Musical-Songs und Vivaldis „Sommer“ im Blechblas-Sound

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Tine Thing Helseth (links) spielte nicht nur Trompete, sondern übernahm bei dem Konzertabend auch die Moderation.

Meinerzhagen - Barockmusik, Lieder aus diversen Musicals und ein bisschen Astor Piazzolla: Es war ein unterhaltsam und abwechslungsreiches Programm, das die zehn Blechbläserinnen der Ten Thing Norwegian Brass Band am Freitagabend in die Stadthalle mitbrachten. Das Publikum dankte den Gästen den vergnüglichen Abend nach der Zugabe mit „standing ovations“.

Trompeterin Tine Thing Helseth trug viel dazu bei, dass sich die Musikerinnen und das Publikum an diesem Abend näherkamen. Einerseits machte sie Ansagen wie „Alles, was wir spielen, ist nicht original für Blechbläser“ oder „Wir lieben Barockmusik“. Andererseits war sie noch etwas unsicher in den komplizierten Wechselfällen der deutschen Sprache und sorgte wiederholt für ein sehr wohlwollendes Schmunzeln.

„Es ist so schwer mit den Präpositionen“, seufzte sie und meinte eigentlich die Artikel. Doch sie zog sich sehr elegant aus der Affäre: „Der die das Sommer“ kündigte sie das entsprechende Konzert aus Antonio Vivaldis Zyklus „Vier Jahreszeiten“ an. In solchen Fällen hilft ein Publikum ja gern. Schön war auch „der die das Dreigroschenoper“, denn auch Kurt Weill schaffte es – rein instrumental, also ausnahmsweise nicht unterstützt von Bert Brecht – in das Programm dieses Abends. Der machte offenbar auch den Gästen Freude: „Wir fühlen uns hier wohl – ist das richtig?“, sagte Tine Thing Helseth und bekam Antwort. Ohne ihre Moderationen hätte an diesem Abend definitiv etwas gefehlt. Wenn es etwas komplizierter wurde, durfte sie auch getrost ins Englische wechseln: „That’s me, trying to be a violin“, scherzte sie über die Schwierigkeiten, zu Beginn von Vivaldis „Sommer“ als Trompeterin in die Rolle einer äußerst virtuosen Geige zu schlüpfen.

Dass ihr zehnköpfiges Ensemble Barockmusik schätzt, war vor allem zu Beginn zu hören: Neben dem „Sommer“ standen fünf Sätze aus Georg Friedrich Händels „Feuerwerksmusik“ auf dem Programm. Den Übergang zu den Musicals milderte ein norwegisches Lied, das die vier Trompeterinnen und die vier Posaunistinnen umschichtig sangen. Bei den Musicals spielte dann häufig die Chefin die „Singstimme“. Auf dem Programm standen der „Hot Honey Rag“ und ein Tango aus dem Musical „Chicago“, „Endspiel“ aus dem Musical „Chess“ und die Dreigroschenoper mit dem Mackie-Messer-Song, der Ballade vom angenehmen Leben, Pollys Lied und dem Kanonensong. Auch Leonard Bernsteins „West Side Story“ machte Freude mit „I feel pretty“, „A Boy like me“ und dem schönen „Tonight“.

Noch näher kamen sich Musikerinnen und Publikum schließlich bei der Zugabe: Bei Mozarts „Rondo a la Turca“ blieben nur die Tubistin und die Hornistin auf der Bühne, während Posaunen und Trompeten eine Kennenlerntour durch den Saal machten. Kurz danach gab es noch eine weitere Gelegenheit, die Damen persönlich kennenzulernen: bei der Signierviertelstunde im Foyer.

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