Fahrsicherheitstraining ist sinnvoll

Motorradfahren ein Spiel mit dem Feuer? Experten geben Sicherheits-Tipps

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Polizeihauptkommissar Andreas Filthaut (links) und sein ehemaliger Kollege Polizeihauptkommissar a.D. Axel Strüver möchten, dass weniger Motorradfahrer verunglücken. Dafür arbeiten sie.

Meinerzhagen - „Wir wissen, dass wir nicht die Welt retten können und auch, dass nicht jeder gerettet werden möchte.“ Das sagt Andreas Filthaut, bei der Polizei im Märkischen Kreis Leiter der Dienststelle Verkehrsunfallprävention und Opferschutz.

Trotzdem ist er davon überzeugt, dass seine Arbeit und die der Kollegen dazu beiträgt, das Motorradfahren sicherer zu machen.

Die Motorradsaison hat längst begonnen, besonders an Wochenenden werden Meinerzhagen, das ganze Volme- und auch das Ihnetal wieder zu Hotspots der Zweiradfahrer. Dass längst nicht nur Sauerländer auf heimischen Pisten unterwegs sind, weiß auch Filthaut. 

Motorräder mit den gelben NL-Kennzeichen und andere aus dem Ruhrgebiet sind auf den kurvenreichen Gefällstrecken zwischen Meinerzhagen und Menden bei gutem Wetter regelmäßig und in großer Zahl zu beobachten. Und so setzt samstags und sonntags oft ein regelrechter Motorrad-Tourismus ein. 

Heimische Straßen als Rennstrecken missbraucht

Wer auf zwei Rädern unterwegs ist, verzichtet bewusst auf Airbags und Knautschzone. Für dieses Risiko wird er durch ein unvergleichliches Fahrvergnügen belohnt. Ist Motorradfahren also ein Spiel mit dem Feuer? So weit geht Filthaut nicht. Und auch sein ehemaliger Kollege Axel Strüver, selbst Motorradfahrer und ausgebildeter Fahrsicherheitstrainer, glaubt das nicht. 

Vorausgesetzt: „Die heimischen Straßen werden nicht als Rennstrecken missbraucht.“ Dass das hin und wieder allerdings geschieht, darüber sind sich die beiden Motorrad-Experten im Klaren. Auch die Nordhelle kam so in Verruf. Eine – inzwischen wieder aufgehobene – Streckensperrung war die Folge. „So weit hätte es gar nicht zu kommen brauchen. Und eine Sperrung wäre auch in Zukunft nicht nötig, wenn sich die Zweiradfahrer an die Vorschriften halten würden“, sagt Strüver. 

Dass es nur wenige Fahrer sind, die eine Mehrheit durch ihre Raserei in Verruf bringen, ist Filthaut und Strüver bewusst: „Da machen vielleicht fünf Prozent 95 Prozent den Spaß am Motorradfahren kaputt“, ärgern sich beide. Dass die Uneinsichtigen auch Druck von den vernünftigen Motorradfahrern bekommen, das hoffen Strüver und Filthaut sehr: „Da appellieren wir ein Stück an die Selbstheilungskräfte“, spekuliert Filthaut und fügt hinzu: „Außerdem müssen alle, die Vorschriften missachten, stets damit rechnen, dass sie im Märkischen Kreis kontrolliert und für Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen werden.“

Gespräche mit den Motorradfahrern gesucht

Aufklärung über die Risiken des Motorradfahrens tut Not. Und genau dort setzen Strüver – der trotz seines Ruhestandes immer noch beratend aktiv ist – und Filthaut an. Ihr Motto lautet „Prävention und Sanktion“. Beispielsweise auch am Sonntag. Dann ist die Polizei von 11 bis 14 Uhr im Hönnetal präsent und sucht Gespräche mit den Motorradfahrern. „Wir halten dort die Zweiräder nicht gezielt an, sondern legen den Schwerpunkt auf den Dialog. Was aber nicht heißt, dass wir zum Beispiel bei technischen Verstößen an den Maschinen nicht eingreifen“, erklärt Andreas Filthaut. 

Generell versteht Strüver, warum es viele auswärtige Motorradfahrer regelmäßig ins Sauerland zieht: „Wir haben hier super-geniale und schön zu fahrende Strecken. Das ist natürlich in Zeiten des Internets auch im Ruhrgebiet und in den Niederlanden bekannt.“ 

Sind Fahrer aus diesen Regionen mit den speziellen Verhältnissen im Land der Tausend Berge eher überfordert als Einheimische? „So pauschal kann man das nicht sagen“, meint Strüver. Andreas Filthaut ergänzt in diesem Zusammenhang: „Die Auswertung der Unfallzahlen belegt allerdings, dass Auswärtige überproportional an den Krad-Unfällen im Märkischen Kreis beteiligt sind.“ 

Werkstatt-Check zu Beginn einer Saison

Er selbst hat übrigens das Motorradfahren inzwischen aufgegeben. Sein Beruf spielte bei dieser Entscheidung eine nicht unwichtige Rolle: „Ich habe die Maschine im letzten Frühjahr verkauft. Und das auch deshalb, weil ich die Unfallberichte fast täglich lese.“ Dabei ist Filthaut überzeugt, dass jeder Motorradfahrer selbst eine Menge dafür tun kann, um sicherer unterwegs zu sein: „Ein Fahrsicherheitstraining beispielsweise. Da lernt man unter anderem, wie man in kritischen Situationen richtig reagiert und vorausschauend fährt – für Motorradfahrer besonders wichtig.“ 

Selbstverständlich ist für ihn außerdem, das Zweirad zu Saisonbeginn einer technischen Kontrolle zu unterziehen: „Am besten ist ein Check in der Werkstatt.“ Das Mindeste sei allerdings, im Frühjahr erst einmal langsam anzufangen „vielleicht mit ein paar Kreisen, die ich an einem sicheren Ort fahre. Und auch das Bremsen will geübt sein“. 

Vorsicht ist auch für Motorradfahrer die Mutter der Porzellankiste. Das kann Filthaut unterschreiben. Und weil er auch für den Bereich Opferschutz zuständig ist, möchte er allen Motorradfahrern noch gern mit auf den Weg geben, wie gravierend sich das Leben nach einem Unfall für Beteiligte ändern kann: „Wie sehen, was passiert, wenn es passiert ist. Das menschliche Leid und auch das finanzielle. Daran sind schon Existenzen kaputt gegangen.“

Die Verkehrswacht Iserlohn bietet Fahrsicherheitstrainings für Motorradfahrer auf dem Übungsplatz in Hemer an. Für den 12. Mai sind noch Plätze frei. Infos gibt es auf der Homepage unter fahrsicherheitstraining-hemer.de. Anmeldewünsche können geschickt werden an die Adresse sicherheitstraining@web.de. Telefonische Anmeldung: 0 23 73/3 95 36 38.

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