Bitterkalter März mit viel Sonnenschein

Der März „glänzte“ in diesem Jahr mit gerade einmal drei frostfreien Tagen. ▪ Archivfoto: Müller

MEINERZHAGEN ▪ Meteorologisch zählt der März als der erste Frühlingsmonat. In diesem Jahr kam dieser Monat jedoch vielen Menschen wie ein „verlängerter Winter“ vor. Und genau das wird auch durch die gesammelten Wetterdaten bestätigt. So gab es in Meinerzhagen diesmal ganze drei frostfreie Tage. Am 15. März sank das Thermometer in Bodennähe bis auf den rekordverdächtigen Minuswert von 18,8 Grad. So kalt war es zuvor an keinem anderen Wintertag geworden.

Der Meinerzhagener Wetterbeobachter Reinhard Hinz kann allerdings auch mit einer durchaus positiven Feststellung aufwarten: „Nachdem die drei vorangegangenen Wintermonate vor allem deshalb so negativ in Erinnerung haften geblieben sind, weil sie so trüb und sonnenscheinarm waren, schien an immerhin 20 der 31 März-Tage zumindest stundenweise die Sonne. Und das war nach dem dunklen Winter dann doch richtig was fürs Gemüt“, so Hinz.

An der von Hinz für den Deutschen Wetterdienst in Redlendorf betriebenen Wetterstation war im März auch ein ungewöhnlich geringer Niederschlag von insgesamt nur 47 Litern auf den Quadratmetern zu registrieren. Diese Monatsmenge entspricht nur zu etwa 40 Prozent dem durchschnittlichen Wert.

Dem kältesten Märztag mit minus 18,8 Grad in Bodennähe am 15. März stand am 6. März ein überaus warmer Tag gegenüber, an dem das Thermometer bis auf frühsommerliche 18,8 Grad kletterte.

In der Gesamtbilanz für Deutschland stellt der Deutsche Wetterdienst das Folgende fest: „Nach recht mildem Beginn geriet Deutschland am Südrand eines ausgedehnten, kräftigen Hochs über Nordeuropa in den Zustrom teilweise sehr kalter, arktischer Luftmassen. Diese bescherten vor allem dem Osten und Norden Stationsrekorde am Fließband hinsichtlich Kältegraden und Schneemengen. Lediglich der Süden und die Mitte Deutschlands erlebten zeitweise einen Hauch von Frühling. Insgesamt also ein deutlich zu kalter März, mit wenig Niederschlag aber fast durchweg überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer.

Die Durchschnittstemperatur für Deutschland lag mit 0,2 Grad Celsius um 3,3 Grad tiefer als der Klimawert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die negative Abweichung sogar 4,1 Grad. Damit gehörte der März 2013 bundesweit zu den sechs kältesten Märzmonaten seit Messbeginn 1881.

Nach mildem Beginn folgte ein jäher Temperatursturz. So meldete der Flughafen Düsseldorf am 6. mit 20,2 Grad noch einen neuen positiven Dekadenrekord und damit auch das bundesweite Monatsmaximum, sieben Tage später waren es nur noch minus 11,9 Grad. Der strengste Frost des Monats trat am 16. in Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge mit -21,3 Grad auf. Mitte März und dann am 22. und 23. nochmals kam es vor allem im Norden und Osten Deutschlands an vielen Messstellen zu einer Flut von Kälterekorden. Coschen, südlich von Eisenhüttenstadt, meldete am 24. einen Dekadenrekord von -18,9 Grad. Der März verfehlte mit etwa 36 Litern pro Quadratmeter sein Klimasoll von 57 Litern recht deutlich. Die Niederschläge fielen im Nordosten fast ausschließlich als Schnee. Das kleinräumige, aber sehr wetterwirksame Tief „Xaver“ überquerte am 12. Deutschland von West nach Ost und hinterließ verbreitet eine geschlossene und bedingt durch die tiefen Temperaturen auch langlebige Schneedecke. So befand sich Berlin seit dem 10. unter Schnee, wobei die Höhe in der letzten Dekade bis 20 cm reichte. Solche Höhen im letzten Märzdrittel hat es dort seit 1892 nicht mehr gegeben.

In Deutschland lag die Sonnenscheindauer im März 2013 mit etwa 124 Stunden um 12 Prozent über dem Klimasoll von 111 Stunden. Am längsten zeigte sich die Sonne in Grünow, nordöstlich von Berlin, mit rund 190 Stunden. Schlusslicht war Rheinfelden am Hochrhein mit etwa 90 Stunden.“

So weit der Deutsche Wetterdienst in seiner offiziellen Monatsbilanz für den März 2013. Die „Wetterfrösche“ des DWD aus Offenbach werfen ihren Blick zugleich schon voraus auf den April und belegen mit statistischen Daten, „was kann uns da meteorologisch so alles blühen kann“. Und um es vorweg auf den Punkt zu bringen, nehmen wir das Fazit schon vorweg: „Der April, der macht halt was er will und wir müssen uns bis Monatsende auf Winter- und Sommerwetter einrichten“, so der DWD-Diplom-Meteorologe Christoph Hartmann, der zum Beleg dafür die folgenden statischen Daten anführt:

„Abgesehen von Helgoland und einigen Gipfellagen hatten wir in der Vergangenheit im April schon überall 20 Grad erreicht. Erste Sommertage mit Höchstwerten über 25 Grad sind, wenn auch erst in der zweiten Monatshälfte, vielerorts die Regel. Und heiße Tage mit über 30 Grad haben immerhin gut 20 Prozent aller Stationen im Messnetz des Wetterdienstes auch schon gehabt. Aber auch Eistage mit Höchstwerten unter null Grad hat es bis Mitte April an 40 Prozent der Stationen schon gegeben. Nachtfrost im April ist nichts Besonderes und wurde sogar Mitte April auf Helgoland gemessen. Immerhin 20 Prozent aller Stationen haben es auch schon auf Tiefstwerte unter -10 Grad gebracht. In mittleren Lagen war es in Harzgerode mit -15,3 Grad am 13. April 1886, in tiefen Lagen in Cottbus mit -14,2 Grad am 5. April 1929 am kältesten. Während Schneefall bei Aprilwetter durchaus normal ist, ist eine Schneedecke im April nicht mehr alltäglich. Aber 20 cm und mehr hat es immerhin schon an 30 Prozent unserer Stationen gegeben. Diese Maxima wurden teils erst gegen Monatsende erreicht, und das an Orten, wo es zur gleichen Zeit in einem anderen Jahr auch schon über 30 Grad gegeben hat.“ ▪ -fe

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