INTERVIEW Parteiloser Kandidat würde sich als Bürgermeister zunächst die personelle Situation anschauen / Baukosten sollen minimiert werden

Michael Deppe: „Parteien sollten sich weniger bekriegen“

Michael Deppe arbeitet als stellvertretender Sachgebietsleiter für den Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auch er tritt am 25. Mai als parteiloser Kandidat an.

Meinerzhagen - Michael Deppe (43) ist parteilos und hat 13 Jahre lang im Tiefbauamt Meinerzhagens gearbeitet. Seit dem vergangenen Jahr ist er stellvertretender Sachgebietsleiter im Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid. Im Gespräch mit Frank Zacharias nimmt er Stellung zu seiner Art des Wahlkampfs und zur Motivation, sich dem Amt zu stellen.

Herr Deppe, Sie haben als letzter Bürgermeisterkandidat Ihren Hut in den Ring geworfen. Was treibt Sie an, den Chefsessel im Rathaus anzustreben?

Michael Deppe: Ich habe über die Kandidatur nachgedacht, als lange Zeit Herr Nesselrath als einziger Kandidat zur Verfügung stand. Das widersprach auch meinem Demokratieverständnis. Der Entschluss war dann im Februar schon so weit gereift, dass ich mich trotz der mittlerweile zwei weiteren Kandidaten zur Kandidatur entschlossen habe. Denn da ist immer noch niemand bei, der einen Einblick in die Verwaltung hat, wie ich ihn habe. Von daher traue ich mir diese Aufgabe gut und gerne zu.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Bürgermeister aus?

Deppe:  In erster Linie ist er Chef der Verwaltung, das heißt, er sollte Menschenkenntnis und Menschenführung beherrschen, Situationen gut durchblicken können und neutral an Entscheidungen herangehen. Dann ist er natürlich noch Repräsentant der Stadt.

Gab es Punkte, die Sie bislang in Meinerzhagen in der Verwaltung vermisst haben?

Deppe:  Die Personalpolitik hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert. Es gab ein Personalentwicklungskonzept, was letztlich von der CDU vorangetrieben worden ist. Da hat sich einiges geändert, aber es wurde noch nicht ordentlich umgesetzt. Das ist schade.

An welchen Punkten sollte dieses Konzept fortgeführt werden?

Deppe:  Bei der Motivation der Mitarbeiter. Die kann durch Anreizsysteme und flexiblere Arbeitszeiten gesteigert werden. Auch die Honorierung von Verbesserungsvorschlägen war mir immer ein Dorn im Auge. Für gute Ideen gibt es keine Prämierung. Ein Lob würde oft schon genügen.

Sie werben einerseits mit Ihrer Erfahrung im Verwaltungsbereich, zum anderen aber auch mit der Parteilosigkeit. Sie wollen außerdem die politische Diskussion auf ein „sachliches Maß“ bringen. Das klingt, mit Verlaub, nach einem Bürgermeister der Bürokratie, einem Verwalter...

Deppe: Ich denke, dass alle Parteien gute Ideen in den Rat einbringen – siehe Ärztemangel. Auch die Sicherheit ist ein wichtiges Thema, das man vorantreiben sollte. Das sollte aber nicht auf politischer Ebene geschehen. Viel mehr muss neutral betrachtet werden, ob so etwas überhaupt zu verwirklichen ist, um es nach eingehender Prüfung umsetzen zu können. Die Parteien sollten sich weniger bekriegen. Schlammschlachten wie um Axel Oehm bekommt der Bürger mit – und dann herrscht nicht nur eine Politikverdrossenheit, sondern auch eine Wahlmüdigkeit.

Setzen Sie in der Folge auf diese „wahlmüden“ Bürger?

Deppe:  Demokratie und das Wahlrecht sind Errungenschaften, für die unsere Vorväter gekämpft haben. Von daher sollte ein jeder Wähler Gebrauch davon machen. Wer meint, der Politik einen Denkzettel damit verpassen zu müssen, indem er nicht wählen geht, handelt verkehrt. Vor allem erscheint das nicht glaubwürdig, wenn er die Wahl hat, einen Parteilosen zu wählen.

Sie sprachen die Themen „Ärztemangel“ und „Sicherheit“ bereits an. Während Mitbewerber sich zu beiden Gebieten äußerten, war von Ihnen dazu nichts zu hören. Warum nicht?

Deppe: Sicherheit sehe ich nicht als originäre Aufgabe des Bürgermeisters. Das Ordnungsamt kann bestimmt helfend zur Seite stehen, die Vorschläge, wie man das umsetzen kann, müssen letztlich von Sicherheitsbehörden kommen. Was den Ärztemangel angeht, haben wir der Presse ja oft genug entnehmen können, dass er nicht wirklich herrscht. Dennoch wünscht man sich natürlich in ländlichen Regionen, dass man in nächster Nähe einen Arzt aufsuchen kann. Ich denke aber, dass sich auch da eine Lösung zeigt – etwa durch Ärztehäuser. Und in Kürze wird sich wohl auch in Valbert etwas ergeben. Das habe ich aber nur am Rande erfahren. Ansonsten wollte ich mich nicht vor den politischen Karren spannen lassen.

