Löschzug „überörtliche Hilfe“

Spezialisiert auf Hilfe bei Nachbarn

Marc Schulte vor dem Führungsfahrzeug. Der stellvertretende Meinerzhagener Wehrleiter war mit seiner Einheit im Altena-Einsatz.
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Marc Schulte vor dem Führungsfahrzeug. Der stellvertretende Meinerzhagener Wehrleiter war mit seiner Einheit im Altena-Einsatz.

Am 14. Juli brach das Unheil über Altena herein. Bäche verwandelten sich durch den stundenlangen Starkregen in reißende Ströme. Autos wurden von den Wassermassen wie Spielzeuge weggeschwemmt. Häuser, Geschäfte und Fabriken überflutet. Ein Feuerwehrmann ließ während des Einsatzes in der Burgstadt sein Leben.

Meinerzhagen – Allein wäre die Feuerwehr der 17 000-Einwohner-Stadt mit der Katastrophenlage maßlos überfordert gewesen – also musste Hilfe von außerhalb her. Und die kam schnell. Auch aus Meinerzhagen.

Einheit steht „Gewehr bei Fuß“

Marc Schulte führte den „Löschzug überörtliche Hilfe“ aus der Volmestadt an, der noch am Nachmittag Richtung Lennetal ausrückte. „Die Einheit stand und steht praktisch Gewehr bei Fuß. Wir sind abgestellt, weil wir stets alarmierbar sind und das ist in der Kreis-Leitstelle in Altena-Rosmart auch so hinterlegt“, erläutert Schulte und fügt hinzu: „Der dortige Disponent drückt quasi nur auf einen Knopf – und wir rücken aus. Vorher wird auch die Meinerzhagener Wehrleitung über die Einsatzpläne informiert. Das alles hat eine enge Vorlaufzeit, es handelt sich in der Regel um einen Ad-hoc-Einsatz.“

Am Gerätehaus Willertshagen sammelt sich der „Löschzug überörtliche Hilfe“, so auch an jenem Mittwoch. Zu dieser Zeit ahnte noch niemand, was auf die Kameraden zukommen würde. Doch nach kurzer Fahrt über die Autobahn, der Einweisung durch die Disponenten in der Leitstelle und dem Eintreffen am Einsatzort in der Rahmede war klar: Das ist keine normale Hilfeleistung.

Autofahrerin gerettet

Unter Einsatz aller Kräfte gelang es den Meinerzhagenern schließlich, einer im Auto eingeschlossenen Frau das Leben zu retten und insgesamt mitzuhelfen, Menschenleben und Sachwerte zu schützen. Angesichts der Naturgewalten muss aber auch Marc Schulte im Nachhinein festellen: „Wir konnten einfach nicht überall helfen. Und der Eigenschutz geht im Zweifel vor. Wir gehen Risiken ein, na klar. Aber die sind vorher genau kalkuliert.“

Auf der Homepage der Meinerzhagener Feuerwehr geben die Einsatzkräfte einen kleinen Einblick in das, was sie in Altena erlebt haben: „Leider gab es auch Einsatzstellen, an denen auch wir den Naturgewalten machtlos entgegenstanden und unverrichteter Dinge wieder abrücken mussten. Unsere Alarmierungen führten uns unter anderem zu mehr als 20 Einsatzstellen im vom Unwetter schwer getroffenen Altena.“ Unter anderem berichten die Volmestädter auch das: An einem Ort seien alle Schutzengel der Welt gleichzeitig im Einsatz gewesen, „als ein umstürzender Baum genau auf der Motorhaube eines vorbeifahrenden Pkw landete. Wäre der Wagen nur Bruchteile von Sekunden später an dieser Stelle gewesen – wir hätten dem Fahrer nicht mehr helfen können. So aber konnte der im Frontbereich völlig zerstörte Wagen freigeschnitten werden – der Fahrer ist den Umständen entsprechend wohlauf“.

Trauer um Kameraden

Gegen Mitternacht war der Einsatz vorbei – was folgte, war die direkte Nachbesprechung im Gerätehaus. „Die Kameraden waren froh, geholfen zu haben und dass niemand aus der Einheit verletzt wurde. Aber die Stimmung war trotzdem sehr gedrückt, wegen der Todesfälle“, resümiert der stellvertretende Meinerzhagener Wehrleiter Marc Schulte. Inzwischen war auch klar, dass in Werdohl-Elverlingsen ein zweiter Feuerwehrmann im Einsatz gestorben war.

Abgehakt ist der Einsatz bei der Jahrhundertflut in Altena bei den Meinerzhagener Wehrmännern und -frauen sicherlich noch nicht. Die Bilder wirken nach. Und dennoch ist die Einheit längst wieder einsatzbereit. Sie besteht aus dem Führungsfahrzeug, dort laufen alle Fäden auch in Sachen Kommunikation zusammen. Probleme, wenn so viele Feuerwehren zusammenarbeiten, sieht Marc Schulte übrigens nicht: „Wir haben alle dieselbe Ausbildung, sprechen dieselbe Sprache.“

Technisch bestens ausgestattet

Auch ein Schlauchwagen (SW-KatS) gehört zu diesem 22-Personen starken Löschzug der Feuerwehr Meinerzhagen. Er kann sowohl zum Abpumpen als auch zum Löschen genutzt werden und verfügt über 2000 Meter B-Schläuche, die in Buchten gekuppelt sind und während der Fahrt verlegt werden können, sowie zwei leistungsstarke Pumpen. Das ebenfalls zum Zug zählende Löschfahrzeug (LF 10) hat etwa 600 Meter B-Schläuche, einen 8000-Liter-Faltbehälter und eine tragbare Pumpe an Bord.

Das Hilfeleistungs-Löschfahrzeug (HLF 20) komplettiert den Zug „überörtliche Hilfe“. Es verfügt unter anderem über einen LED-Lichtmasten, einen hydraulischen Rettungssatz, einen Greifzug, Rettungssäge, Kettensäge und einen Motortrennschleifer.

Die Einheit wird gebildet mit insgesamt vier Fahrzeugen der Löschzüge Haustadt und Valbert und der Löschgruppe Willertshagen. Aus diesen Einheiten kommt auch das Personal, dass allerdings von Zeit zu Zeit wechselt.

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