Der „Meinerzhagener Schulkonsens“

Die sinkenden Schülerzahlen machen ein neues Schulkonzept nötig.

MEINERZHAGEN ▪ „Es geht heute nicht darum, zu sagen was man haben will und wann wir damit starten.

Heute wird nur die Vorgehensweise festgelegt. Wir wollen einen breiten Konsens, Offenheit und Transparenz.“

Frank Maatz, Erster Beigeordneter der Stadt Meinerzhagen, beschrieb gleich zu Beginn der Schulausschuss-Sitzung am Mittwoch, womit sich das Gremium an diesem Tag zu befassen hatte. Es geht auch um eventuell neu einzurichtende Schulformen, die angesichts immer weiter sinkender Schülerzahlen in Zukunft die Attraktivität des heimischen Schulstandortes sichern sollen. Eine Sekundarschule ist dabei nur eine mögliche Variante.

Während Lehrer und Schüler an Gymnasium und Realschule recht gelassen in die Zukunft blicken können, ist die Zukunft der Hauptschule ungewiss. Das liegt auch am veränderten Wahlverhalten der Eltern, die Realschule und Gymnasium für ihre Kinder oft bevorzugen. „Es gibt Bewegung bei den traditionellen Schulformen. Bei einigen können wir die nötige Zügigkeit nicht halten“, blickte Maatz voraus. Angesichts dieser Entwicklung formulierte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen auch gleich einen Antrag. Der sieht vor, die Schulentwicklung mit dem Ziel des längeren gemeinsamen Lernens in einer Sekundarschule voranzutreiben. Astrid Kahlke erläuterte: „Wir sollten bei einem Kind im Alter von zehn Jahren durch die Schulwahl nicht festlegen, ob es Maurer oder Professor wird. Die Planungen sollten wir jetzt dazu nutzen, eine Schule für alle Kinder zu schaffen, egal wie sie heißt. Und dabei sollten wir die Öffentlichkeit einbinden.“

Dem Ausschuss ging dieses „Vorpreschen“ im frühen Stadium der Meinungsbildung zu weit. Jan Nesselrath (CDU): „Wir sollten die Politik zunächst raushalten. Alle Möglichkeiten sind bei der geplanten Konzeptentwicklung ohnehin offen. Deshalb lehnen wir den Antrag ab.“ Das sahen auch die übrigen Fraktionen ähnlich, deshalb gab es für den Grünen-Antrag nur eine „Ja-Stimme“ – die von Astrid Kahlke.

Dass Meinerzhagen ein attraktiver Schulstandort ist, wird nicht bestritten. Schulleiter, Politiker, Verwaltung und wohl auch die meisten Eltern sind dieser Meinung. Damit das auch künftig mit weniger Kindern so bleibt, dafür soll der am Mittwoch einstimmig beschlossene „Meinerzhagener Schulkonsens“ sorgen. Frank Maatz erläuterte die Planungen im Fachausschuss sehr anschaulich und ausführlich. Schulleitung, Schulpflegschaften, Schulverwaltung, Politik, Eltern und alle interessierten Bürger werden die Möglichkeit bekommen, Vorschläge zu unterbreiten und mitzudiskutieren, ob die Sekundarschule beispielsweise eine für Meinerzhagen sinnvolle Schulform ist. „Wir gehen auch aktiv auf die beteiligten Gremien zu“, versprach Maatz, der von Anfang an klarstellte, dass Alleingänge – von wem auch immer – ausgeschlossen sind und man bei der Schulentwicklung auf einen breiten Konsens setzt. Das betonte auch der Ausschussvorsitzende Udo Kritschker (CDU): „Keineswegs möchte ich mir vorwerfen lassen, die Schulentwicklung betreffend Erkenntnis von der Diskussion auszuschließen.“

Dass der Gesetzgeber allerdings ein wichtiges Wörtchen mitzureden haben wird, daraus machte Maatz aber auch keinen Hehl: „Dabei fühlt man sich bisweilen wie in einer Achterbahn. Mal geht es rauf, mal runter. Und man kann nicht aussteigen, Aber man weiß wo das Ziel ist.“ Damit spielte der Erste Beigeordnete auf eine in seinen Augen nicht optimale Situation an: „Das sechste Schulrechtsänderungsgesetz liegt in offizieller Form noch nicht vor, da ist bereits klar, dass das siebte Änderungsgesetz erhebliche Auswirkungen auf das sechste haben wird, das wir noch nicht kennen. Wie fühlt man sich dabei?“

Das alles wird auf die Schulentwicklungsplanung in Meinerzhagen zunächst aber noch keinen Einfluss haben. Vor Ort werden in den kommenden Monaten die Weichen für eine möglichst erfolgreiche „Schul-Zukunft“ gestellt. Im ersten Halbjahr 2012 sollen jetzt Möglichkeiten aufgezeigt werden, ohne darüber Entscheidungen zu treffen. Die würden dann Ende 2012 anstehen – wie auch immer sie ausfallen. ▪ beil

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