Trauer in Meinerzhagen über den Tod des ehemaligen Stadtoberhauptes

Altbürgermeister Jürgen Pietsch ist tot

Meinerzhagens Altbürgermeister Jürgen Pietsch starb im Alter von 82 Jahren.
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Jürgen Pietsch starb im Alter von 82 Jahren.

Er war engagierter Politiker, Poalbürger im besten Sinne, ein Netzwerker quer durch alle Bevölkerungsschichten und weit über seine Heimatstadt hinaus. Die „Meinerzhagener Verhältnisse“ hat er ebenso geschätzt wie geprägt. Beinahe 20 Jahre lang übte Jürgen Pietsch das Amt des Bürgermeisters von Meinerzhagen aus. Am Montag verstarb das ehemalige Stadtoberhaupt überraschend im Alter von 82 Jahren.

Meinerzhagen – Jürgen Pietsch wurde am 7. Juli 1938 in Misburg geboren, heute ein Stadtteil von Hannover. Bereits ein Jahr später zogen seine Eltern mit ihm nach Meinerzhagen. Die Volmestadt wurde für ihn zu seinem Zuhause. Zur Arbeit fuhr Jürgen Pietsch später allerdings nach Lüdenscheid, wo er am Geschwister-Scholl-Gymnasium unterrichtete und zum Oberstudienrat aufstieg. Der Pädagoge liebte seinen Beruf – und die Schüler liebten ihn. Eine Vielzahl „seiner“ Kinder und Jugendlichen blieben ihrem ehemaligen Lehrer auch als Erwachsene eng verbunden.

Weder Parteigrenzen, noch gesellschaftliche Unterschiede

Am 16. Oktober 1979 wurde Jürgen Pietsch zum Bürgermeister von Meinerzhagen gewählt. Bis zum 30. September 1999 blieb er „erster Bürger“, ohne sich dadurch je als etwas Besonderes zu verstehen. Weggefährten berichten, dass er sowohl beste Kontakte zu Unternehmen und Unternehmern pflegte als auch zu allen Meinerzhagenern, denen er im Amt oder privat begegnete. Parteigrenzen oder gesellschaftliche Unterschiede gab es für Jürgen Pietsch nicht. Er war für alle da.

Jürgen Pietsch verstand sich als Diener der Bürger

Bereits 1955 trat Jürgen Pietsch in die SPD ein, lange arbeitete er im Rathaus mit dem ehemaligen Stadtdirektor und späteren Bürgermeister Erhard Pierlings freundschaftlich und kompetent zusammen. Dasselbe Parteibuch war dabei sicherlich nicht hinderlich, aber Jürgen Pietsch richtete sein Handeln nie an Schubladendenken aus. Er ging auf alle Ratsfraktionen zu, verstand sich stets als Diener der Bürger.

Träger des Ehrenrings der Stadt

Persönlich arbeitete der Kommunalpolitiker und Bürgermeister in diversen städtischen Ausschüssen mit, auch als Vorsitzender. Besonders am Herzen lagen ihm dabei die Bereiche Stadtentwicklung, Wohnen, Schulen und Sport. Außerdem war er lange im Sparkassen-Verwaltungsrat und Sparkassenzweckverband aktiv, ebenso wie im Aufsichtsrat der Meinerzhagener Baugesellschaft. Für sein herausragendes Engagement wurde ihm 1992 für 25-jährige Ratstätigkeit der Ehrenbecher der Stadt Meinerzhagen verliehen, 2005 erhielt er die höchste Auszeichnung, den Ehrenring der Stadt.

Meinerzhagener mit Leib und Seele

Jürgen Pietsch war Meinerzhagener mit Leib und Seele. Auch privat. Er war Mitglied im 1902 gegründeten Bürgerkegelklub, trug als Schütze den blauen Kittel, war Gründungsmitglied des nach der NS-Zeit wiederbelebten Awo-Ortsvereines und Angehöriger einiger weiterer geselliger Kreise. Und auch der Förderverein der Musikschule wurde von ihm nach Kräften unterstützt. Im beruflichen wie privaten Sektor gelang es ihm dabei oft, unterschiedlichste Interessen zusammenzuführen.

Doch der Blick von Jürgen Pietsch ging immer über den Tellerrand hinaus, auch als es bereits in den 1960er-Jahren um die Aussöhnung mit der jüdischen Bevölkerung ging, für die er sich sehr engagierte. Und auch seine Mitgliedschaft und Mitarbeit im Partnerschaftskomitee war ihm eine Herzensangelegenheit. Schon bevor es dieses Gremium gab, knüpfte er Kontakte nach IJsselmuiden und St. Cyr sur Loire. Zu Bürgern beider Städte bestanden enge, langjährige Freundschaften.

Durch seinen Beruf war Jürgen Pietsch philosophisch und geschichtlich geprägt. Auch dadurch erklärt sich sein großes Interesse an der Historie seiner Heimatstadt. Im Stadtarchiv war er oft und gerne zu Gast. Und für die MZ war er ein unverzichtbarer Ratgeber, wenn es beispielsweise darum ging, historische Postkarten mit alten Stadtansichten zu enträtseln.

Dankbare Erinnerung bleibt

Auch der amtierende Bürgermeister Jan Nesselrath äußerte tiefe Bestürzung und Trauer über den Tod von Jürgen Pietsch: „Mit ihm haben wir einen außergewöhnlichen Menschen verloren. Sowohl im politischen als auch im sozialen Kontext hat er unser städtisches Miteinander wie kein anderer geprägt. Seine jahrzehntelangen Verdienste als Bürgermeister, Ratsmitglied und aktiver Bürger dieser Stadt werden mir unvergessen bleiben.“

Nicht nur seine Ehefrau und die drei Kinder werden Jürgen Pietsch sehr vermissen. Viele Meinerzhagener und auch Weggefährten, die außerhalb der Stadtgrenzen leben, werden die Lücke schmerzlich spüren, die sein Tod reißt. Was bleibt, ist dankbare Erinnerung.

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