Bleiben wir bei den Sachthemen: Eine große Herausforderung ist immer der Haushalt. Wie wollen Sie gewährleisten, dass Meinerzhagen finanziell in Zukunft solide aufgestellt ist?

Deppe:  Der Kämmerer hat ja das Ziel gesteckt, bis 2018 die Haushaltssicherung verlassen zu können. Ich habe aber gegebenenfalls vor, dieses Ziel noch eher zu erreichen. Und zwar, indem man Baumaßnahmen günstiger abwickelt. Das kann gelingen, indem man nicht externe Büros mit der Planung beauftragt, sondern Personal einstellt und dadurch erst einmal eine bessere Kontrolle der Maßnahmen hat. Ein Ingenieursbüro, das kostenmäßig prozentual an der Bausumme verdient, hat kein Interesse daran, möglichst günstig zu bauen. Resourcing statt Outsourcing, ein- oder noch besser zurück- statt ausgliedern! Alleine die vergebenen Ingenieurkosten für städtische Baumaßnahmen belaufen sich für 2014 auf mehrere hunderttausend Euro. Dafür kann man gut und gerne drei, vier Stellen schaffen.

Dies wäre eine Minimierung der Ausgabenseite, haben Sie auch Ideen, die Einnahmen zu steigern?

Deppe: Wir haben super Industriegebiete. Da gibt es sicher noch Möglichkeiten, den Standort Meinerzhagen zu optimieren. Unsere Wirtschaftsförderin ist ganz allein auf sich gestellt, da kann der Bürgermeister mithelfen. Möglich ist etwa die Schaffung von Netzwerken für Firmen oder Auszubildende.

Welche Projekte würden Sie nach einer erfolgreichen Wahl denn als erstes anpacken?

Deppe:  Ein erster Schritt wäre der Blick auf die Veränderungen seit meinem einjährigen Fortgang und die Personalsituation mit den ganzen krankheitsbedingten Ausfällen in der Verwaltung. Wie kann ich es kurzfristig schaffen, die Mitarbeiter zu motivieren? Auch die Einführung eines Gesundheitsmanagements gehört dazu. Denn der Bürger soll mit einem Lächeln empfangen werden, ein offenes Ohr und eine rechtzeitige Bearbeitung erwarten dürfen.

Jan Nesselrath und Kai Krause haben zwei Fraktionen hinter sich und waren in den vergangenen Jahren kommunalpolitisch aktiv. Frau Laufer trat im Zuge der Erneuerung des Stadthallen-Umfelds in Erscheinung. Um Sie war es hingegen eher ruhig. Sehen Sie das als Nachteil im Kampf ums Bürgermeisteramt?

Deppe: Die Möglichkeit, die Stichwahl zu erreichen, rechne ich mir auf jeden Fall aus. Und alle Leute, mit denen ich mich unterhalten habe, sehen auch den Vorteil der Parteilosigkeit, eine neutrale Führungsspitze in der Verwaltung und im Rat. Das ist und bleibt meine Stärke.

Ohne Scheu zu haben, auf einzelne Parteien eventuell zugehen zu müssen...

Deppe:  Es geht ja nicht darum, mit denen einen Kampf auszutragen. Ganz im Gegenteil, ich will gut mit den Parteien zusammenarbeiten. Und doch muss ich als Bürgermeister neutral sein. Wie soll ich zum Beispiel als Bürgermeister und CDU-Mitglied sonst eine gute Idee der SPD oder anderen Partei im Rat bewerten, wenn zugleich noch Parteikollegen der CDU im Raum sitzen? Es geht darum, die parteipolitischen Reibungsverluste zu minimieren.

Sie sagten, dass Sie auf die Stichwahl hoffen. Wenn Sie bei dieser Stichwahl nicht mehr antreten dürften, für welchen Kandidaten würden Sie dann eine Wahlempfehlung abgeben können?

Deppe:  Wenn ich mir die Internetseiten der anderen drei Kandidaten anschaue, sehe ich, dass ein Herr Krause sehr oft in der Wir-Form redet. Davon sollte er sich verabschieden. Wenn, dann wird gegebenenfalls er als Einzelperson Bürgermeister. Bei Herrn Nesselrath finde ich doch sehr viele parteipolitische Programme und Umsetzungswünsche, die meiner Meinung nach auch von dem bisherigen Bürgermeister Herrn Pierlings so nicht publiziert worden sind. Von daher muss ich sagen, dass Frau Laufer am ehesten zu meinem Wahlprogramm passt. Gleichwohl ist sie durch das Stadthallen-Umfeld bekannt geworden. Da sehe ich einen Widerspruch: Erst dagegen, jetzt mit allen Mitteln dafür. Aber scheinbar hat sie einen Weg für sich gefunden.

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