Eine breite Front gegen die Große Koalition

+
Im Moment wird in Berlin ausgelotet, ob die SPD eine "Groko" eingehen soll.

Meinerzhagen - Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln. Noch am Wahlabend schloss die SPD-Spitze eine erneute Große Koalition aus, proklamierte den Gang in die Opposition. Inzwischen wird nun doch mit CDU und CSU verhandelt, um zu prüfen, ob eine „Groko“ Sinn macht.

Come on wollte wissen, was Genossen vor Ort angesichts dieser Entwicklung denken.

Rolf Puschkarsky ist gegen eine Groko. „Darauf sollte sich die SPD nicht einlassen. Als Steigbügelhalter zu dienen und dann als Nummer zwei dazustehen, das halte ich für falsch.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat hat „beim Gang durch die Stadt und auch von Genossen“ schon Stimmen gehört, die der SPD die Treue aufkündigen wollen, wenn eine Groko zustande kommt.

Osman Batgün ist Sachkundiger Bürger in der Meinerzhagener SPD-Fraktion. Auch er findet eine Große Koalition für die SPD nicht erstrebenswert. „Sollte es dazu kommen, würden bei uns nicht die Korken knallen“, ist er überzeugt. Und dennoch sieht Batgün seine Partei in einer Art Zwickmühle: „Es muss schließlich irgendetwas passieren, irgendwo gibt es auch eine Verantwortung, der man sich stellen muss.“

Rainer Schmidt würde einer Groko ebenfalls eine Absage erteilen. Der SPD-Ratsherr macht allerdings eine Ausnahme: „Wenn die beteiligten Parteien allesamt einen Wechsel an der Führungsspitze vornehmen würden, sähe ich eine Chance auf die Groko. So lange die ,alten Handelnden’ an der Spitze sind, kommt das für mich nicht in Frage. Das habe ich übrigens schon direkt nach der Wahl gesagt.“ Dass neues Personal wieder Schwung in eine Groko bringt, glaubt Schmidt aber nicht. An der Basis, so der Sozialdemokrat weiter, habe er auch noch niemanden getroffen, der sich für eine Groko ausspreche. Schmidt hält auch eine Minderheitsregierung für möglich und machbar: „Dann müsste man sich halt immer neue Mehrheiten suchen. Eine Groko wäre für mich das allerletzte Mittel, wenn sonst gar nichts mehr geht.“

Petra Freudenreich hat einen Sitz im Stadtrat und auch sie ist gegen die Groko. Und dafür nennt sie ihre Gründe: „Wir müssen unbedingt eine Politik für junge Menschen machen. Und das wäre bei einer Groko sehr schwierig. Ich befürchte, dass dann alles so weiterlaufen würde, wie bisher.“ Die Vorsitzende der Orts-SPD denkt dabei besonders an junge Familien. „Die sind oft dreifach belastet: in der Kinderbetreuung, der Rentenvorsorge und sie müssen oft noch die eigenen Eltern pflegen. Hier brauchen wir unbedingt eine neue Sozialpolitik – und die wäre mit der Groko kaum machbar.“

Margit Ostermann hat für eine Groko nur einen kurzen Satz übrig: „Ich bin dagegen.“ Und warum hält die SPD-Ratsfrau das Zusammenwirken von CDU, CSU und SPD für kein gutes Regierungsmodell? „Das war vor der Wahl nicht unser Versprechen. Jetzt eine Groko zu bilden, wäre in meinen Augen unehrlich.“ Außerdem befürchtet die Sozialdemokratin, dass im Falle einer neuen Groko auch das Ansehen der Bundes-SPD leiden würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare