Das endgültige Aus für Pampus ist besiegelt

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Zum zweiten Mal gehen in dem Industrieareal in Meinerzhagen-Scherl die Lichter aus: Die in der ehemaligen Battenfeld-Immobilie neu angesiedelte Firma Pampus Automotive ist nach Angaben des Insolvenzverwalters nicht mehr zu retten. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Das endgültige Aus für den Automobilzulieferer Pampus Automotive ist besiegelt.

In einer nach Schilderung von Teilnehmern mit großen Emotionen begleiteten Betriebsversammlung am Betriebsstandort in Meinerzhagen-Scherl wurden die Mitarbeiter am Montag vom Insolvenzverwalter darüber informiert, dass die Bemühungen um einen neuen Investor für die im Januar zum zweiten Mal in Insolvenz gegangene Firma ergebnislos geblieben sind. Für die am Standort Meinerzhagen betroffenen noch rund 190 Mitarbeiter steht damit der Gang in die Arbeitslosigkeit bevor.

Von Horst vom Hofe

Derzeit noch offen ist das Schicksal der beiden Pampus-Zweigbetriebe im sächsischen Meerane mit zurzeit noch 79 Mitarbeitern und im tschechischen Kamenice. Hier wird über die Osterfeiertage hinaus noch weiter über eine mögliche Übernahmeregelung verhandelt. Fest steht allerdings: „Für die Pampus Automotive in ihrer bisherigen Unternehmensstruktur gibt es keine Zukunft mehr“, so der Insolvenzverwalter Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger von der Insolvenzkanzlei White & Case in Dortmund gestern gegenüber der MZ.

Den gemeinsamen Bemühungen der IG Metall und des Betriebsrates ist es in Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter für die betroffenen Mitarbeiter in Meinerzhagen gelungen, einen Interessenausgleich zu vereinbaren. Wie der hier federführende Erste Bevollmächtigte der IG Metall aus Olpe, Georg Keppeler, gegenüber unserer Zeitung informiert, wird den Mitarbeitern die Möglichkeit eröffnet, für die Dauer von fünf Monaten in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Die Agentur für Arbeit habe die Zusage gegeben, dass für die Betroffenen, die davon Gebrauch machen, das Kurzarbeitergeld auf 75 Prozent des letzten Gehalts aufgestockt werde. „Mehr war nach Lage der Dinge hier leider nicht verhandelbar. Die Kassen bei Pampus sind leer. Für von den Mitarbeitern erhoffte Abfindungen gibt es keine Chance, dies gegenüber dem Insolvenzverwalter durchzusetzen“, so Keppeler.

Der Gewerkschaftsvertreter nennt die bisherigen Pampus-Geschäftsführer und die Gesellschafter der zum Firmenverbund der Westfälischen Drahtindustrie (WDI) in Hamm gehörenden Pampus Automotive als „die richtigen Adressaten für den verständlichen Zorn der Belegschaft.“ Es würden in der Folge dieser zweiten Insolvenz noch eine „Reihe von Ungereimtheiten“ aufzuarbeiten sein, so Keppeler. Auch der Insolvenzverwalter bestätigt, „dass wir die Verhältnisse vor der Insolvenzanmeldung sorgfältig und kritisch überprüfen werden“. Nach Informationen der MZ besteht der Verdacht, dass Vermögenswerte der insolventen Firma Pampus Automotive auf andere zum Firmenverbund gehörende Unternehmen übertragen wurden.

Die Pampus Automotive, die damit den Namen des geschäftsführenden WDI-Gesellschafters Werner Pampus erhielt, war erst im November 2008 gegründet worden. Zu diesem Zeitpunkt wurden die neue Firmenzentrale und der größte Produktionsstandort in den ehemaligen Räumen des Maschinenbauunternehmens Battenfeld in Meinerzhagen-Scherl eröffnet. In der Folgezeit abgewickelt und geschlossen wurden die Standorte der 2007 von Pampus übernommenen Firma Huperz in Attendorn, Lüdenscheid und Hengersberg mit einstmals rund 900 Mitarbeitern. Übernommen von der Faurecia-Gruppe im Januar 2009 und nur ein Jahr später, 2010, im Rahmen der seinerzeit eingeleiteten Planinsolvenz ebenfalls geschlossen wurde der Produktionsstandort Unna mit etwa 320 Mitarbeitern.

Die am Ende noch verbliebenen rund 300 Mitarbeiter an den drei Standorten Meinerzhagen, Meerane und Kamenice erleben nun das traurige Schlusskapitel einer für die verantwortlichen Akteure erkennbar sehr unrühmlichen Unternehmensgeschichte.

Die Produktion in Meinerzhagen wird mit Ablauf dieser Woche eingestellt. Danach sind 100 Mitarbeiter sofort freigestellt. Etwa 50 Mitarbeiter sollen noch am Standort in Neuenrade im Rahmen einer sogenannten Ausproduktion befristet weiterbeschäftigt werden. Einige kaufmännische Beschäftigte werden im Werk Scherl noch die Abwicklung des Unternehmens begleiten.

Die dortige Immobilie gehört übrigens nicht zum laufenden Insolvenzverfahren. Sie befindet sich im Eigentum einer eigenständigen Pampus-Gesellschaft, an die die Pampus Automotive für die Nutzung nach Auffassung von Gewerkschafts-Vertreter Georg Keppeler eine „auffällig hohe“ Miete hatte zahlen müssen. Die einstigen Firmenräume von Battenfeld drohen als Folge der Pampus-Firmenpleite erneut zu einer vermutlich schwer einer neuen Nutzung zuzuführenden Industrieruine zu verkommen.

Meinerzhagens Bürgermeister Erhard Pierlings zeigte sich gegenüber unserer Zeitung im Hinblick auf die jüngere Entwicklung in diesem Unternehmen nicht überrascht. „Letztlich sind die Mitarbeiter immer diejenigen, die solche Entwicklungen ausbaden müssen“ sagte er mit Blick auf die Sorgen, vor denen jetzt rund 190 Männer und Frauen aus Meinerzhagen und aus den Nachbarorten stünden. Wenigstens geringe Hoffnung setzt er darauf, „dass die einen oder anderen von ihnen über die Auffanggesellschaft weitere Beschäftigung finden, und auf den hier doch noch recht gut aufgestellten Arbeitsmarkt.“

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