Experten nehmen Talbrücke Immecke unter die Lupe

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Die Arbeit spielt sich unter der Fahrbahn ab: Für den vorbeifahrenden Verkehr kaum erkennbar, überprüfen die Mitarbeiter von Straßen.NRW die Immecke-Talbrücke zwischen den Autobahnabfahrten Meinerzhagen und Lüdenscheid-Süd.

Meinerzhagen - Von oben ist kaum zu erahnen, was unten vor sich geht: Derzeit kontrollieren Mitarbeiter von Straßen.NRW die Talbrücke Immecke auf Beschädigungen. Höhenangst? Ein Fremdwort.

Autofahrerwut kann viele Ursachen haben – nicht besetzte Baustellen gehören zweifellos dazu. Das weiß auch der Landesbetrieb Straßen.NRW, dessen Mitarbeiter manchmal eben im Verborgenen arbeiten müssen: Wie dieser Tage an der Talbrücke Immecke. Der Hinweis auf die „Brückenkontrolle“ im Vorfeld der Baustelle kommt also nicht von ungefähr. Wichtig ist diese Prüfung allemal: Denn deren Ergebnis kann Konsequenzen haben, die Autofahrer ins Mark treffen – aber letztlich der Sicherheit dienen.

Ohne Zweifel gehören Talbrücken zur A 45 wie das Mehl ins Brot: Ohne sie wäre der Bau der „Königin der Autobahnen“ in den 1960er-Jahren undenkbar gewesen. Zwischen Dortmund und Aschaffenburg gibt es gleich 73 dieser Bauwerke – und viele von ihnen sorgen bei Planern von Düsseldorf bis Berlin derzeit für Kopfschmerzen.

Bau unter anderen Voraussetzungen

„Als die Brücken damals errichtet wurden, kamen Berechnungsmethoden und Verkehrsannahmen zur Anwendung, die heute keinen Bestand mehr haben“, erklärt Thorsten Ziolek. Der Ingenieur für Bauwerksprüfung ist einer von landesweit zwölf Brückenexperten des Landesbetriebs Straßen.NRW und weiß, dass die Talbrücken in die Jahre gekommen sind. Regelmäßige Prüfungen sind daher unerlässlich – wenngleich er eine Katastrophe wie 2007 in Minneapolis/USA, bei der vier Menschen ums Leben kamen, ausschließt. Erst im Januar kam es auch in Cincinnati zu einem Einsturz mit tödlichem Ausgang. Ein Problem, das auf die us-amerikanischen Bauweise zurückzuführen sei, sagt Ziolek. „Unsere Hohlkastenbrücken haben ein viel besseres Vorankündigungsverhalten.“ Sprich: Wenn etwas spröde oder marode ist, so sei das anhand verschiedener Merkmale frühzeitig erkennbar. Und diese Merkmale rufen er und fünf Kollegen derzeit ab.

Mit Hämmern den Schäden auf der Spur

Ausgerüstet mit Hämmern und Klemmbrett rücken sie der Brücke in Immecke zu Leibe, klopfen das Bauwerke auf Hohlräume ab, untersuchen es auf Risse und abgeplatzte Stellen. Stück für Stück arbeitet sich das Team von Pfeiler zu Pfeiler, über sich das Rauschen der Fahrzeuge, unter sich nichts als Leere – Höhenangst können sich die Brückenprüfer nicht leisten. „Anfangs war das für mich schon ein Problem – aber man gewöhnt sich daran“, sagt einer der Kontrolleure.

Ein „Zwerg“ unter den Talbrücken der A 45

Zumal die Immecke-Talbrücke ohnehin nicht zu den größten und höchsten Bauwerken entlang der A 45 gehört: Mit einer Länge von gerade einmal 266 Metern ist sie vergleichsweise ein Zwerg, wenn man sie den „Giganten“ der Sauerlandlinie gegenüberstellt. Die Sichter-Talbrücke ist 388 Meter lang und mit 530 Metern über Normalnull die höchste der A45. Bedeutend länger als die Talbrücke Immecke sind außerdem etwa das Bauwerk in Bleche (567 Meter), die Siegtalbrücke (1050 Meter) oder auch die Lennetalbrücke (992) in Hagen, die derzeit aufwendig neu gebaut wird. Ein Schicksal, das über kurz oder lang auch die Immecker Brücke trifft, die ebenso wie die Bauwerke Homert, Sichter und Beustenbach zu jenen 32 Brücken gehört, die Straßen.NRW entlang der A 45 mittelfristig erneuern muss. Kurzfristig rechnet Thorsten Ziolek aber mit keiner bösen Überraschung in Immecke – mit Sperrungen für Lastwagen wie zuletzt an der Autobahnauffahrt Lüdenscheid-Nord ist also nicht zu rechnen.

Brückenkontrollen an der A45

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