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Ukraine-Krieg: Große Sorgen bei der Tafel

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Von: Göran Isleib

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Tüten mit Lebensmitteln
Die Meinerzhagener Tafel hat bedingt durch Corona die Ausgabeprozedur geändert. Die Taschen werden seit längerer Zeit nur noch durchs Fenster an die Bedürftigen herausgegeben. © Benninghaus, Simone

Der Krieg Putins in der Ukraine, die steigende Zahl an Flüchtlingen aus dem osteuropäischen Land, die auch Meinerzhagen erreichen und jetzt noch steigende Kosten für die Beschaffung von Lebensmitteln und Kraftstoffpreise für die eingesetzten Privatautos der Tafelhelfer.

Klaus Reimann – seit vielen vielen Jahren bei der Meinerzhagener Tafel engagiert – weiß nicht, wo ihm der Kopf steht, so dramatisch wirkt sich all das auf die Arbeit der Tafel aus. Und dass die Menschen die Tafel brauchen, das ist unbestritten. „Momentan haben wir jede Woche die Tafel für Flüchtlinge aus der Ukraine geöffnet“, erklärt er. Momentan seien das etwa 280 Betroffene aus dem vom Krieg gebeutelten Land. Doch die wöchentlichen Termine werden nicht auf Dauer durchzuhalten sein, sagt er. „Das wird sonst ungerecht, denn wir haben ja auch Flüchtlinge aus anderen Ländern wie beispielsweise aus Syrien oder Afghanistan“, erläutert Reimann. Momentan plant das Tafel-Team ab etwa Mai wieder wie zu Beginn der Tafelarbeit einmal monatlich die Tafel zu öffnen.

200 Taschen werden gepackt

„Wir packen etwa 200 Taschen“, rechnet Reimann vor, „wobei es aber so ist, dass an diesen Taschen am Ende ja viel mehr Leute dranhängen.“ Von der Stadtverwaltung Meinerzhagen gibt es den entsprechenden Berechtigungsschein, der notwendig ist, um von der Tafel überhaupt versorgt werden zu können. Von der Tafel selbst gibt es ein Ausweis. Darauf steht auch vermerkt, wie groß die zu versorgende Familie hinter dem Berechtigten ist. „Bei bis zu fünf Personen gibt es das so genannte Grundpaket, dazu noch verschiedene Einzelkomponenten an Lebensmitteln und Hygieneartikel. Ab fünf Personen werden dann zwei Grundpakete ausgegeben, auch dazu kommen noch zusätzliche Produkte, die dringend benötigt werden“, erklärt Reimann.

Corona veränderte Ausgabeprozedur

Seitdem Corona viele Bereiche des alltäglichen Lebens beherrscht, hat auch die Tafel die Ausgabeprozedur am Inselweg verändert. Die Taschen werden am Ausgabetag aus einem Fenster im evangelischen Gemeindezentrum am Inselweg an die Bedürftigen überreicht. „Wir würden gerne wieder das Haus öffnen, aber es ist einfach zu beengt dort“, beschreibt Klaus Reimann die etwas unbefriedigende Situation am Inselweg. Wovon er träumt: Viel Platz für das Packen der Taschen, die Lagerung der Lebensmittel und auch der Textilien und Haushaltsgegenstände. „Das wissen nämlich nur die Wenigsten, dass wir auch Textilien herausgeben und Haushaltsgegenstände, die ja immer dringend benötigt werden“, erklärt Reimann. Und genau da ist es im Moment platzmäßig problematisch, weshalb die Annahme von derlei Waren gestoppt wurde. Einzige Ausnahme: „Windeln und Hygieneartikel werden weiterhin stark nachgefragt und dringend benötigt. Spenden dieser Art nehmen wir weiterhin an – sehr gerne!“

„Es wäre wirklich schön, wenn wir die Tafel an einem größeren Ort unterbringen könnten“, hofft er auf entsprechende Angebote. Aber natürlich sei ihm klar, dass jemand eine leer stehende Immobilie nicht kostenlos der Tafel zur Verfügung stellen möchte oder kann. Doch Miete zahlen ist praktisch nicht möglich, schließlich soll alles für die Hilfsbedürftigen zur Verfügung stehen.

Bislang bringt die Tafel jeden Monat zwischen 3500 und 4000 Euro auf – das meiste allein für Lebensmittel. Dass diese Kosten jetzt wahrscheinlich deutlich steigen werden, sieht Klaus Reimann mit Besorgnis. Deshalb ist er froh, dass sich so viele Menschen bereit erklären, für die Tafel zu spenden. Ein Beispiel: Beim Friedensgebet, das jeden Montag auf dem Otto-Fuchs-Platz an der Stadthalle organisiert wird, steht ein kleines Sammelkörbchen, da hinein kommen Spenden, die anschließend ausschließlich der Meinerzhagener Tafel zugutekommen. Aber auch sehr viele Privatleute würden sich finanziell engagieren und für die Tafel spenden.

Privatfahrzeuge werden eingesetzt

Prekär: Wenn die Helfer die Lebensmittel abholen oder auch entsprechende Produkte dazu kaufen, setzen sie zumeist ihre Privatfahrzeuge ein. Das sind Fahrzeuge, die größtenteils mit Diesel oder Benzin betrieben werden. Die Kosten für den Sprit zahlen die Helfer selbst.

Ein weiteres Problem der Tafel – mal ganz unabhängig von der momentanen Entwicklung –, ist der Mangel an ehrenamtlichen Helfern. Allein durch die derzeit wöchentlichen Ausgaben seien die Helfer oftmals mit ihrer Kraft an Ende. „Die Taschen sind ja nicht gerade leicht, die aus dem Fenster herausgehoben werden müssen. Da sind die Helferinnen und Helfer am Abend dann wirklich erledigt“, hat Klaus Reimann beobachtet. Deshalb werden weitere Mitstreiter gesucht, die sich gerne bei Pastor Klaus Kemper-Kohlhase melden können. Und neben dem Packen der Taschen und der Herausgabe selbiger am Tafel-Öffnungstag, gäbe es noch sehr viel mehr Arbeit, die von den freiwilligen Helfern geleistet werden. „Jeder von uns Ehrenamtlichen investiert wirklich viel Arbeit und auch privates Geld in die Tafel“, resümiert Klaus Reimann, „aber wir machen das wirklich gerne, weil es eben so sehr wichtig ist!“ Seine Hoffnung jedenfalls gibt er nicht auf, das ist sicher.

Das Problem der Meinerzhagener Tafel ist Bürgermeister Jan Nesselrath durchaus bekannt. „Wir wissen, dass es am Inselweg äußerst schwierige Platzverhältnisse gibt und dass da schnell etwas passieren muss, um diesen Zustand zu ändern“, erklärt Jan Nesselrath. Bereits avisiert ist ein Termin nach den gerade gestarteten Osterferien. Dann sollen Gespräche folgen. „Wir machen uns intensive Gedanken, wie wir der Tafel helfen können“, sagt Jan Nesselrath, der sehr wohl weiß, welche Bedeutung die Tafeln in der heutigen Zeit haben. Konkrete Ideen, welche Räumlichkeiten man der Tafel zur Verfügung stellen könnte, hat der Bürgermeister bislang jedoch nicht. „Generell ist es aber so, dass die Tafel dringend neue Räume benötigt“, sagt der Bürgermeister.

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