Auch ein Muslim dürfte in Meinerzhagen „regieren“

Mithat und Melanie Gedik aus Werl-Sönnern – in Meinerzhagen wäre es kein Problem, wenn ein Muslim den Vogel bei einem Schützenfest abschießen würde. - Foto Tomicek

Meinerzhagen - Dass ein Schützenkönig zur Lokalprominenz zählt, ist nichts Neues. Anders wird es auch Horst Seyfried als neuem Meinerzhagener Regenten nicht ergehen.

Von Frank Zacharias

Auf die Bekanntheit eines Mithat Gedik wird er gerne verzichten – denn der hat es, wenn auch unbeabsichtigt, zur bundesweiten Prominenz geschafft, seitdem die Deutsche Schützenbruderschaft dem Muslim die Königswürde in Werl-Sönnern verweigert (die MZ berichtete mehrfach). Ein Muslim als Meinerzhagener Regent? Kein Problem für die heimischen Schützenvereine, wie am Mittwoch eine kurze Umfrage ergab.

Die Offenheit hat zum einen bürokratische Gründe: Weder die Meinerzhagener Schützengesellschaft oder der Schützenverein Valbert, noch die Schützen in Rinkscheid und Hunswinkel (Zur Listerstalsperre) gehören eben jener Deutschen Schützenbruderschaft (BHDS) an, die eine klare Konfessionsbindung in ihrer Satzung vorsieht. „Und selbst wenn dies so wäre, würde ich solch einer Entscheidung widersprechen“, sagt Dominik Busch, Vorsitzender der Valberter Schützen, die ebenso wie die Hunswinkeler Schützen im Sauerländer Schützenbund organisiert sind. „Ich fänd´s sogar schön, wenn mal ein Muslim König werden würde. Aber bei manchen Vereinen hört die Integration offenbar doch an einigen Stellen auf.“

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Allerdings stellte sich diese Königsfrage bei den Valberter Schützen bislang ebenso wenig wie bei ihren Schützenbrüdern von der Listertalsperre: „Wir haben aktuell keinen Muslim im Verein, hätten aber auch kein Problem damit, wenn einer König würde“, sagt Maik Homuth, Vorsitzender der Hunswinkler Schützen. Er empfindet die Reaktionen des BHDS als übertrieben. „Wenn die Leute kommen und im Verein mitmachen wollen, sollte man sie auch lassen“, so Homuth.

Und auch bei den Rinkscheider Schützen würde ein muslimischer König auf keinerlei Probleme stoßen, sagt der zweite Vorsitzende Kai Wittkop, der überdies von mindestens einem Mitglied einer muslimischer Gemeinde in den eigenen Reihen weiß.

 „Es ist lächerlich und traurig, dass so etwas in anderen Vereinen nicht möglich ist. Bei uns wäre das kein Problem“, sagt der Rinkscheider, dessen Verein außerdem keinem Verband untergeordnet ist. Ebenso wie die Meinerzhagener Schützengesellschaft, die selbst über die satzungsgemäße Königsanwärterschaft entscheidet, wie Vorsitzender Michael Berkenkopf am Mittwoch im MZ-Gespräch erklärte. „Wir gehören keinem Verband an und sind damit in den zurückliegenden Jahrzehnten und Jahrhunderten gut gefahren. Wir entscheiden also auch, wer nach der Satzung auf den Vogel schießen darf und wer nicht.“ Konfessionen spielten dabei allerdings keine Rolle. Bislang habe es aber auch noch keinen Bewerber muslimischen Glaubens gegeben.

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