Vor dem Landgericht Hagen

Prozess um Missbrauch: "Stark sexualisierte Kommunikation" und gescheiterte Beziehungen

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Symbolbild

Im Missbrauchsprozess gegen ein Ehepaar aus Meinzerzhagen könnten am Freitag, 5. Juni, bereits Plädoyers gehalten werden. Am zweiten Verhandlungstag ging es um die Hintergründe der unfassbaren Taten.

Meinerzhagen - Schon am Freitag soll der Missbrauchsprozess gegen ein Meinerzhagener Ehepaar auf die Zielgerade einbiegen. Nach dem umfassenden Geständnis der beiden Angeklagten und dem Verzicht aller Prozessbeteiligten auf die Anhörung weiterer Zeugen könnten bereits die Plädoyers gehalten werden.

Möglicherweise werden die Richter der 1. Großen Strafkammer auch schon die Urteile verkünden. Nur der Bericht der 32-jährigen Angeklagten über einen selbst erlittenen sexuellen Missbrauch im Alter von elf Jahren könnte noch zu einer Verzögerung führen. Ihr Verteidiger behielt sich angesichts der Situation, dass ein Opfer sexuellen Missbrauchs zur Täterin geworden ist, eine psychiatrische Begutachtung seiner Mandantin vor. Ob es dazu kommen wird, ist allerdings noch nicht entschieden.

Gescheiterte Beziehungen

Die Lebensläufe der bisher nicht vorbestraften Eheleute machten deutlich, dass sie beide schon in früheren Beziehungen gescheitert waren. Der Sohn des 37-jährigen Angeklagten war regelmäßig im neuen Haushalt seines Vaters zu Besuch, die Tochter der Angeklagten begleitete ihre Mutter in die neuen Lebensverhältnisse.

Datenträger ausgewertet

Das Mädchen hatte offenbar Glück, dass es nicht zum Opfer der sexuellen Exzesse seines Stiefvaters wurde: „Der Angeklagte hat sich immer wieder zu möglichem Sex mit ihr geäußert“, berichtete der Hauptermittler, der neben Datenträgern mit kinderpornografischen Dateien auch zahlreiche Textnachrichten der beiden Angeklagten ausgewertet hatte.

Ältere Tochter nicht missbraucht

Der Ermittler hatte die ältere Tochter auch vernommen und war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte sie „nie missbraucht“ hatte. Scheinbar war es die Angeklagte, die ihre ältere Tochter vor möglichen Übergriffen zu schützen wusste. 

Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz wunderte sich darüber, dass die Angeklagte zu derart vernünftigem Handeln nicht auch bei ihrer kleinen Tochter fähig war. Der Hauptermittler erwähnte eine Fülle an Textnachrichten, in denen die beiden Angeklagten immer neue sexuelle Fantasien entwickelt, ausgetauscht und vielfach in Szene gesetzt hatten. „Das war ein Sexualleben, das ich so bei anderen noch nicht festgestellt habe“, bemerkte der Zeuge.

Sexualisierte Kommunikation

Er stieß auf eine „stark sexualisierte Kommunikation“, in deren Verlauf die beiden Angeklagten auch Bemerkungen austauschten über den ungeheuren Reiz des sexuellen Missbrauchs ihrer kleinen Tochter. „Das war nicht mehr zu verstehen“, erklärte der Zeuge. Die Ermittler fanden aber keine Hinweise auf einen Missbrauch weiterer Kinder: „Es gab keine Erkenntnisse über mögliche sexuelle Handlungen an anderen Kindern.“

Grenzenlose Lust-Exzesse

Das Verhältnis der Eheleute scheint sich unter dem Eindruck ihrer scheinbar grenzenlosen Lust-Exzesse geändert zu haben: „Zum Schluss hatten wir den Eindruck, dass die Ehe nicht mehr in Ordnung war“, erinnerte sich der Zeuge.

„Wann ist Ihre Ehe zerbrochen?“, wollte Staatsanwältin Claudia Kersebaum von der Angeklagten wissen. „Wann ist Ihnen das klar geworden?“ Die 32-Jährige hatte für diese Einsicht länger gebraucht als die Ermittler: „Letztlich ist mir alles bewusst geworden, als ich inhaftiert wurde.“

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