„Wir sind keine schwache Gemeinde“

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Dass die Kanzel in der Johanneskirche verwaist, ist derzeit nicht zu befürchten. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Pastor Friedrich Tometten verlässt Meinerzhagen, seine Pfarrstelle wird ersatzlos gestrichen. Jetzt ist eine Umstrukturierung in der evangelischen Gemeinde nötig.

In Meinerzhagen bleiben nur noch zwei Pfarrstellen übrig, betreut von Pastorin Petra Handke und ihrem Kollegen Klaus Kemper-Kohlhase.

Zwar kam der Abschied des Seelsorgers am Sonntag für viele überraschend, dass bei mittlerweile nur noch knapp 6000 Gemeindegliedern auf Dauer eine dritte Pfarrstelle nicht mehr zu finanzieren ist, war hingegen länger klar.

Viel Zeit, sich nach Tomettens Entscheidung über die Zukunft Gedanken zu machen, hatte auch Pastorin Petra Handke bisher nicht. Für sie ist aber klar: „Wir müssen den Weg in die Zukunft nun gemeinsam gestalten. Wir sind eine Gemeinde, der Pfarrbezirk wird nun in Gemeinschaft getragen.“

Friedrich Tometten war bereits in der Vergangenheit beruflich vier Monate im Jahr für das Evangelische Missionswerk in Papua-Neuguinea tätig, Vertretungen mussten also auch schon in den letzten Jahren organisiert werden. Dabei spielte auch der in Meinerzhagen wohnende Pfarrer Dirk Gogarn eine Rolle. Er bekleidet in Meinerzhagen eine „25-Prozent-Stelle“. Das wird auch so bleiben, „aber vielleicht können wir zusätzlich von seinem restlichen Vertretungsdienst profitieren“, hofft Petra Handke nun. Gogarn ist darüber hinaus auch als Koordinator für die heimische Notfallseelsorge im Einsatz, er kennt sich in Meinerzhagen also bestens aus.

Zum 15. April 2013 wird Friedrich Tometten Meinerzhagen verlassen und seinen Dienst am Seminarzentrum der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal antreten. Weil seine berufliche Neuorientierung auch für ihn selbst erst seit wenigen Wochen feststeht, konnten längerfristig vereinbarte Termine bislang noch nicht umorganisiert werden. Petra Handke beruhigt allerdings: „Er hat zugesagt, seine Konfirmanden bis zur Konfirmation zu begleiten. Und auch kein Hochzeitspaar muss sich nun sorgen, dass es auf der Strecke bleibt“, steht für die heimische Seelsorgerin fest.

Dass es in der evangelischen Kirchengemeinde Umstrukturierungen geben würde, war seit längerer Zeit klar. So wurden statt der drei Pfarrbezirke schon vor geraumer Zeit zwei „Betreuungsbezirke“ angedacht, aufgeteilt in die Regionen Meinerzhagen Ost und West. Ob das so kommen wird, muss die Gemeinde nun diskutieren. Dabei kommt dem Presbyterium unter Vorsitz von Wilhelm Schnöring sicherlich eine wichtige Rolle zu. „Wir werden nach dem Abschied von Friedrich Tometten auf jeden Fall sehr sensibel mit den Gefühlen umgehen. Niemand wird alleingelassen. Es könnte auch sein, dass wir Beratungen in Anspruch nehmen. Es gibt beispielsweise Pfarrer, die eine Ausbildung als Gemeindeberater haben“, erläuterte Petra Handke.

Wilfried Schnöring ist es in der derzeitigen Situation außerdem wichtig, Befürchtungen in der Gemeinde zu zerstreuen: „Die momentane Situation rechtfertigt es nicht, am Inselweg etwas zu ändern.“ Eine Schließung der Kirche etwa kommt für ihn damit nicht in Frage: „Wir haben jetzt zwei Pfarrer und zwei Predigtstätten“, ist für ihn klar, dass sowohl in der Jesus-Christus-Kirche als auch in der Johanneskirche weiterhin Gottesdienste gefeiert werden. Die heimische Gemeinde ist für Schnöring weiterhin vollkommen intakt: „Wir sind keine schwache Gemeinde“, stellt er klar und fügt hinzu: „Das Angebot vor Ort soll aufrechterhalten werden. Natürlich muss man versuchen, die Gemeinde mit einzubinden, etwa im Rahmen von ehrenamtlicher Arbeit. Das fängt bereits bei Kleinigkeiten wie dem Verteilen der Gemeindestimme an.“

Wie es in der evangelischen Kirchengemeinde nun weitergehen wird, darüber wird in den kommenden Wochen und Monaten diskutiert. Sitzungen von Presbyterium, dem geschäftsführenden Ausschuss, der Pfarrer und eine Gemeindeversammlung sollen Klarheit bringen. ▪ beil

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