Vor dem Gipfeltreffen

Lockern oder Lockdown? Viele wünschen sich mehr Freiheiten

SGV-Ehrenvorsitzender Willi Müller (rechts) würde sich wünschen, dass wieder in größeren Gruppen gewandert werden darf.
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SGV-Ehrenvorsitzender Willi Müller (rechts) würde sich wünschen, dass wieder in größeren Gruppen gewandert werden darf.

Lockern, oder nicht? Mit dieser Frage werden sich am Mittwoch die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundesregierung befassen.

Meinerzhagen – Angesichts der Virus-Mutationen und der steigenden Covid-19-Infektionszahlen kein einfaches Unterfangen. Auch auf kommunaler Ebene bewegt diese Frage vor dem nächsten poltischen Gipfelgespräch die Menschen. Der Wunsch nach Lockerungen ist dabei durchaus groß, erfuhr die MZ.

Wunsch nach Gottesdiensten

Willi Müller ist 92 Jahre alt. Der Ehrenvorsitzende des SGV Meinerzhagen und ehemalige Realschulrektor ist dafür, wieder gewisse Freiheiten zuzulassen, etwa beim Wandern: „Wenn man unterwegs Rücksicht aufeinander nimmt und die Regeln beachtet, könnten meiner Ansicht nach auch wieder etwas größere Gruppen gemeinsam an der frischen Luft unterwegs sein. Das wäre momentan bei wirklich idealem Wanderwetter schon wünschenswert.“ Müller findet es außerdem „sehr verständlich, dass viele Menschen darauf warten, dass Geschäfte wieder öffnen dürfen.“ Auch Gottesdienste seien möglich, wenn die Teilnehmerzahl begrenzt würde, glaubt er. „Ich bin für Lockerungen – wenn alle die Regeln beachten“, ist seine Meinung.

Verkauf nach Terminabsprache

Marc Heyder ist Geschäftsmann. Er ist mit seinem Foto-Fachgeschäft vom Lockdown also direkt betroffen. Finanzielle Hilfe vom Staat habe er bisher nicht bekommen, berichtet er. „Nach fast drei Monaten wären Lockerungen langsam angebracht“, hofft Heyder auf entsprechende Ergebnisse der Mittwochs-Konferenz. „Gewisse Bereiche durften schon öffnen, andere nicht. Da fehlt mir die klare Linie. Ich könnte auch wieder Kunden in mein Geschäft lassen – vielleicht mit Terminvergabe für Beratungsgespräche und einer Begrenzung hinsichtlich der Personen, die sich gleichzeitig im Geschäft aufhalten. Das alles natürlich unter strikter Beachtung der Hygieneregeln“, sagt der Geschäftsmann. Immerhin darf Heyder nach wie vor Passbilder anfertigen. „Das ist zum Beispiel deshalb wichtig, weil sich die Menschen vor Impfungen ausweisen müssen. Wenn dann das Ausweisdokument abgelaufen ist, wäre das echt ärgerlich.“

Angst vor Unvernünftigen

Thomas Dröscher kann die Menschen verstehen, die sich nach Lockerungen sehnen. Der Ordnungsamts-Mitarbeiter hat auch eine private Meinung zu diesem Thema. Er sieht das Problem demnach auch nicht im Einzelhandel oder in der Gastronomie, sondern eher bei manchen „Nutzern“ dieser Lokalitäten. „Die Geschäfte selbst haben wirklich sehr gute Hygienekonzepte. Und in kleineren Städten wie bei uns ist das alles noch recht unproblematisch. In Großstädten allerdings sehen wohl einige Politiker die Gefahr, dass Geschäfte oder beliebte Ausflugsziele nach Aufhebung der strengen Regeln regelrecht gestürmt werden. Die Angst vor den Unvernünftigen ist halt groß“, glaubt er.

Karl-Heinz Kraus hat die Hoffnung, dass am Mittwoch einige Lockerungen beschlossen werden. Der Vorsitzende des KuK-Vereins hat dabei allerdings die Kultur noch nicht im Blick: „Da wird sich vor Mai wenig tun. Selbst wenn gelockert würde, wäre die Zurückhaltung bei den Menschen wohl noch so groß, dass nur wenige kommen würden“, glaubt er. Beim Einzelhandel und Restaurants beispielsweise hofft Kraus allerdings schon auf die Rücknahme gewisser Einschränkungen. „Das sollte man riskieren“, ist seine Meinung.

Endlich wieder ins Stadion

Christoph Last muss auf eines seiner liebsten Hobbys seit Monaten verzichten. Der Meinerzhagener ist großer Fan des RSV und unter anderem für die Choreografien vor den Oberliga-Partien verantwortlich. „Ich habe in dieser Hinsicht inzwischen gelernt, mit der Abstinenz zu leben“, sagt er. Trotzdem würde er sich wünschen, dass es bald Lockerungen gibt, die Saison fortgesetzt wird und vielleicht sogar Zuschauer ins Stadion dürfen: „Im Amateurbereich sehe ich das eigentlich unkritisch, wenn Masken getragen und die Regeln eingehalten werden.“ Auch im Einzelhandel oder der Gastronomie würde er Lockerungen begrüßen: „Man muss halt aufeinander Rücksicht nehmen.“

Peter Kroschewski ist eher zurückhaltend, was Lockerungen in der nächsten Zeit angeht. Der katholische Geistliche aus der Pfarrei St. Maria Immaculata hält zum Beispiel Präsenzgottesdienste an Samstagen oder Sonntagen zurzeit für nicht durchführbar: „Gerade für die älteren Menschen wäre das Risiko zu groß. Natürlich würde ich es mir für die Gemeinde wünschen, aber Sicherheit geht vor und wir möchten nicht verantwortungslos handeln.“ Der Pfarrer führt als Grund für die Vorsicht die hohen Infektionszahlen an – „gerade auch im Märkischen Kreis“.

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