INTERVIEW FDP-Kandidat Kai Krause blickt auf jüngste Konfrontationen im Rat zurück und will Verwaltungsstruktur prüfen

„Sollten die Rechnung nicht ohne die Wähler machen“

Kai Krause hat drei Kinder und arbeitet bei der Bundespolizei. Er wurde von der FDP als Bürgermeisterkandidat aufgestellt.

Meinerzhagen - Als zweiter Bewerber ums Bürgermeisteramt warf Anfang des Jahres Kai Krause (FDP) seinen Hut in den Ring. Der 30-jährige Familienvater arbeitet als Diplom-Verwaltungswirt bei der Bundespolizei und ist seit 13 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. Frank Zacharias sprach mit ihm über seine Chancen aufs Bürgermeisteramt, seine Ziele – und Meinerzhagen im Jahr 2020.

Herr Krause, Sie haben für den Wahlkampf sechs Wochen Urlaub genommen und untermauern nicht zuletzt durch ihren Slogan „Weil er es kann“ Ihren Anspruch auf das Bürgermeisteramt. Wie begegnen Sie den Skeptikern, die Jan Nesselrath weiter als klaren Favoriten sehen?

Kai Krause:  Noch hat er ja nicht gewonnen – auch wenn CDU und SPD meinen, es wäre so. Zur kollektiven Selbstaufgabe der SPD muss ich an dieser Stelle nichts sagen. Da kommen gar keine neuen Themen. Die Bürger wollen auch keine große Koalition, die es zweifellos gibt: Da teilt man sich die Plakatfläche oder postet als SPD auf der Facebook-Seite der CDU. An meinem Wahlkampf-Stand kam aber viel häufiger eine andere Frage auf: Wieso ich überhaupt für das Amt geeignet bin. Und dann antworte ich, dass ich Verwaltung nicht nur studiert habe, sondern auch jeden Tag in ihr arbeite. Wir sollten die Rechnung nicht ohne die Wähler machen – und ich mache meinen Wahlkampf bis zum Schluss.

Bei einem Wahlerfolg und einem stabilen Ergebnis der FDP würden Sie mit einer „Minderheitsregierung“ Stadtoberhaupt sein. Ein schwieriges Unterfangen?

Krause:  Das wäre ja bei jedem anderen freien Kandidaten genauso. Der Kollege Emde aus Kierspe bekommt ja auch seine Mehrheiten als parteiloser Bürgermeister. Außerdem ist der Bürgermeister zwar Verwaltungschef, er sollte aber auch für ein Miteinander der Parteien werben. Klar hat er ein Programm, aber das will ich auch im Konsens mit allen Parteien durchsetzen. Ich selbst bin ja auch nicht immer auf der Linie mit der FDP. Wir müssen sachlich um das beste Ziel streiten. Aber nicht mit dem Argument „Es ist schon immer alles gut gewesen“.

Aber ist der Unterschied zu den parteilosen Kandidaten nicht der, dass Gespräche mit anderen Parteien für Sie als FDP-Mann schwieriger werden könnten?

Krause:  Das glaube ich nicht. Ich habe auch schon Gespräche mit den Grünen und den Piraten geführt, auch mit Frau Laufer. Ich denke, dass wir gemeinsam um das beste Ergebnis streiten können. Es muss ja nicht immer im Kuschelkurs gehen. Ich werde sicher weiter meine eigene Meinung haben, auch wenn Gerd Wirth mich bittet, doch wieder in die „große Koalition der Vernunft“ zurückzukehren. Aber: Auch der aktuelle Bürgermeister war und ist nicht immer bequem und hatte nicht immer alle Parteien hinter sich.

Sie haben sich in den vergangenen Wochen mit Kräften gegen ein einstimmiges „Abnicken“ gewehrt, zahlreiche Anträge eingebracht und mitunter eben auch heftige Kritik einstecken müssen. Wie gehen Sie damit um?

Krause: Da bin ich relativ professionell. Vor fünf, sechs Jahren wäre ich noch mit Wut im Bauch nach Hause gegangen. Ich will ja die politische Auseinandersetzung haben. Dass diese dann von dem einen oder anderen Mitglied des Rates unsachlich wird, ist schade, aber ich kann damit umgehen.

Sie nennen immer wieder ihre Vision von „Meinerzhagen 2020“. Was bedeutet das konkret – auch mit Blick auf die Entwicklung der Finanzlage?

Krause: Noch haben wir unsere kommunale Selbstbestimmung nicht verloren. Denn wir haben es geschafft, unsere laufenden Kosten innerhalb der Verwaltung zu senken. Die macht keine schlechte Arbeit, aber ich glaube den Vorteil zu haben, dass ich in einer Behörde arbeite, die eine der bundesweit größten Reformen hinter sich hat. Das hatte auch zur Folge, dass die untere bis mittlere Führungsebene viel mehr Entscheidungsfreiheiten erhielt. Mit der Folge, dass man motivierter ist und effizienter arbeitet. Darüber hinaus muss man schauen, in welchen Bereichen wir mit den Kommunen „Oben an der Volme“ zusammenarbeiten können. Das Angebot für die Bürger sollte gleich bleiben, aber braucht man zwei Katasterämter, mehrere Bauämter oder drei Bauhöfe innerhalb von 15 Kilometern? Ich möchte keine Volmekommune haben, aber wir bewegen uns auf einem schmalen Grad zwischen Misere und Konsolidierung. Übrigens bräuchte ich als Bürgermeister auch keinen Dienstwagen mehr. Die Zeiten sind vorbei.

