INTERVIEW Parteilose Kandidatin nennt Hauptschul-Areal und TuS-Turnhalle als erste Projekte / Auch das Ehrenamt spielt für sie eine große Rolle

Iris Laufer: CDU-Aktion „ist kein kreatives Handeln“

Iris Laufer ist Unternehmensberaterin, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie tritt am 25. Mai als parteilose Kandidatin für das Bürgermeisteramt an.

Meinerzhagen - Iris Laufer (47) zog ebenso wie Michael Deppe als parteilose Kandidatin in den Wahlkampf. Die Unternehmensberaterin setzt auf Unabhängigkeit und hat sich im vergangenen Jahr vor allem in die Diskussion ums Stadthallen-Umfeld eingebracht. Frank Zacharias sprach mit ihr über ihre Ziele als Bürgermeisterin, ihre Motivation – und fragte sie nach einer Nähe zur UWG.

Frau Laufer, politisch aktiv waren Sie bereits im vergangenen Jahr, als Sie als Gegnerin der von der Verwaltung vorgeschlagenen Stadthallen-Umgestaltung aufgetreten sind. Haben Sie bereits damals an eine Kandidatur als Bürgermeisterin gedacht?

Iris Laufer: Viele Bürger haben damals gesagt „Wenn du mal Bürgermeisterin wärst...“ – das habe ich aber immer abgetan, weil ich ja glücklich in meinem Beruf bin, Familie habe und mich in Vereinen engagiere. Danach bin ich tiefer ins Thema eingestiegen. Anlass für die Aktivitäten zum Stadthallen-Umfeld war übrigens nicht, dass ich gegen die Planung war, sondern vielmehr hat mich gestört, dass der Bürger nicht einbezogen wurde. Wer das Regionale-Papier durchliest, sieht schon in der Präambel, dass eine Beteiligung des Bürgers gefordert wird. Den Wert einer intensiven Beteiligung stelle ich derzeit auch auf meiner Wahlkampftour fest: Das, was gehegt und gepflegt wird, ist meist aus eigener Initiative der Bürger entstanden.

Da Sie die fehlende Bürgerbeteiligung damals kritisiert haben, kann man erwarten, dass Sie genau dort Ansatzpunkte für eine mögliche Amtszeit sehen. Aber ergibt sich aus einer stärkeren Bürgerbeteiligung nicht auch die Gefahr, dass das Fachwissen von Experten in den Hintergrund gerückt wird?

Laufer:  Nein. Das bin ich auch in meinem beruflichen Umfeld gewohnt. Ich kann mit neutralem Auge ins Unternehmen gehen und sehe Potenziale oder Schwachstellen, bei denen ich Anregungen geben kann. Dann muss ich aber immer den Fachmann aus dem Unternehmen dazuholen! Ich kann zwar keine Maschine einrichten, aber ich kann sagen, dass es zu viele Handgriffe gibt oder Rüstzeiten zu lang sind.

Und doch schüren Bürgerbeteiligungen auch eine Erwartungshaltung – und zwar jener Bürger, die dann auch die Realisierung ihrer Ideen erhoffen...

Laufer: Das Risiko sehe ich nicht. Das merke ich derzeit auch an meiner Pinnwand, bei der die Bürger ihre Ideen äußern können: Die Leute sehen, wo der Hauptstrom hingeht und was sich die Mehrheit wünscht. Da herrscht auch großes Verständnis, wenn es vielleicht einmal fachliche Gründe gibt, die gegen eine Umsetzung sprechen, oder auch finanzielle. Man muss immer schauen, was machbar ist.

Was würden Sie denn außerdem ihrer Meinung nach besser machen als ihr Vorgänger im Bürgermeisteramt?

Laufer: Was mich immer gut schlafen lässt, ist ein schöner Kontostand der Stadtkasse. Das ist eines meiner Anliegen. Natürlich muss investiert werden – Stillstand bedeutet Rückschritt. Aber die Investitionen müssen einen Mehrwert bringen, der sich wieder auszahlt. Was mir sehr wichtig ist, ist zudem die Förderung des Ehrenamts, ohne das in keiner Stadt das soziale Leben läuft. Die Wertschätzung diesen Menschen gegenüber möchte ich gerne stärken.

Wie soll diese Stärkung des Ehrenamts gelingen?

Laufer:  Die Ehrenamtskarte, die es ja schon in Meinerzhagen gibt, ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Da kann man sicherlich mehr machen. Und ich kann mir einen Tag des Ehrenamts vorstellen als Plattform, auf der gezeigt wird, wo überall ehrenamtliches Engagement stattfindet. Dabei liegt mir vor besonders das jugendliche Engagement am Herzen. Ich würde außerdem die Vereinsarbeit dahingehend unterstützen, dass man den Informations- und Kommunikationsfluss stärkt. Ich bin ja in vielen Vereinen aktiv und organisiere. Eine Idee wäre die Zusammenstellung von benötigten Materialien, mit denen sich die Vereine gegenseitig unterstützen können. Das wurde vom Stadtmarketingverein aufgegriffen, bislang aber leider nicht kommuniziert.

