Meinerzhagen und Kierspe

Unwetter richtet große Schäden im Stadtgebiet an

Nach den heftigen Niederschlägen hieß es am Freitag auch im Lidl-Markt an der Volmestraße „Land unter“.

MEINERZHAGEN ▪ Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei fühlten sich an das Schreckens-Szenario erinnert, das vom Orkan „Kyrill“ im Januar 2007 im heimischen Raum ausgelöst wurde.

Was sich am vergangenen späten Freitag abspielte, waren zwar „nur“ die Folgen eines Sturmtiefs. Doch die heftige Gewitterfront, die sich von Südwesten kommend den beiden Volmestädten näherte, sorgte mit Blitzschlag, Starkregen und Sturmböen mit Stärken über acht binnen Kurzem für ein Bild der Verwüstung. Mehr als 90 Einsätze gab es für die Feuerwehr im Stadtgebiet von Meinerzhagen. Zahlreiche Straßen waren durch umgestürzte Bäume blockiert und mussten zeitweilig gesperrt werden. Dabei konnte noch von Glück gesprochen werden, dass es nach bisherigen Erkenntnissen im heimischen Raum keine Verletzten oder gar Tote zu beklagen gab.

Lesen Sie zum Thema auch:

Rund 60 Einsätze für die Feuerwehr Kierspe

„Wir sind am Ende trotz zahlreicher Sachschäden glimpflich davon gekommen“, so stellvertretender Wehrleiter Ulrich Blumenrath gegenüber der MZ. Mit Blick auf das Bild der Verwüstung, das sich auch auf dem Schützenplatz zeigte, wo das kurz zuvor aufgebaute Schützenzelt erheblich beschädigt wurde, sprach er von „Glück, dass so etwas nicht etwa während der Großveranstaltung mit viel Publikum passiert ist“. Die freiwilligen Einsatzkräfte der Stadtwehr hatten am Freitag einen so arbeitsreichen, strapaziösen und dazu auch gefahrenreichen Tag wie selten zu bewältigen.

Rund 50 Feuerwehrkräfte aus Meinerzhagen, Lengelscheid, Willertshagen und Valbert waren ab 14 Uhr zunächst im Bereich der Autobahnanschlussstelle bei Scherl gefordert. Hier hatte (wie berichtet) ein brennender Lkw mit Stroh für teils chaotische Zustände gesorgt. Gegen 16 Uhr erhielt die Wehrleitung eine erste Unwetter-Vorwarnung und reagierte damit, die nicht mehr unbedingt an der Autobahn benötigten Einsatzkräfte zurück in die Gerätehäuser zu schicken, um hier für mögliche weitere Einsätze bereitzustehen.

Um 17.30 Uhr löste die Kreisleitstelle in Lüdenscheid einen sogenannten Wehrleitungs-Alarm für die Meinerzhagener Stadtwehr aus. Das bedeutete die sofortige Einrichtung eines Meldekopfes im Meinerzhagener Rathaus: In dieser örtlichen Einsatzzentrale standen Wehrleiter Thomas Decker und seine beiden Stellvertreter Ulrich Blumenrath und Andreas Barutta und zwei Funker bereit, um bei einer erwarteten Vielzahl von eingehenden Notrufen die Einsätze im Stadtgebiet zu koordinieren. Die über 112 bei der Feuerwehrleitstelle eingehenden Meldungen wurden per Fax nach Meinerzhagen übermittelt, wo die Wehrleitung nach Dringlichkeit und Lage des Einsatzortes die Einsatzkräfte dirigierte. Es wurde per Funkemeldeempfänger zunächst Voralarm für alle Einheiten mit rund 100 Einsatzkräften ausgelöst. Nach einem ersten kleineren Gewitter schien sich die Situation zunächst zu entspannen, doch als dann gegen 18.30 Uhr eine zweite, noch heftigere Gewitterfront sich über dem Stadtgebiet entlud, häuften sich die Einsätze.

Unwetter verursacht große Schäden in Meinerzhagen und Kierspe    

Der Meinerzhagener Wetterbeobachter Reinhard Hinz maß in seiner Station in Redlendorf rund 35 Liter Niederschlag, die in knapp einer Stunde niedergingen. Als Folge dieser Regenflut liefen schon sehr bald erste Keller und tiefer gelegene Gebäude voll. Besonders schlimm war es rund um die Stadthalle: Das erst kurz zuvor neu eröffnete Restaurant „Diva“ am Stadtpark wurde vom angrenzenden Teich überschwemmt. Im Toilettenbereich stand das Wasser kniehoch. Überflutet wurden auch Lager und Verkaufsraum die Lidl-Markes am Bücking. Der Discount-Markt musste geschlossen werden.

Heftige Sturmböen sorgten für zahlreiche umgestürzte Bäume, wobei selbst kerngesunde Baumriesen umstürzten, auch als Folge des mittlerweile durch den Starkregen aufgeweichten Bodens.

Auf der Landstraße 528 zwischen Meinerzhagen und Kierspe ging schließlich gar nichts mehr. Die gesamte Strecke war zwischen Hahnenbecke, Schörrenbach und Kierspe von zahlreichen querliegenden Bäumen und Ästen blockiert und musste von der Polizei gesperrt werden. Weitere Straßensperrungen gab es unter anderem auch auf der K 4 Richtung Hardenberg, im Raum Valbert und im Listertal. Die Bergungs- und Aufräumarbeiten setzten sich am Wochenende fort. So mussten im Bereich der Weststraße zwei Pappeln gefällt werden, die auf die angrenzende Hauptgasleitung für die Betriebsteile der Firma Otto Fuchs an der Woeste zu fallen drohten.

Horst vom Hofe

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare