Meinerzhagener Standesbeamtin Martina Crone-Fischer tritt Ruhestand an

„Der schönste Beruf, den es gibt“

Standesbeamtin Martina Crone-Fischer
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30 Jahre arbeitete Martina Crone-Fischer als Standesbeamtin in Meinerzhagen.

Nein sagen? Nicht bei ihr. Wer vor Martina Crone-Fischer steht, sagt „Ja“ – egal ob leise gehaucht oder klar entschlossen. In 30 Jahren hat Martina Crone-Fischer schon so viele Ja-Worte gehört. So lange ist sie Standesbeamtin: „Der schönste Beruf, den es gibt.“

Meinerzhagen – Ihr „Reich“ ist das Trauzimmer im alten Rathaus. Holzvertäfelte Wände, ein historischer dunkler Schrank, moderne Beleuchtung – feierlich-würdevolle Kulisse für den einzigartigen Augenblick. Und ein grauer Kugelschreiber-Halter aus Speckstein auf dem massiven Holztisch, verziert mit zwei Herzen und kreiert von ihrem Ehemann – kleine Besonderheit für die Unterschrift während des großen besonderen Momentes.

Jede Hochzeit ist einzigartig

Dass jede Hochzeit einzigartig ist, jede Liebes- und Lebensgeschichte berührend – dieses Gefühl ist bei Martina Crone-Fischer bis heute so geblieben: „Man ist einfach jedes Mal voll und ganz dabei.“

Ihre letzte Trauung, die 99. in diesem Jahr, vollzog Martina Crone-Fischer vor ein paar Tagen. Dass es auch tatsächlich ihre letzte Eheschließung gewesen sei, habe sie allerdings erst im Nachhinein realisiert: „Das ging mir ganz schön schwer runter“, gibt sie zu, und spürbar ist einmal mehr: die Standesbeamtin liebt ihren Beruf.

Zwölf Trauungen sind bislang bis zum Jahresende noch angemeldet, 111 Hochzeiten werden es 2020 dann sein – eine Zahl, die denen der Vorjahre gleicht. Von Corona ließen sich die meisten Heiratswilligen nicht aufhalten. Doch die restlichen Vermählungen werden ihre Kollegen übernehmen. Für Martina Crone-Fischer beginnt am 1. November ihre Altersteilzeit – auf den Tag genau 30 Jahre, nachdem sie die Stelle als Standesbeamtin im Meinerzhagener Rathaus antrat. Damals noch zögerlich, wie sie sich bis heute erinnert. Sowohl vor der Arbeit als auch vor ihren Vorgängern habe sie Respekt gehabt.

Nachdem sie am 1. August 1973 auf den Rat ihres Lehrers gehört und ihre Lehre bei der Stadt angetreten hatte („Eine gute Entscheidung“), war sie bis dahin im Ordnungsamt beschäftigt. „Im Standesamt war die Arbeitsweise dann eine ganz andere. Vor allem musste man akribisch genau arbeiten. Sterbeurkunden wurden beispielsweise mit Schreibmaschine mit Kohlepapier im Durchschlagverfahren ausgefüllt.“ Mühselig sei das gewesen. „Man musste schon pingelig sein.“ Der Beginn der 90er-Jahre – zudem eine Zeit, in der viele Spätaussiedler auch in die Volmestadt kamen. „Es mussten Familienbücher angelegt werden, Karteikarten mit dem Namen des Paares, der Eltern und der Kinder.“ Eine Berichtigung bei einem Tippfehler gab es nicht. Passierte er beim Eintrag des 14. Kindes, hieß das: Formular raus, neu einspannen und vorn vorne beginnen.

Der schönste Arbeitsplatz in der Verwaltung

Ihre Vorgänger, die Standesbeamten Hans Wever und Ingo Werner Knothe waren entsprechend genau, umgeben von einer gewissen Aura. „Man hatte Respekt.“ Kopfzerbrechen habe ihr der berufliche Schritt daher bereitet, blickt die 63-Jährige zurück. Sie wagte den Wechsel und bereute ihn nie: „Nur wenige können sagen, dass sie immer ein glückliches Berufsleben hatten. Ich kann von Glück sagen, dass ich hier gelandet bin. Der schönste Arbeitsplatz in der gesamten Verwaltung.“

Von Namensänderungen bis zu Sterbefällen – der gesamte Personenstand wird im Standesamt bearbeitet. „Wir haben nicht nur mit Akten zu tun, sondern mit Menschen.“ Mit Menschen und deren Lebensgeschichten. Das betrifft vor allem den wohl schönsten Bereich der Arbeit: die Trauungen.

