Teurer Hitze-Sommer, aber keine Katastrophe

Damit seine Kühe ausreichend versorgt waren, musste Karl-Wilhelm Biewald zufüttern.

Meinerzhagen -„Wenn es regnet, kann sich die Lage schnell wieder entspannen.“ Ortslandwirt Karl-Wilhelm Biewald hatte Anfang Juli noch die Hoffnung auf Niederschläge in den folgenden Tagen. Dass der Regen für weitere lange Wochen ausbleiben sollte, ahnte er damals noch nicht.

Heute, etwa zwei Monate später, ist er schlauer. Ist der Hitze-Sommer für ihn nun zur Katastrophe geworden? Nein. Dieses verheerende Fazit würde Karl-Wilhelm Biewald nicht ziehen. Und dennoch: Auswirkungen hat die regenlose Zeit schon.

80 Milchkühe und 50 Stück Jungvieh hält Biewald, sie alle müssen fressen. Weil er noch Futterreserven aus dem vergangenen Jahr hatte, konnte (und musste) der Ortslandwirt ab Ende Juni bereits beifüttern. „Unsere Tiere haben eigentlich Tag und Nacht Weidegang. Dennoch mussten wir zufüttern, weil die Trockenheit besonders die Weideköpfe betroffen hat, wo kaum noch Futter stand. Dort war alles vertrocknet“, erinnert sich Biewald. 

Eigentlich kann er auf seinen Wiesen fünf Grasschnitte in einem Jahr durchführen. In diesem Jahr sind zwei praktisch ausgefallen, der Ertrag war kaum nennenswert. Biewald hofft nun auf den letzten Schnitt. Was der Ende September oder Anfang Oktober bringen wird, ist noch nicht abzusehen. Deshalb ging der Landwirt aus der Grünenbecke auf Nummer sicher und kaufte Futter hinzu. Etwa 15 000 Euro hat ihn das „außer der Reihe“ gekostet. Das Risiko, allein auf den letzten Schnitt zu setzen, war Biewald einfach zu groß. „Und jetzt war halt noch Futter zu bekommen“, begründet er seinen Entschluss. 

Seit 51 Jahren ist Biewald bereits Landwirt. „An eine solche Hitze- und Trockenperiode kann ich mich nicht erinnern“, blickt er zurück. Dass die Lage in heimischen Gefilden für ihn oder einen seiner Kollegen existenzbedrohend ist, glaubt der Meinerzhagener hingegen nicht. „Aber ich könnte mir vorstellen, dass dieses Jahr für den einen oder anderen Landwirt finanziell zu einer Nullnummer wird“, befürchtet er. 

Sollte es auch mit dem letzten Grasschnitt schlecht laufen, hat Karl-Wilhelm Biewald aber auch schon einen „Plan B“ im Kopf: „Im äußersten Notfall müsste ich dann halt einige Kühe verkaufen.“ Trotzdem bleibt der Ortslandwirt optimistisch: „Jammern nützt ja nichts. Kritisch könnte es allerdings werden, wenn wir Wetterlagen wie in diesem Sommer jetzt regelmäßig bekommen.“ Biewald lehnt Kredite ab Uns was ist mit den angekündigten Bundesmitteln für in Not geratene Landwirte? „Davon halte ich eigentlich gar nichts. Dabei würde es sich wohl um Kredite handeln. Und die müssten natürlich zurückgezahlt werden.“ Was nun bleibt, ist die Hoffnung, dass seine Futterreserven ausreichen und dass der letzte noch ausstehende Grasschnitt die Lager füllt.

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