Reitlehrer soll Mädchen missbraucht haben

Seit Montag steht ein 65-jähriger Reitlehrer vor dem Landgericht Hagen. Der Vorwurf: Er soll zwei Mädchen missbraucht haben.

Meinerzhagen - Schwer wiegen die Vorwürfe gegen einen 65-jährigen Reitlehrer aus Meinerzhagen, der zwei seiner Schülerinnen zwischen Januar 2008 und Dezember 2011 vielfach sexuell missbraucht haben soll. 21 Punkte umfasst die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Von Thomas Krumm

Die Kinder waren damals zwischen 12 und 16 Jahren alt. Zum Prozessauftakt im Landgericht Hagen bestritt der Angeklagte gestern die Vorwürfe. Sein Anwalt Lutz Mollenkott hatte zuvor ein Rechtsgespräch mit dem Gericht, einem Nebenklagevertreter und der Staatsanwältin geführt. Doch auf das Angebot der Strafkammer wollte oder konnte der Angeklagte nicht eingehen: Der Deal hätte ihm im Gegenzug für ein Geständnis eine Gefängnisstrafe nicht unter dreieinhalb Jahren eingebracht.

Der 65-Jährige, der im Ermittlungsverfahren bisher geschwiegen hatte, erzählte weitausholend die Geschichte zweier Mädchen, die er angeblich gerne als seine Nachfolgerinnen auf dem Hof gesehen hätte. Die Kosten für die Unterbringung ihrer Pferde verdienten die Kinder und ihre Mütter mit Arbeitsleistungen auf dem Hof. Ob tatsächlich noch ganz andere Gefälligkeiten als das Ausmisten der Ställe gefragt waren, muss die 1. große Strafkammer in den kommenden Tagen entscheiden.

Neben dem Angeklagten kamen am ersten Verhandlungstag die Eltern der beiden Mädchen zu Wort: Eine 53-jährige Mutter schilderte, wie der Pferdehof über lange Jahre hinweg „ein Zufluchtsort“ für Pferdeliebhaber gewesen sei. Der Betreiber sei nicht nur für die Kinder, sondern auch für die dazugehörigen Mütter „faszinierend“ und ein „Guru“ gewesen. Als die Familien von dem mutmaßlichen Missbrauch erfuhren, fielen sie offenbar aus allen Wolken. Doch es gab Merkwürdigkeiten, die die Mütter bereits zuvor irritiert hatten: Einkaufstouren nach Lüdenscheid, bei denen der Angeklagte den Mädchen Tanga-Unterwäsche kaufte, und die auffällige Nähe, die er mit seinen Schülerinnen pflegte: Umarmungen und Küsschen zur Begrüßung, das Sitzen auf seinem Schoß.

Die Zeugin erinnerte sich aber auch, wie der Angeklagte Sympathie und Antipathie nach seinem Gutdünken verteilte. Die Idylle auf dem Reiterhof erwies sich deshalb als trügerisch: „Ich habe mein Kind nicht mehr wiedererkannt“, erinnerte sich die Zeugin. „Sie entglitt mir immer mehr.“ Stattdessen soll der Angeklagte die Mädchen „in der Hand“ gehabt haben, wie es die Eltern übereinstimmend formulierten. Denn für die Mädchen zählte hauptsächlich ihre Begeisterung für die Pferde und den Sport auf deren Rücken. Sie könnten deshalb in der Hand eines zu allem entschlossenen Täters manipulierbar gewesen sein.

Nachdem der Angeklagte die Vorwürfe bestritten hat, dürfte den heute 19 und 17 Jahre alten Zeuginnen die Aussage vor Gericht nicht erspart bleiben. Die Psychologin Cornelia Orth wird zur Glaubwürdigkeit der Mädchen Stellung nehmen.

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