Nach 150 Jahren kommt das „Aus“

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Für das Freizeitheim mit seinen 40 Betten gibt es laut Pastor Detlev Kühne bereits Interessenten.

DRÖGENPÜTT ▪ Die Kirchengemeinden haben im ganzen Land mit Problemen zu kämpfen. Es fehlt an Nachwuchs. Dass eine ganze Gemeinde aus diesem Grund aufgelöst werden muss, ist allerdings selten. Bei der Freien evangelischen Gemeinde Werkshagen/Drögenpütt jedoch führt genau dieses Dilemma jetzt dazu, dass eine Auflösung unumgänglich wird.

„Liebe Geschwister und Freunde. Nach fast 150 Jahren schließt die Freie evangelische Gemeinde Werkshagen ihre Pforten. Gleichzeitig wird auch der Betrieb des Jugend-Freizeitheimes Drögenpütt, das so in dieser Form seit fast 50 Jahren besteht, eingestellt. Aus diesem Anlass möchten wir uns noch einmal am 7. November um 15 Uhr auf dem Drögenpütt treffen, um dankbar Rückschau zu halten und Erinnerungen auszutauschen. Jan Karsten Hoekstra, zurzeit Pastor der FeG Münster, wird an diesem Nachmittag die Predigt halten. Anschließend bewirten wir unsere Gäste ein letztes Mal mit Kaffee und Kuchen“, teilt Gemeindemitglied Jürgen Boecker aktuell auf der Homepage der Gemeinde unter http://www.puettbote.de. mit.

Pastor Detlev Kühne tut es sehr leid, dass die Gemeinde unmittelbar vor dem Aus steht. „Zuletzt bestand sie aber nur noch aus sieben Mitgliedern. Junge Menschen ziehen aus dem Bereich Drögenpütt, Werkshagen und Lengelscheid weg“, kennt er die Gründe für den Mitgliederschwund. In Werkshagen sei es außerdem sehr schwierig, neue Mitglieder zu finden. „Ältere sterben, noch im Sommer sind einige Gemeindemitglieder verzogen“, bilanziert Kühne die jüngste Entwicklung in der Gemeinde an der Sauerlandlinie. Insgesamt gebe es allerdings in den Freien Gemeinden einen Aufschwung, erläutert der Geistliche.

Das Freizeitheim Drögenpütt mit seinen 40 Betten, der Selbstversorgerküche und dem Tages- und Speiseraum ist im Besitz der Gemeinde. Es soll nun verkauft werden. „Wir hoffen, dass uns das noch bis Ende des Jahres gelingt. Es gibt bereits Interessenten aus anderen Gemeinden und christlichen Werken. So wie es aussieht, wird das Haus ein Freizeitheim bleiben“, berichtete Pastor Kühne heute auf MZ-Anfrage zum Stand der Verhandlungen.

Die Freie evangelische Gemeinde Werkshagen/Drögenpütt besteht seit etwa 150 Jahren und ist damit eine der ältesten im Verbund. Hier haben viele Freie Gemeinden in der Umgebung ihren Ursprung. „Die Meinerzhagener Gemeinde beispielsweise wurde dort initiiert“, weiß Detlev Kühne.

Ein kleiner Einblick in die Geschichte der Freie evangelische Gemeinde Werkshagen: „In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts äußerte sich in hiesiger Gegend das christliche Leben in treuem Kirchenbesuch, Hausandachten und rechtschaffenem Lebenswandel. Einige gläubige Pfarrer regten besonders ihre Konfirmanden zu ernstem Bibelforschen und zum Gebet an. Hierdurch entstanden an manchen Orten kleine Gruppen, die sich in den Häusern zu gemeinsamer Wortbetrachtung versammelten. 1851 kehrte Peter Wilhelm Kaiser als gläubiger Christ von seiner Dienstzeit in Köln zurück. Durch sein Zeugnis wurde in Beckerhof und Werkshagen geistliches Leben gewirkt. Er war es auch, der nun den Anschluss an Gleichgesinnte suchte“, ist auf der Homepage der Gemeinde nachzulesen. Was damals seinen Anfang nahm, wird jetzt also mit der Auflösung enden. ▪ beil

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