Kritik an Online-Petition

Diese Schüler stehen zu „ihrer“ Sekundarschule

Schülervertreter der Sekundarschule 2020/21: Efe Kazan, Delina Berges, Anfel Asli und Hazal Arslan (von links).
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Sind von der Sekundarschule überzeugt: die Schülervertreter Efe Kazan, Delina Berges, Anfel Asli und Hazal Arslan (von links).

Eine Petition sorgt für Unruhe: Nachdem ein Meinerzhagener Familienvater die Rückkehr zur Realschule fordert, üben Schülervertreter der Sekundarschule Kritik. Sie setzen sich für den Erhalt „ihrer“ Schule ein.

Meinerzhagen - Was macht eine gute Schule aus? Lehrer, Eltern, Schüler – die Bandbreite der Meinungen mag sich im Detail unterscheiden, am Ende wollen aber doch alles dasselbe: die möglichst gute Ausbildung der Mädchen und Jungen, um sie optimal auf die berufliche Zukunft vorzubereiten. Genau dort sieht ein Meinerzhagener Familienvater aber in der Sekundarschule Probleme. Er hat eine Petition gestartet (siehe Textende), die aber auch auf Kritik stößt. Nicht zuletzt bei denen, die es wissen müssen: aktuelle Schüler der Sekundarschule Meinerzhagen, die jetzt gegenüber der MZ ihrem Ärger über die Petition Luft gemacht haben.

Und die Wut ist groß. „Ich fand die Aussagen, die der Initiator unserer Schule gegenüber gemacht hat, einfach respektlos“, sagt zum Beispiel Hazal Arslan. Die Zehntklässlerin wird die Sekundarschule nach Ende des Schuljahres in Richtung Gesamtschule Kierspe verlassen, um dort ihr Abitur zu machen – womit sie nicht alleine ist.

Erfolgreiche Schullaufbahnen

Auch Mitschülerin Delina Berges strebt das Abi an, nachdem sie die erforderliche Qualifikation in der Sekundarschule dafür geschafft hat. Die beiden Mädchen sehen sich selbst als gutes Beispiel dafür, wie gut das pädagogische Konzept der Sekundarschule funktioniert. „Ich war erst auf dem Gymnasium, habe aber gemerkt, dass das nicht passt“, sagt Delina, die daraufhin die Schule wechselte – und jetzt doch das Abitur machen kann. Genauso wie Efe Kazan, der aber in die Oberstufe des Evangelischen Gymnasiums wechselt. „Meine Geschwister sind dort und sie haben dort gute Erfahrungen gemacht“, sagt Efe. Und auch Anfel Asli drückt weiter die Schulbank, wechselt zum Berufskolleg. „Das sind gute Beispiele für den Erfolg unserer Arbeit“, sagt Stefan Imhäuser, SV-Lehrer der Sekundarschule. „Aber natürlich haben wir auch viele Schüler, die in die Ausbildung gehen, zum Beispiel zu Otto Fuchs oder GWK.“

Es wundert mich, dass jemand, der kein eigenes Kind auf der Schule hat, so eine Meinung äußern kann.

Efe Kazan, Schülervertreter

Die Sekundarschule als Rückschritt zur einstigen Realschule zu bezeichnen, können die vier Schüler der Schülervertretung nicht verstehen. „Es wundert mich, dass jemand, der kein eigenes Kind auf der Schule hat, so eine Meinung äußern kann“, ärgert sich Efe Kazan. Nein, perfekt sei auch die Sekundarschule Meinerzhagen nicht, „aber welche Schule ist das schon?“ So ließe sich etwa an der Zusammenarbeit von Schulleitung/Lehrern und Schülervertretung arbeiten, sagt Delina Berges, die sich seit längerer Zeit für mehr Sitzgelegenheiten auf dem Schulhof einsetzt. Aber deshalb das gesamte Konzept infrage stellen? Das würde niemand der Schülervertreter.

Vor allem über die Kritik am Nachmittagsunterricht wundern sie sich. „Ob ich jetzt um 2 Uhr zuhause bin und dann Hausaufgaben machen muss oder erst um 3, dann aber schon alles fertig habe, macht für mich doch keinen Unterschied. Ich kann mich auch dann zur gleichen Zeit mit meinen Freunden treffen“, sagt Delina Berges. Und auch ihr kommt – wie Efe Kazan – der pädagogische Ansatz der Schule in der Kritik an der Schulform zu kurz.

Schüler: Auf individuelle Fähigkeiten wird eingegangen

„Durch die E- und G-Kurse (Anm. d. Red.: Erweiterungs- und Grundkurse) kann hier auf jeden Schüler und seine Fähigkeiten eingegangen werden. Förderschüler erhalten eigene Hefte und eine extra Betreuung.“ Am Ende, sagt Hazal Arslan, könne jeder Schüler seine Leistung erbringen – „aber natürlich hängt es nicht zuletzt von jedem Einzelnen ab, ob und wie er die vielfältigen Angebote der Schule nutzt“, sagt sie. „Es kommt ja nicht nur auf den Lehrer, sondern auf den Schüler an.“

Auch die Kollegen waren schockiert über die Vorwürfe.

Stefan Imhäuser, SV-Lehrer

Stefan Imhäuser ist als SV-Lehrer sozusagen „Kontaktmann“ des Kollegiums zur Schülervertretung. Und auch er berichtet von überraschten Reaktionen der Lehrer, als sie von der Petition hörten. „Auch die Kollegen waren schockiert über die Vorwürfe. Zumal ja in der Petition kein Wort über den pädagogischen Ansatz verloren wird. Wir sind hier mit zum Beispiel zwei Lehrern in kleineren Klassen, um die Bandbreite der Schüler zu betreuen. Und letztlich sind wir nichts anderes als eine Gesamtschule ohne Oberstufe: Wer also die Vorzüge der Gesamtschule lobt, findet die gleichen Bedingungen auch bei uns vor – und der anschließende Wechsel an eine Oberstufe ist dank der Kooperationen und des Austausches mit den anderen Schulen kein Problem“, sagt Imhäuser, der auch die soziokulturellen Unterschieden eher als Bereicherung sieht: „Das funktioniert!“

Für ein Gespräch mit dem Initiator der Petition seien sie bereit, sagen die Schülervertreter. Und Efe Kazan ist sicher: „Zu 95 Prozent würde ich ihn von unserer Schule überzeugen!“

Hintergrund: Die Petition

Bis zum 15. April läuft auf der Seite openpetition.de eine Petition, die die Umwandlung der Sekundar- in eine Realschule zum Ziel hat. Initiator ist der 33-jährige Meinerzhagener Walter Matwich, der selber vier Kinder hat und sich Gedanken um deren schulische Laufbahn macht, wie er gegenüber der MZ sagt. Er selbst habe sehr gute Erfahrungen mit der Realschule gemacht, die seit 2013 von der Sekundarschule am Rothenstein abgelöst wurde. Kritikpunkte sind unter anderem der Ganztagsunterricht, der keine Zeit mehr für Hobbys lasse, sowie eine „schlechte Stimmung unter den Schülern“, von denen Bekannte berichtet hätten. Bis gestern hatten 392 Unterstützer ihre Namen auf der Online-Seite hinterlassen, 308 davon kommen aus Meinerzhagen. Für das Quorum, das openpetition als Anlass nimmt, bei den Entscheidungsträgern eine Stellungnahme einzufordern, werden 450 Unterstützer verlangt.

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