Meinerzhagener Tanztee wird 25 Jahre alt

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Freuen sich auf die Jubiläums-Veranstaltung mit vielen Gästen am kommenden Montag in der Stadthalle: v.l. Emmarie Reichel, Dagmar Pyka, Renate Gimmler und Bärbel Withöft. Das engagierte Damen-Quartett setzt die vor 25 Jahren begonnene Tradition mit Erfolg fort. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Wie die Zeit doch vergeht! Kaum zu glauben, aber wahr: Der Tanztee in der Stadthalle wurde vor genau 25 Jahren ins Leben gerufen.

Das stolze Jubiläum wird am kommenden Montag, 11. April, Einlass ab 14 Uhr, im Rahmen des monatlichen Tanztees entsprechend gewürdigt. Dazu sind auch einige Ehrengäste eingeladen. Dieter Withöft hat eine Foto-Show vorbereitet und wird mit alten Bildern und Zeitungsausschnitten eine Zeitreise durch das nun zu Ende gegangene Vierjahrhundert Tanztee präsentieren. Musikalisch gratulieren wollen die Mitglieder vom gemischten Chor 70.

Dass der Tanztee zu einem mittlerweile auch andernorts kopierten Erfolgsmodell und zu einem echten Dauerbrenner überdies werden sollte, ist schon eine Geschichte für sich. Und wie der Erfolg oft viele Väter hat, muss in diesem Fall von „einer Mutter“ gesprochen werden, die das „Kind aus der Taufe hob“: Trude Braun! Die langjährige Ratsfrau, auf sozialem Gebiet ganz besonders engagiert, hatte die Idee. Als 2006 der zwanzigste Geburtstag des Tanztees gefeiert werden konnte, erinnerte sie sich im Gespräch mit der MZ an die Vorgeschichte wie folgt:

„Ich war Mitglied im Sozialausschuss. Einmal im Jahr gab es ein Angebot für die älteren Mitbürger – einen Ausflug, ein gemütliches Kaffeetrinken oder ähnliches. Das reichte mir nicht. Denn die Senioren wollen und können auch im Alter aktiv sein. Es fehlte damals aber trotz schon vorhandener Begegnungsstätten noch an regelmäßigen Angeboten. Ich wusste, dass gerade die ältere Generation gerne tanzt. Ein Tanztee, vielleicht zu aufgelegten Platten? Ich habe Willi Raudschus vom Sozialamt angerufen. ‚Trude, mach mal!“‚ hat er mich ermuntert.“

Und Trude Braun machte. Im Sozialausschuss trug sie ihre Idee nochmals ganz offiziell vor. Das war im Januar 1986. Schon im April gab es in der damals noch relativ neuen Stadthalle den ersten „Tanztee für Senioren“.

Etwas Bammel hatten die damaligen Organisatoren schon. Wie viele Besucher würden kommen? Würde am Ende der große Saal der Stadthalle nicht viel zu groß sein? „Wir hatten schon daran gedacht, ins damalige Haus der Vereine (heute DRK-Kindergarten) am Schulplatz zu gehen“, erzählt Trude Braun. Doch als sich am 7. April 1986 erstmals die Türen der Stadthalle öffneten, waren diese alternativen Überlegungen hinfällig: Rund 350 Gäste füllten die Halle bestens – und nahezu auf diesem hohen Level hält sich die überwältigende Resonanz bis heute – jetzt schon fünfundzwanzig Jahre lang.

Trude Braun war es seinerzeit gelungen, aus den Reihen des Sozialausschusses mit Heidrun Benger, Elisabeth Kister und Meinhild Lerch drei tatkräftige Mitstreiterinnen zu finden. Dieses emsige, ideenreiche und muntere Damen-Quartett wurde zum Erfolgsgaranten.

Trude Braun hat sich 2002 nach siebzehn Jahren aus dieser Aufgabe zurück gezogen. Das gilt auch für ihre einstigen Mitstreiterinnen. Zeitweise waren auch Brunhild Rosemeier, Uschi Soennecken, Anita Bornträger und Eva Hake als Mitglieder des Organisationsteams aktiv.

Geblieben ist nach wie vor ein Damen-Quartett: Bärbel Withöft, seit 1994 dabei, Renate Gimmler (seit 1996), Emmarie Reichel (seit 2002) und Dagmar Pyka (seit dem Vorjahr) setzen mit großem Idealismus und nimmermüdem Einsatz erfolgreich das fort, was ihre Vorgängerinnen in die Spur gesetzt hatten.

