Ebbegebirge

Den Mooren geht's schlecht

Blick auf die Nordhelle mit vielen kaputten Bäumen
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Wie auf einem Trümmerfeld – so sieht es derzeit auf der Nordhelle aus. In unmittelbarer Nähe der kaputten Bäume geht es auch den Ebbemooren immer schlechter.

Sie gelten als „Juwelen“ im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge, doch ihre Existenz ist gefährdet: Moore, ein Paradies für Tiere und Pflanzen, haben genau wie die Bäume im Wald mit der extremen Trockenheit zu kämpfen.

Nordhelle - „Ihr Zustand ist sehr schlecht. Es fehlt einfach das Wasser“, beschreibt Förster Markus Ingenohl das Hauptproblem der Ebbemoore in seinem Revier. Dazu zählt auch der „Wolfsbruch“ im gleichnamigen Naturschutzgebiet auf der Nordhelle. Dort sind die Moore nach der letzten Eiszeit entstanden. Sie haben also mehrere Jahrtausende überlebt. Jetzt seien jedoch „starke Austrocknungserscheinungen“ zu erkennen. Es zeigen sich die Spuren von zu wenig Niederschlag – und das seit mehreren Jahren. Die Folgen von trockenen Mooren sind fatal: Wenn sich der Trend fortsetzt, könnten sie sogar ganz verschwinden.

Das Moor „Grundlose“ liegt am Fuße des Ebbegebirges zwischen Meinerzhagen und Herscheid.

Bernd Strotkemper ist als Regionalmanager des Märkischen Kreises für den Naturpark Sauerland-Rothaargebirge inklusive der Ebbemoore zuständig. Er spricht von „einzigartigen Biotopen“, deren Zukunft auf dem Spiel stehe. Noch liege die Größe der heimischen eher kleinräumigen Moore allein im Ebbe bei 700 Hektar. Ihre Bedeutung sei nicht zu unterschätzen: Moore speichern mehr Kohlendioxid als jedes andere Ökosystem der Welt und erfüllen damit eine wichtige Funktion für den Klimaschutz. Wenn sie jedoch trockenfallen, kommt ihr Torfboden mit Sauerstoff in Berührung. Infolgedessen gelangt der gespeicherte Kohlenstoff in großen Mengen als umweltschädliches CO2 in die Luft. Auch die biologische Vielfalt nehme ab. Intakte Moore mit natürlichem Wasserhaushalt können dagegen dauerhaft viel Kohlenstoff im Boden speichern. Zugleich gibt es eine einzigartige Flora und Fauna. Im Ebbe wächst etwa Sonnentau, die zweitgrößte Gattung fleischfressender Pflanzen und Waldeidechsen (gehören zur weltweit erfolgreichsten Reptilienart) haben dort ihr Zuhause. Moose sind der zentrale Wasserspeicher. Doch die Moose werden zunehmend von Kräutern und Büschen verdrängt.

Bernd Strotkemper vom Märkischen Kreis macht bei Führungen auf die angespannte Lage der Moore aufmerksam.

Im Ebbe macht sich insbesondere der Adlerfarn breit. Er besiedelt gerne geschwächte Moorfläche, wo die Pflanze schnell dominant wird und die normale Vegetation überwuchert. „So gehen unsere besonderen Landschaften verloren“, warnt Ingenohl vor den Auswirkungen. Einstige Moore könnten sich in eine ganz normale Waldfläche verwandeln. Es wäre der Verlust eines prägenden Teiles des Ebbegebirges. „Ihr Zustand ist so dramatisch wie noch nie. Wir tun alles, um diese selten vorkommenden Gebiete zu erhalten“, verweist Förster Ingenohl auf Pflegemaßnahmen, mit denen zumindest der Adlerfarn bekämpft wird. Letztlich hänge es aber vor allem von den Regenmengen ab, ob die Moore wieder zu Kräften kommen, sich gegen ihre „Feinde“ wehren können und eine Zukunft haben.

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