Prozess vor dem Lüdenscheider Schöffengericht

Üble Keilerei führt zu erheblichen Verletzungen

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Eine üble Keilerei hatte in Meinerzhagen schlimme Folgen für einen 21-Jährigen. Die mutmaßlichen Täter standen jetzt vor Gericht.

Meinerzhagen - Fast ein Jahr nach einer üblen Keilerei in einem Veranstaltungsraum an der Hauptstraße blieben die schweren Verletzungen eines 21-jährigen Meinerzhageners weitgehend ungesühnt.

Im Amtsgericht Lüdenscheid sprach ein Schöffengericht zwei von drei Angeklagten vom Vorwurf der schweren gemeinschaftlichen Körperverletzung frei. Der dritte Angeklagte, ein 26-jähriger Meinerzhagener, bekam wegen einer „einfachen“ Körperverletzung eine Haftstrafe von drei Monaten auf Bewährung. Er sei derjenige gewesen, der ihm den ersten Schlag ins Gesicht versetzt habe, war sich der 21-Jährige „100-prozentig“ sicher.

Eine Zeugin bestätigte diese Aussage. Ansonsten konnte der Zeuge die Schläge und Tritte in sein Gesicht nicht mit konkreten Personen in Verbindung bringen. Wer ihm die schweren Verletzungen letztlich zugefügt hatte, blieb deshalb nach umfangreicher Beweisaufnahme allerdings ungeklärt – ein unbefriedigendes Ergebnis angesichts der Folgen der Prügel, an denen der 21-Jährige bis heute leidet.

Noch immer halten Schraubverbindungen die Knochen rund um sein Auge zusammen. „Da musste sehr viel gerichtet werden“, erklärte er vor Gericht. Vom 3. bis zum 7. Dezember 2016 richteten Chirurgen und Augenärzte im Kreisklinikum Lüdenscheid Trümmerbrüche der rechten Augenhöhle und eine komplexe Mittelgesichtsfraktur. Das ebenfalls angeschlagene, „blaue“ Auge des Zeugen erholte sich von einem Netzhautödem.

Eigentlich stand der Abend des 2. Dezember 2016 unter einem guten Stern: Eine junge Frau hatte zur Feier ihres 18. Geburtstages Gäste in den Veranstaltungsraum eingeladen. Die fröhliche Atmosphäre begann zu kippen, als die drei Angeklagten sich unter die Gäste mischten und den Alkohol offenbar weniger vertrugen als die ausdrücklich geladenen Gäste.

Eine 19-jährige Zeugin war sich erst im Gerichtssaal nicht mehr sicher, ob ein 31-Jähriger ihr hinter der Theke tatsächlich an das Gesäß gefasst hatte. Keine Zweifel blieben aber letztlich daran, dass der Angeklagte sie sexistisch beleidigt, an seiner Hose und seinem Gürtel herumgenestelt und seine Unterhose hatte durchblitzen lassen. Eine weitere Zeugin hatte ein ähnliches Schauspiel beobachtet. Für diese drei beleidigenden Auftritte und eine Sachbeschädigung verhängte das Gericht letztlich eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro gegen den 31-Jährigen.

Weil die durch das schlechte Benehmen alarmierten jungen Frauen den 21-jährigen Hauptgeschädigten um Hilfe baten, nahm das schlimmste Unglück jenes Abends seinen Lauf: Er stellte den 26-jährigen Besucher zur Rede, kassierte dafür von ihm einen Schlag auf die Nase und spuckte im Gegenzug Blut auf den Angreifer.

An das, was dann geschah, hatte das Opfer keine detaillierte Erinnerung mehr: „Ich habe gesehen, wie die alle auf mich zugekommen sind.“ Konkretere Angaben konnte der 21-Jährige nicht machen. Und er konnte auch nicht ausschließen, dass noch ganz andere Personen als die drei Angeklagten ihren Aggressionen freien Lauf gelassen hatten. Der letztlich Verurteilte bestritt, den ersten Schlag gesetzt zu haben.

Zum Abschluss einer gründlich verdorbenen Geburtstagsfete randalierten der 31-jährige Angeklagte und der Dritte im Bunde, ein 33-jähriger Meinerzhagener. Er wurde deshalb wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt. Die beiden von Friedhelm und Gerrit Wolf vertretenen Angeklagten nahmen das Urteil sofort an. Rechtsanwalt Andreas Trode, Verteidiger des 26-Jährigen, kündigte hingegen Berufung gegen die Verurteilung seines Mandanten an.

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