfall auf, müsse dies gemeldet werden. Das betroffene Kind müsse dann natürlich zu Hause bleiben, das Infektionsschutzgesetz schreibe auch einen Aushang vor. 

Auslöser für Masernwelle bekannt

Zu Beginn des Jahres waren in den beiden Volmestädten 31 Masernfälle aufgetreten – allein 29 davon in Meinerzhagen. Ausgehend von diesen Fällen waren danach noch vier weitere Fälle gemeldet worden. Der Kreis hatte daraufhin bestätigt, dass die Erkrankungen auf einen Weihnachtsgottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde zurückzuführen seien, bei dem viele nicht geimpfte Personen zusammenkamen. 

Beim Kreis geht man davon aus, dass die Zahl der Erkrankungen weitaus höher lag. Kitas und Schulen waren von einer Masernwelle nicht betroffen. Wäre das der Fall gewesen, hätte das Gesundheitsamt trotz der nicht bestehenden Impfpflicht eingreifen und zum Beispiel nicht geimpften Kindern den Besuch der Gebäude verwehren können.

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