Außenstehende werden kaum erahnen, wie viel Arbeit vor, aber vor allem auch hinter den Kulissen erforderlich ist, um elfmal im Jahr jeweils eine gelungene Tanztee-Veranstaltung zu organisieren.

Die Planungen laufen zum Teil schon recht langfristig, zum Beispiel, wenn es darum geht, besondere Gäste, wie Chöre, Tanzgruppen und andere Mitwirkende ins Programm einzubauen. Besondere Höhepunkte im Jahresverlauf sind jeweils das Oktoberfest und die Weihnachts-Veranstaltung. Und immer wieder stehen auch die vier Damen selbst auf der Bühne: In kleinen Rollenspielen, Sketchen, mit Vorträgen von Gedichten und heiteren oder besinnlichen Geschichten, je nach dem aktuellen Anlass.

Bewährt hat sich in all den Jahren auch der folgende, im Kern unverändert gebliebene Ablauf: Jeweils eine Woche vor der nächsten Veranstaltung trifft man sich reihum zu einem „Arbeitsessen“ oder auch einem „Arbeitsfrühstück“ und bespricht die Planung. Gibt es ein besonderes Thema? Zum Beispiel Karneval, Ostern, Erntedankfest. Was können wir dazu vorbereiten? Welche Dekoration passt dazu? Und vieles mehr.

Wenn alles durchdiskutiert ist, die Planung steht, dann werden die weiteren nötigen Vorbereitungen getroffen. Zum Beispiel Deko-Material „zusammenbetteln“ oder auch weitere mögliche Mitwirkende ansprechen.

In der Regel findet man bei gezielter Ansprache immer wieder tatkräftige Unterstützung – auch von Sponsoren. Die Blumengeschäfte Overmann und Krause helfen regelmäßig mit Blumenschmuck. Die Metzgerei Rabe stiftet Schmalz für die Brote zum Oktoberfest, für das Otto Hinrich Fuchs jeweils den Wein spendiert. Auch Sparkasse und Volksbank übernehmen im Wechsel jeweils bestimmte finanzielle Ausgaben. Über viele Jahre hinweg hat sich auch die Meinerzhagener Zeitung beteiligt und die Kosten für die Musik übernommen.

Jetzt sorgt die Stadt Meinerzhagen dafür, dass die „Fixkosten“ abgedeckt bleiben und es mit dem Tanztee weiter geht. Die Teilnehmer der Veranstaltung tragen mit dem auf 1,50 Euro bewusst niedrig angesetzten Eintrittsgeld ebenfalls dazu bei.

Ohne Musik würde es natürlich nicht funktionieren. Und auch hier gibt es Kontinuität, die den Erfolg ausmacht: Anfangs waren es die „Bergstadt Oldies“: Ernst Bohn und Heinrich Pfalz aus Lüdenscheid. Nach Erkrankung und leider frühem Tod seines Partners setzte Heinrich Pfalz das Engagement in Meinerzhagen als Alleinunterhalter fort. Erst 2004 gab es einen Wechsel: Seitdem gibt Poldi Bröker aus Rönsahl den Ton an und trifft mit sicherem Gespür den musikalischen Geschmack der Gäste. Die kommen nach wie vor regelmäßig und gern: Im Schnitt rund 200 je Tanztee. Und sie kommen nicht nur aus Meinerzhagen, sondern auch aus der näheren und weiteren Umgebung. Und für so manches „späte Glück“ hat auch der Tanztee sozusagen Pate gestanden, indem er aus Menschen neue Paare machte, die zuvor jeweils ihren Partner/Partnerin verloren hatten.

„Es sind viele Freundschaften entstanden. Und es geht Monat für Monat um sehr viel mehr als Tanzen, Singen und Schunkeln. Unsere Besucher freuen sich auf diese Gelegenheit, sich mit anderen austauschen zu können“, beschreibt es Emmarie Reichel. Und darin eingeschlossen ist natürlich auch das Organisationsteam. „Wir teilen mit unseren Gästen Freuden und auch Leiden, die das Leben so mit sich bringt“, weiß Bärbel Withöft. Und so ist der Tanztee denn auch vor allem eine Gelegenheit zur Pflege von mitmenschlichen Kontakten in einer ansonsten doch deutlich hektischer und unpersönlicher gewordenen Welt. Wie hat es doch eine langjährige Besucherin einmal so treffend gesagt: „Wenn es den Tanztee nicht schon geben würde, er müsste erfunden werden!“ ▪ -fe

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