Ein Wahlkampfthema, das fast jede Partei für sich entdeckt hat, ist der Ärztemangel. Was können Sie im Besonderen zu dessen Entschärfung beitragen?

Krause:  Man muss Druck auf die Verantwortlichen ausüben. Der Bürgermeister kann hergehen und Gespräche mit Kliniken führen und über Versorgungsengpässe sprechen. Die CDU redet immer nur über Fachärzte, aber wir haben bald auch keine Allgemeinmediziner mehr. Man rühmt sich mit dem Multimedicum, das eine gute Sache ist, aber was ist denn mit Valbert? Man muss auf Messen gehen und fragen, wer bereit ist, hierhin zu kommen. Wenn es doch nur so leicht wäre, mit nur 2000 Unterschriften Mediziner anzulocken – nein, was die CDU da macht, ist reiner Populismus.

Und dann hat auch das Thema Sicherheit breiten Raum eingenommen...

Krause: Ich finde es schön, dass die CDU bei mir abgeschrieben hat. Ich fordere ja eine Partnerschaft zwischen Polizei und Ordnungsamt vor Ort, um Synergieeffekte zu erhalten. Unsere Streifenbeamten dürfen keinen kontrollieren, die Ordnungsbehörde schon. Wir müssen dafür notfalls auch Leute einstellen. Zugleich sollten wir die Jugendlichen nicht kriminalisieren. Ihnen müssen Angebote gemacht werden.

Abgesehen von den Sachthemen – was macht für Sie einen guten Bürgermeister aus?

Krause: Er sollte für die Bürger da sein, ein offenes Ohr haben und nicht Klientelpolitik machen. Er ist zwar Chef der Verwaltung und Leiter des Rates, aber er ist vor allem Bürgermeister der Menschen in Meinerzhagen. Daher werde ich auf jeden Fall eine Bürgersprechstunde einrichten. Daneben setze ich auf einen kooperativen Führungsstil. Was ich auf jeden Fall innerhalb der Verwaltung ändern werde, ist, dass diejenigen, die dazu die Fähigkeit haben, auch Entscheidungen treffen dürfen. Unter vielen Sachen steht mir viel zu oft der Name des Bürgermeisters. Die Fachbereichsleiter müssen im Rahmen ihrer Kompetenzen Entscheidungen treffen dürfen und auch die Mitarbeiter.

Sie wollen keine Klientelpolitik – ein Begriff, mit dem Ihre Partei aber immer wieder konfrontiert wird...

Krause: Das stimmt. Aber wer sich mein Programm anschaut, kann mir nicht vorwerfen, dass ich Lobby-Arbeit mache. Und es ist nicht alles „FDP pur“, sondern deckt das ganze gesellschaftliche Feld ab.

Mit dem Antrag zum Rats-TV wollten Sie mehr Transparenz in der Verwaltung schaffen. Das klingt, als würden Sie den Piraten nacheifern, die mit solchen Forderungen erfolgreich waren.

Krause:  Ich frage mich, wer hier wem nacheifert. Nein, ich finde das einfach sehr wichtig. Und wenn man an den Antrag zum Rats-TV denkt, ist es auch wichtig zu betonen, dass ich eine Evaluierung im Sinn hatte. Wenn es nicht genutzt wird, kann man es ja wieder abschaffen. Es geht grundsätzlich um Transparenz. Siehe Sachstandsberichte: Natürlich weiß ich, was mit dem Leerstandsmanagement in Meinerzhagen los ist. Aber wissen´s denn die Bürgerinnen und Bürger? Ich würde auch als Bürgermeister solche Berichte auch ohne Einforderung aus dem Rat immer wieder geben, denn ich finde es ganz wichtig, dass immer alle über den gleichen Punkt diskutieren können.

Sie haben jetzt auf Ihre Aktivitäten bei einem Wahlerfolg schauen können. Doch wie verhalten Sie sich bei einem negativen Votum der Bürger? Können Sie sich vorstellen, für eine Stichwahl, an der Sie nicht beteiligt wären, eine Wahlempfehlung auszusprechen?

Krause: Da gehen bislang keine Überlegungen hin. Während bei den vermeintlichen Außenseitern ja von Bürgermeisterkandidaten die Rede ist, steht bei der CDU etwas vom „Bürgermeister der Stadt Meinerzhagen“. So weit sind wir natürlich noch nicht. Man denkt über eine Stichwahl nach, aber auch so weit sind wir noch nicht. Der Wähler hat zu entscheiden, wer der Beste ist – und nicht die CDU oder die SPD.

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