Antrag im Rathaus eingereicht

Der Wunsch: Ein muslimischer Friedhof

Unterhalb des Schützenplatzes Meinerzhagen soll ein Friedhof für Muslime entstehen, wünscht sich die muslimische Gemeinde Meinerzhagen.
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Unterhalb des Schützenplatzes Meinerzhagen soll ein Friedhof für Muslime entstehen, wünscht sich die muslimische Gemeinde Meinerzhagen.

„Wir sind hier geboren. Wir sind hier zur Schule gegangen und aufgewachsen. Und wir leben und arbeiten hier. Meinerzhagen ist unsere Heimat. Hier möchten wir auch begraben werden.“

Meinerzhagen – Osman Batgün sagt das. Er ist Vorsitzender des Moscheevereines Meinerzhagen und hofft jetzt darauf, dass ein Projekt verwirklicht werden kann, das seit mehr als einem Jahrzehnt vorbereitet wird: ein muslimischer Friedhof an der Heerstraße, direkt neben dem Fußweg am Schützenplatz.

Antrag eingereicht

Erstmals wird dieses Vorhaben nun konkret: „Unser offizieller Antrag liegt seit dem 5. Mai 2021 bei der Stadt, die für die Umsetzung zuständig ist. Nun werden sich der zuständige Fachausschuss, der Hauptausschuss und schließlich der Rat damit befassen und entscheiden, ob wir die Erlaubnis zur Einrichtung des Friedhofes in Trägerschaft des Moscheevereines bekommen werden“, erläutert Osman Batgün.

Der 42-jährige Meinerzhagener gehört zur „jungen Generation“, die exakt 2009 die Leitung des Moscheevereines übernommen hat. Seitdem wird das Projekt „Friedhof“ vorangetrieben. Doch es vergingen viele Jahre, bis die rechtlichen Vorgaben und die Zuständigkeiten abgeklärt waren. Zwischenzeitlich waren laut Batgün auch die Bezirksregierung und der Märkische Kreis involviert – um dann schließlich an die Stadt als zuständige Genehmigungsbehörde zu verweisen. Im Laufe der Zeit wurden viele Gespräche geführt und bis vor einigen Jahren sei es in NRW auch nur möglich gewesen, dass Kommunen und kirchliche Einrichtungen die Möglichkeit gehabt hätten, Friedhöfe einzurichten und zu unterhalten. „Das hat sich aber geändert, NRW hat seine Gesetze 2013/2014 diesbezüglich liberalisiert“, berichtet Batgün und fügt hinzu: „Die Rechtslage erlaubt es uns jetzt, als Moscheeverein einen eigenen Friedhof zu realisieren.“

Interfraktionellen Runde

Um auch im politischen Raum für die Idee zu werben, habe er selbst das Projekt im Rahmen einer interfraktionellen Runde vorgestellt – und nach seinem persönlichen Eindruck stieß er dabei auf breite Zustimmung. „Wir haben auch bereits ein Friedhofskonzept und eine Satzung – beispielsweise mit der Gebührenordnung –, erstellt. Das alles liegt jetzt zur Beratung im Rathaus vor“, erläutert Batgün, der auch berichtet, dass ein geologisches Institut die Bodenbeschaffenheit – unter anderem mit den möglichen Auswirkungen auf das Grundwasser – untersucht hat. „Die Experten haben uns bestätigt, dass es in dieser Hinsicht keine Einwände gegen den Friedhof gibt.“

Der Meinerzhagener ist nun zuversichtlich, dass Ausschüsse und Rat dem Vorhaben zustimmen: „Für uns ist eine erfolgreiche Integration erst dann abgeschlossen, wenn wir in unserer Heimat begraben werden können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand etwas dagegen haben könnte“, sagt Batgün. Er berichtet davon, dass die dritte und vierte Generation der in Deutschland lebenden Türken überwiegend so denkt. Lediglich die Mehrheit der älteren Gemeindemitglieder äußere nach wie vor den Wunsch, den Leichnam in die Türkei überführen zu lassen.

Friedhof schlicht gehalten

Und wie würde ein muslimischer Friedhof aussehen? „Ganz ähnlich einem christlichen. Unsere Friedhöfe sind in der Regel schlicht gehalten, mit Grabsteinen und Grabeinfassungen“, erklärt Osman Batgün. Er weist auf einen Unterschied hin: „Der Verstorbene wird nicht im Sarg beerdigt, sondern in einem Leichentuch. Die Bestattung muss außerdem unmittelbar nach dem Tod durchgeführt werden, meist innerhalb weniger Tage.“

Ein Gebäude soll es – wenn die Anlage genehmigt wird –, übrigens auf dem Friedhof nicht geben. Batgün: „Die Bestattungsfeier, der Abschied vom Verstorbenen, findet mit dem Imam in der Moschee statt. Anschließend versammelt sich die Trauergemeinde auf dem Friedhof um den Imam, der die Grabrede hält, um dort der Beerdigung beizuwohnen. Lediglich die Überführung des Verstorbenen von der Moschee zum Friedhof würde in einem Sarg durchgeführt.“

Wichtig für alle Muslime

Der Vorsitzende des Moscheevereines weist noch auf einen anderen Grund hin, der für ihn wichtig ist: „Zu uns kommen nicht nur türkische Muslime, sondern auch solche aus vielen anderen Ländern, wie Syrien oder Afghanistan. Verstorbene dieser Herkunft können zur Bestattung wegen der Kriegsgefahr überhaupt nicht dorthin überführt werden. Auch für sie und ihre Angehörigen wäre die Möglichkeit einer Beerdigung auf einem eigenen muslimische Friedhof deshalb sehr wichtig.“

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