Weihnachtsbäume aus Ebberg

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Jochen Schöttler aus Ebberg ist Herr über mehrere Hunderttausend Weihnachtsbäume.

Meinerzhagen - Truthahn, Plumpudding und Eierpunsch gehören zu einem britischen Weihnachtsfest. Und natürlich der Weihnachtsbaum. Im nordenglischen Leeds werden in diesem Jahr Nordmanntannen für Feststimmung sorgen.

4000 von ihnen haben dabei eine weite Reise hinter sich. Denn: Geschlagen wurden sie in Ebberg, oberhalb des Ihnetales. Jochen Schöttler ist Landwirt und spezialisiert auf Weihnachtsbäume. Der Ebberger ist es auch, der die Nadelbäume über den Kanal exportiert. 

Normal ist dieser „Deal“ auch für den Meinerzhagener nicht. Aber es kommt eben, wie es kommt: „Ich habe die Briten bei einer Fachmesse in Dänemark kennengelernt. Beim gemeinsamen Mittagessen haben wir das Geschäft dann abgeschlossen“, erinnert sich der 49-Jährige. In diesen Tagen werden die Nordmanntannen bereits gefällt – der Qualität schadet das aber nicht: „Nordmanntannen, so sagt man, behalten ihre Nadeln etwa neun Wochen. Und Nobilis nadeln gar nicht“, erläutert er. So ist es auch erklärlich, dass der heimische Landwirt etwa 90 Prozent seines Geschäftes mit den nadeligen „Nordmännern“ bestreitet. 

Jochen Schöttler bewirtschaftet rund um Ebberg etwa 60 Hektar Fläche, auf der ausschließlich Weihnachtsbäume angebaut werden. Auf weiteren 20 Hektar wachsen Bäume, die ausschließlich Schnittgrün „produzieren“. Insgesamt ist Jochen Schöttler Herr über mehrere Hunderttausend Weihnachtsbäume. Die wenigsten davon werden allerdings ins Ausland verkauft. Doch das gibt es auch: Bald geht eine ganze Lastwagenladung nach Rijeka. In der Hafenstadtstadt sind übrigens sehr große Nordmanntannen gefragt: „Wegen der Bauweise vieler Häuser und der Raumhöhe der Zimmer sind diese Tannen bis zu fünf Meter hoch“, erklärt Schöttler.

Das Hauptgeschäft wickelt der Ebberger allerdings mit Händlern aus den Bereichen Rhein, Main und Ruhrgebiet ab. „Die kaufen bei mir und verkaufen die Bäume dann direkt in den Städten“, berichtet Schöttler. Aber natürlich sind auch alle Menschen auf seinem Hof in Ebberg willkommen, die sich persönlich ihren Baum für das Fest besorgen wollen. „Das sind aber pro Jahr nur 200 bis 300 Leute“, hat der Weihnachtsbaum-Landwirt festgestellt.

Bei der Menge an Bäumen, die Jochen Schöttler (zum Teil auch an Baumarkt-Ketten) verkauft, ist natürlich ein ganzes Helferteam nötig. Das Fällen übernimmt die Firma Forstpflege Schmale aus Herscheid, für die Abfuhr-Logistik sorgt die heimische Firma Kukulies und in den Schonungen sind sieben Lohnarbeiter aus Polen beschäftigt. Sie „sacken“ die Tannen ein und verladen sie auf Anhänger. Bei Bedarf kommen weitere Aushilfen hinzu, die kräftig anpacken. 

Wer übrigens glaubt, dass Weihnachtsbäume für den Produzenten und Händler nur ein paar Wochen harte Arbeit bedeuten, irrt gewaltig: Das ganze Jahr über werden die Bäume gepflegt, beispielsweise durch Korrekturschnitte. Das Düngen und Beseitigen von Unterwuchs gehören ebenfalls dazu. „Und im Zeitraum Mai/Juni haben wir sogar mehr Arbeit als jetzt“, erläutert Schöttler. Ruhiger wird es allerdings um das Wochenende 9./10. Dezember. Dann heißt es für dieses Jahr „Ernteende“.

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