Herbst in der Stadt

Wessen Laub muss wann beseitigt werden?

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So kann es schnell aussehen, wenn der Wind das Laub von den Bäumen bläst: Momentaufnahme an der Oststraße – bereits kurze Zeit später war der Baubetriebshof vor Ort. Die Mitarbeiter haben derzeit mit der Laubentfernung alle Hände voll zu tun.

Meinerzhagen - Wenn die Blätter fallen, kann´s um Minuten gehen. Wer das Laub vor dem eigenen Haus nicht rechtzeitig entfernt, riskiert nicht nur verletzte Fußgänger, sondern auch überflutete Keller – oder einen Bußgeldbescheid der Stadt. Aber was ist mit Laub, das von Nachbars Baum stammt?

Um es vorwegzunehmen: Auch „fremdes“ Laub muss vom Gehweg vorm eigenen Haus entfernt werden. Das hat zum Beispiel das Amtsgericht München im Jahr 2013 entschieden und damit ein bundesweit gehörtes Signal gesetzt (Aktenzeichen 114 C 31118/12). 

Dass die Eigentümer grundsätzlich mit Laub genauso umgehen müssen wie mit Schnee, beschreibt die allgemeine Verkehrssicherungspflicht, die natürlich auch in Meinerzhagen gilt, wie Thomas Dröscher vom Ordnungsamt der Stadt sagt. 

Anlieger sind verantwortlich

„Die Grundstückseigentümer sind für die rechtzeitige Räumung verantwortlich“, sagt Dröscher, „aber es kann durch Wind oder Regen natürlich zeitweise zu Situationen kommen, die nicht unmittelbar zu beheben sind.“ Sprich: Ist der Gehweg nach einer Sturmböe plötzlich mit Blättern bedeckt, muss der Eigentümer des angrenzenden Grundstücks nicht augenblicklich alles stehen und liegen lassen und eventuell seinen Arbeitsplatz verlassen, um das Laub zu entfernen. 

Generell habe man in den vergangenen Jahren keine großen Probleme mit dieser Art der Verschmutzung gehabt, sagt Thomas Dröscher. „Wenn besorgte Bürger dann doch mal anrufen, schicken wir zunächst jemanden raus, der sich die Situation anschaut. Die Eindrücke sind ja immer auch subjektiv. Bei Bedarf wird der Hauseigentümer natürlich kontaktiert und um Reinigung gebeten.“ 

Das sei mitunter zwar nicht immer leicht, weil derjenige nicht unbedingt in Meinerzhagen lebe – „aber Probleme oder gar Bußgeldbescheide gab es deshalb in den letzten Jahren nicht“, sagt Thomas Dröscher. 

Bauhof ständig unterwegs

Die Straßen in Meinerzhagen werden indes von Mitarbeitern des Baubetriebshofes mit zwei Kehrmaschinen und einem Fußtrupp gesäubert. Wo Handlungsbedarf besteht, werden die Mitarbeiter aktiv – und sie kennen ihre Schwerpunkte. Ob Heerstraße oder Parkplätze, „wo viele Menschen sind, müssen wir natürlich auch häufig hin, um die Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Frank Rohrmann vom Baubetriebshof. 

Dabei hilft neben Muskelkraft und Laubsaugern die „Amazone“, ein Laubsammler, der im Schlepptau eines Mini-Traktors die Blätter von Gehweg und Straßen entfernt. Und wohin mit dem Laub im Garten? Im besten Fall: liegen lassen. Denn Naturschützer weisen darauf hin, dass die Blätter für das Überwintern vieler Tiere wichtig seien. „Zusammengekehrte Laubhaufen sind für viele Tiere eine notwendige Überwinterungshilfe. Zum Beispiel für Igel und die Larven vieler Schmetterlinge. Verteilt auf Beeten und unter Bäumen, finden dort Regenwürmer, Spinnen, Käfer, Molche, Raupen und Falter einen Unterschlupf“, heißt es etwa vom Naturschutzbund (Nabu). 

Naturschützer raten: Laub liegen lassen!

Igel, die jetzt mit der Suche nach einem Platz für den Winterschlaf beginnen, würden das Laub- und Reisighaufen gerne als Schutz vor der kalten Jahreszeit nutzen, ebenso wie viele Kleinlebewesen, die sich dorthin zurückziehen würden. „Am eindrucksvollsten präsentiert sich so ein Reisighaufen dann im Frühjahr: Zaunkönig und Rotkehlchen, Erdkröte, Spitzmaus und ein Millionenheer an Insekten und Spinnen machen den Haufen zu einem richtigen ,Tierhotel’.“ Viele dieser Tiere seien Helfer beim biologischen Pflanzenschutz. 

„Diese Kleintiere sind unerlässliche Helfer, was die Bodenaufbereitung angeht und dienen als Nahrung für Vögel im Winter.“ Ein Hilfsmittel im Kampf gegen Laub lehnen die Nabu-Experten jedoch kategorisch ab: Laubsauger. „Die ökologischen Schäden, die motorisierte Laubsauger anrichten, die durch die Gärten mit der Lautstärke eines Presslufthammers rattern, sind enorm: Millionenfach werden Kleinstlebewesen zusammen mit dem Laub aufgesaugt und zerstückelt.“

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