Sie sprachen von einem „schönen Kontostand“ – wie wollen Sie diesen erreichen?

Laufer:  Wenn ich fünf, sechs Jahre weiterdenke, fällt mir als großer ,Batzen´ die Hauptschule ein, die dann leerstehen wird. Ich muss mir jetzt Gedanken machen, was aus diesem Areal wird. In diesem Zusammenhang steht natürlich auch die TuS-Turnhalle. Der Verein braucht diese Halle unbedingt, wir müssen sie auf jeden Fall behalten. Jeder soll die Möglichkeit haben, seinen Sport auszuüben. Natürlich stellt sich die Frage, wie wir das finanzieren können. Ich habe da schon Ideen, die ich aber noch konkretisieren muss. Das alles geht natürlich nur mit einem selbstbestimmten Haushalt.

Mit Stellungnahmen zu den viel diskutierten Themen „Sicherheit“ und „Ärztemangel“ haben Sie sich bislang zurückgehalten. Warum?

Laufer: Es fehlt nicht nur an Ärzten. Genauso könnte ich sagen, dass ich für Meinerzhagen gute Lehrer brauche, gute Facharbeiter, gute Denker. Da könnte ich für jedes Thema ein Fass aufmachen. Das Thema „Ärzte“ betrifft natürlich jeden Menschen, es ist populär. Aber ich muss mir überlegen, wie ich Menschen nach Meinerzhagen hole, die einen Mehrwert für die Stadt bringen. Sei es an Kaufkraft, an Gedanken, an sozialer Unterstützung oder anderem. Da muss man eine Lebensqualität schaffen, damit am Ende jeder sagt: „Nach Meinerzhagen muss ich unbedingt!“ Dafür muss ich eben etwa das ehrenamtliche Engagement stärken oder auch die Jugend mit in Entscheidungen einbeziehen. Die Unterschriftenaktion der CDU diente natürlich dazu, ins Gespräch zu kommen. Aber das ist für mich kein kreatives Handeln, das ist nur ein Mittel, um anderen zu sagen: „Tut mal was.“ Ich selber habe auch unterschrieben, aber ich bezweifle, dass es was nützt.

Sie werben mit Ihrer Parteilosigkeit. Allerdings würde zumindest familiär eine Kandidatur für die UWG nahe liegen. Ihr Mann Klaus tritt im Wahlbezirk 12 für die Unabhängigen an. Was sagen Sie den Skeptikern, die Ihnen eine Parteinähe unterstellen?

Laufer:  Dass das nicht stimmt! Bei uns in der Familie darf jeder seine eigenen Ansichten vertreten. Ich bin gerne engagiert und ich setze mich gerne ein, aber ich möchte keiner Partei verpflichtet sein. Angebote von Parteien, mich zu unterstützen, habe ich abgelehnt. Ich stemme das allein. Ansonsten könnte ich dann ja auch den Grünen zugeordnet werden, weil ich im vergangenen Jahr mit Ingolf Becker gemeinsam in Sachen Stadthallen-Umfeld aktiv war. Ich denke, dass die Parteien durch die Bank sehr viele verschiedene gute Ideen haben. Etwa das Familien-Audit, welches von der SPD vorgeschlagen wurde, finde ich Klasse. Da habe ich es als Parteilose von den Themen her einfacher, als wenn ich einer Partei verpflichtet wäre, die ihr Wahlprogramm durchsetzen will.

Welche Projekte würden Sie als Meinerzhagens Bürgermeisterin zuerst anpacken?

Laufer: Nachdem ich die Lage sondiert habe, würde ich mich mit der Zukunft des Hauptschul-Areals beschäftigen und mit der Frage, wie wir die TuS-Turnhalle mit einer schwarzen Null erhalten können. Das brennt mir unter den Nägeln. Gleichzeitig werde ich eine Bestandsaufnahme in Richtung Familien-Audit machen: Was haben wir an sozialen Leistungen, was tut uns gut und wo fehlt vielleicht etwas? Schnell umzusetzen ist auch eine Übersicht von möglichen Förderprogrammen für die Meinerzhagener Betriebe. Hier habe ich großen Informationsbedarf festgestellt. Auch eine Bürgermeistersprechstunde, bei der ich zu den Bürgern gehe, gehört zu den ersten Dingen, die umzusetzen würde.

Wenn die Stimmen am 25. Mai ausgezählt sind, es aber zu einer Stichwahl ohne Sie käme – könnten Sie für einen Ihrer Mitbewerber eine Wahlempfehlung geben?

Laufer: Nein. Ich weiß nur, was ich machen würde. Wichtig ist nur, dass jeder zur Wahl geht, um seine Einflussmöglichkeiten zu nutzen.

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