St. Marien im Fokus der Denkmalschützer

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Die Kirche St. Marien an der Kampstraße könnte unter Denkmalschutz gestellt werden – die Pfarrei ist nun in Sorge, aus ihrer Sicht notwendige Umbauten nicht vornehmen zu können.

Meinerzhagen - Keine Frage: Unter einem „historischen Gemäuer“ stellt sich der Laie zunächst etwas anderes vor als ein Gotteshaus wie die Kirche St. Marien an der Kampstraße.

Und doch ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) jetzt auf das Gebäude aufmerksam geworden. Eine Unterschutzstellung als Denkmal ist möglich – würde die Pfarrei aber vor große Probleme stellen, wie Pfarrer Thorsten Rehberg erklärt.

Die Pläne des LWL werden just in jener Phase bekannt, in der die Pfarrei St. Maria Immaculata eine zukunftsweisende Erneuerung plant. Lange sinkende Einnahmen aus der Kirchensteuer und eine im ganzen Bistum zurückgehende Zahl der Katholiken stellt auch die Meinerzhagener Pfarrei vor Herausforderungen, denen mit entschiedenen Maßnahmen begegnet werden soll. Bereits im Jahr 2016 hatten der Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand die Schließung von St. Martin beschlossen und sich damit zugleich für den Erhalt des anderen Standortes St. Marien ausgesprochen.

„Erheblicher“ Investitionsbedarf

Deutlich machten die verantwortlichen Gremien in Meinerzhagen aber bereits damals, dass sich keines der beiden katholischen Zentren in Meinerzhagen in einem solchen Zustand befinde, dass es in ein nachhaltiges Gebäudekonzept der Pfarrei passt. Sprich: In St. Marien sieht die Pfarrei mindestens einen erheblichen Sanierungs- und Investitionsbedarf. „Der zukünftige Gebäudebestand muss aber auch den Bedürfnissen der Gemeinde auf Dauer gerecht werden – dazu stehen demnächst umfangreiche Planungen an“, sagt Thorsten Rehberg. Solchen Plänen würde eine Unterschutzstellung als Denkmal natürlich zunächst einmal im Wege stehen. „Zunächst muss man sich natürlich über die Wertschätzung unserer Kirche freuen, mit der solche Pläne des LWL einhergehen“, betont der Pfarrer. „In unserer Situation können wir aber eben nicht den Status quo erhalten und müssen schauen, was für uns notwendig, möglich und bezahlbar ist.“ So sei etwa die Barrierefreiheit zur Kirche oder auch der Zustand der Toiletten ein Thema, aber auch die Größe der vorhandenen Räume.

Unterschutzstellung könnte Pläne verteuern

„Die Realisierung eines Konzepts würde durch den Denkmalschutz ohne Frage länger dauern – und die Frage der Bezahlbarkeit nach sich ziehen“, so Thorsten Rehberg, der bislang aber nicht mehr tun kann, als abzuwarten. „Wir haben von der Stadt als Untere Landschaftsbehörde und vom Bistum Essen bislang nur eine erste Information über die mögliche Unterschutzstellung erhalten. Jetzt warten wir auf eine Stellungnahme des LWL und die Begründung, die für ein solches Vorgehen spricht.“ Dann könne die Pfarrei zusammen mit den Fachleuten des Bistums reagieren und darstellen, „womit wir gut und womit wir nicht gut leben können und wo wir widersprechen müssen“.

Markus Fischer, Sprecher des LWL in Münster, erklärte auf MZ-Anfrage, dass man sich noch in einem sehr frühen Stadium befinde und zunächst auf eine Stellungnahme der Unteren Landschaftsbehörde warte. Dass eine Kirche auch jüngeren Baujahrs in den Fokus der Denkmalschützer rutscht, sei nicht ungewöhnlich. „Wir haben viele Kirchen, insbesondere Nachkriegskirchen, im Blick, um eine Übersicht zu bekommen.“

Nach MZ-Informationen hatte eine erste Schließungswelle vieler Kirchen in Nordrhein-Westfalen im Zuge der Pfarrei-Umstrukturierung den LWL seinerzeit auf dem „falschen Fuß“ erwischt. Nun will der Landschaftsverband offenbar besser vorbereitet sein, wenn Kirchengemeinden und Bistümer Umbau- oder gar Schließungspläne hegen. Für die zu schließende Kirche St. Martin ist nach vorliegenden Informationen keine Unterschutzstellung vorgesehen.

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