Zwischen Brautkleid und Papiertaschentuch

Zwischen Aufgebot und Familienstammbuch, zwischen Brautkleid und Papiertaschentuch schwebt die Standesbeamtin mit den Brautpaaren jedoch nicht nur auf Wolke sieben. Empathisch ist sie, ja, doch über die Ehe nur schwärmen, nein, das kommt für Martina Crone-Fischer nicht in Frage. „Ich weiß daher nicht, ob ich die Trauungen immer für alle zur Zufriedenheit durchgeführt habe, aber ich habe mich bemüht.“ Während der Traurede Gedichte vortragen, das sei nicht ihr Ding. Lieber zitiert sie aus einer Weihnachtsansprache des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, die sich mit Ehe und Familie befasste. „Familie ist nicht nur eine Sonntagsveranstaltung“, sagte dieser einst. Und: „Eine Ehe ist eingebettet in Probleme, Sorgen und Nöte des Alltags.“ Dass die Paare, die sie traut, diesen Ehe-Alltag gemeinsam meistern, ist auch stets der Wunsch der Standesbeamtin.

Die richtigen Worte zu finden, darauf kommt es an. Persönlich, sagt Martina Crone-Fischer, sollte auch die amtliche Zeremonie sein. Brautpaare können daher beispielsweise Musik für den Einzug ins Trauzimmer auswählen und die Standesbeamten auch Persönliches wissen lassen, das in die Traurede einfließt: Warum wurde der Termin gewählt? Wann und wo haben sie sich kennengelernt? Wie stellen sie sich ihre gemeinsame Zukunft vor?

Expertin für Hochzeiten

Auch nach 30 Jahren und nach 1300 Eheschließungen steht für Martina Crone-Fischer nach wie vor fest: „Jede Hochzeit ist etwas Besonderes.“ Dabei gibt es Momente, die auch die Standesbeamtin schlucken lassen: „Die Tränen eines kleinen Jungen, die auf das Blatt tropften, als er seiner Mutter zusah, wie sie die Urkunde unterschrieb, haben mich schon sehr gerührt“, erinnert sich der Hochzeitsprofi.

Bei aller Würde, die ihr Amt unterstreicht, ist es auch stets gewisse Heiterkeit, die in Martina Crone-Fischers Worten mitschwingt und die sich beruhigend auswirkt auf viele aufgeregte Brautpaare. „Wobei die Bräute meistens nervöser sind“, lacht die Hochzeitsexpertin. Tränen fließen aber auch bei Männern. Und Überraschungen gibt es auch für die Standesbeamtin, „zum Beispiel, als sich die Trauzeugin als Ex-Frau des Bräutigams vorstellte.“

Vergessene Trauringe, Bräute, deren Eintreffen sich verzögert, weil der Friseurbesuch noch dauert – kein Einzelfall. Dann heißt es auch im Standesamt improvisieren. Und für das Paar, dessen Insel-Trauung wegen Corona platzte, dekorierte Martina Crone-Fischer das Meinerzhagener Trauzimmer mit einer Kiste gefüllt mit Sand, Muscheln und Leuchtturm.

Feierliches Ambiente

Dass im Rathaus in feierlichem Ambiente und im Beisein einer kleinen Gesellschaft der Bund fürs Leben geschlossen werden kann, ist erst seit einigen Jahren der Fall. Zuvor war es im vergleichsweise nüchternen Nebenzimmer des Büros weder festlich noch besonders groß. Mit der Villa im Park bietet sich Brautpaaren mittlerweile noch eine weitere „Hochzeitslocation“.

Martina Crone-Fischers Herz aber schlägt für das Trauzimmer im Rathaus. In Meinerzhagen kennt man sich, und hier im Rathaus hat die Meinerzhagenerin daher auch viele Menschen getraut, die sie selbst persönlich kennt, die Freundin beispielsweise oder die Schulfreunde ihrer beiden Kinder. „Die Begegnungen mit Menschen sind es, die das Leben lebenswert machen und diese Begegnungen haben auch meinen Beruf ausgemacht. Ich kann mir keinen Beruf vorstellen, der schöner ist“, sagt sie. Schöner kann auch eine Liebeserklärung kaum klingen.

Brautpaare auf ihrem Weg ins Glück zu begleiten – auch für Standesbeamtin Martina Crone-Fischer bedeutete diese Aufgabe großes Glück.

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