Stolperstein-Initiative zieht positive Bilanz

Sechs der insgesamt 17 im vergangenen Jahr verlegten Stolpersteine liegen vor dem Haus Zur Alten Post 8. - Archivfoto: Müller

MEINERZHAGEN - Das Stolpern ist nicht nur erlaubt, sondern geradezu erwünscht – wenn auch ausdrücklich nicht im wörtlichen Sinne. Die Steine sollen Anstoß geben, über die Geschichte nachzudenken, um sie sich nicht wiederholen zu lassen. Und zumindest die Vorarbeit dazu ist größtenteils gemacht.

Die Initiative „Stolpersteine Meinerzhagen“ blickt anlässlich des Jahreswechsels äußerst zufrieden auf die zurückliegenden zwölf Monate. Und hofft nun, dass die positive Entwicklung nicht abreißt.

„Ich bin lange politisch tätig gewesen, aber so eine Erfolgsgeschichte habe ich noch nicht erlebt“, sagt Stolpersteine-Initiator Herbert Langenohl, der für die SPD viele Jahre in der Kommunalpolitik aktiv war. Von der ersten Idee, mit den Steinen Erinnerungen für die von den Nazis verfolgten und bedrohten Meinerzhagener Juden zu schaffen, bis zur ersten Verlegung im Jahr 2013 vergingen zwar drei Jahre – doch das vergangene Jahr verlief für die Akteure der Initiative dafür umso positiver.

Nach der Verlegung von 13 Steinen an der Kirchstraße und Zur Alten Post, für die die Akteure insbesondere Bürgermeister Jan Nesselrath für seine Unterstützung danken, folgte im November ein echter „Coup“ an der Derschlager Straße 11. Dort, wo die Familie der heute 84-jährigen Eve (Eva) Fischbach bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1938 lebte, verweigerte der Hausbesitzer bis zuletzt eine Verlegung von Stolpersteinen vor seinem Gebäude. Doch im Nachbarhaus wohnt ausgerechnet die langjährige Brieffreundin Eve Fischbachs, Wiebke Veit.

Drei weitere Adresse fehlen noch

Und die gestattet die Verlegung auf ihrem Grundstück mit der Hausnummer 9 – mit Blickrichtung auf das Nachbargebäude (die MZ berichtete). So endete das Jahr 2014 für die Initiative wie schon das Jahr zuvor mit 17 verlegten Stolpersteinen. An sieben von zehn jüdischen Wohnstätten, die sich die Akteure vorgenommen haben, liegen die Steine nun im Gedenken an die verfolgten Mitbürger. Drei Adressen für insgesamt 13 weitere Opfer des NS-Regimes fehlen noch, was letztlich an der ausstehenden Erlaubnis der Eigentümer liegt. Dass die Stolpersteine selbst auf öffentlichen Flächen ohne die Einwilligung der angrenzenden Hausbesitzer nicht verlegt werden dürfen, war für Langenohl und seinen Mitstreiter Rolf Janßen im Zuge der generellen politischen Zusage für ihr Projekt zunächst kein Thema. Nun jedoch, mehr als zwei Jahre später, wächst der Druck – nicht zuletzt auf die Akteure der Initiative.

Einem lebenden Opfer wird Stein verwehrt

„Es haben sich viele Mitglieder der Familien Fischbach und Stern bereits für eine gemeinsame Fahrt nach Meinerzhagen 2015 verabredet“, sagt Janßen, der sich über diesen Besuch zwar freut, den Gästen am liebsten aber keinen fehlenden Verlegeort mehr präsentieren würde. Etwa für Margot Fischbach, der als einzigem noch lebendem Opfer der NS-Verfolgung in Meinerzhagen eine Erinnerung vor ihrem alten Wohnhaus an der Lindenstraße verwehrt bleibt. Einen Antrag auf Änderung des Ratsbeschlusses ziehen die Stolperstein-Akteure bislang aber nicht in Betracht. „Das macht nur Sinn, wenn er Aussicht auf Erfolg hätte“, sagt Herbert Langenohl. Diese Chance sei aktuell nicht gegeben. Rolf Janßen will indes den Blick nicht allzu stark auf die Steine, sondern auf ihre Bedeutung richten: „Es geht bei alledem um das Zeichen. Der Druck, der sich nun für uns ergibt, ist kein politischer, sondern ein menschlicher.“ - zach

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