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Impfstoff-Regelung: Arzt ist „stinkesauer“ 

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Von: Jürgen Beil

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Dr. Holger Reimann ist „stinkesauer“. Statt mit dem Covid-19-Vakzin von Biontech/Pfizer soll auch er seine Patienten in den kommenden Wochen hauptsächlich mit Moderna impfen.

Meinerzhagen – Das lehnt der heimische Arzt allerdings ab: „Moderna soll nicht bei unter 30-Jährigen verwendet werden. Und ich tausche generell keinen Impfstoff, ohne verlässliche wissenschaftliche Studien, die belegen, dass so etwas geht und sinnvoll ist. Außerdem soll Moderna auch relativ instabil und daher schwerer zu handhaben sein. Ich spritze doch keinem Patienten einen Impfstoff, der als instabil gilt.“

Kann in seiner Praxis jetzt nur noch 30 Biontech-Spritzen pro Woche aufziehen: Dr. Holger Reimann ist „stinkesauer“.
Kann in seiner Praxis jetzt nur noch 30 Biontech-Spritzen pro Woche aufziehen: Dr. Holger Reimann ist „stinkesauer“. © Beil, Jürgen

Hauptsächlich Biontech gespritzt

Die meisten Patienten von Dr. Reimann haben den Impfstoff von Biontech bekommen. Werden sie nun zweitgeimpft oder geboostert, sollte möglichst dasselbe Vakzin wie bei der Grundimmunisierung verwendet werden – also hauptsächlich Biontech-Pfizer.

Und genau hier liegt das Problem: Viele Millionen eingelagerte Dosen Moderna drohen in Deutschland offensichtlich zu verfallen – sie sollen deshalb zügig verimpft werden. Wohl aus diesem Grund wurde der beliebte Biontech-Impfstoff laut Dr. Reimann bereits rationiert: „Wir bekommen in den kommenden Woche gerade einmal jeweils 30 Dosen Biontech geliefert. Das geht meinen Kollegen auch so. Das ist katastrophal. Bis Weihnachten haben wir in meiner Praxis allein 700 Impftermine vergeben – für alle Patienten war Biontech vorgesehen“, schildert der heimische Arzt das Dilemma, für das er Gesundheitsminister Spahn verantwortlich macht, dem er in dieser Beziehung totales Versagen vorwirft. Für ihn und sein Praxisteam droht die Arbeit von Wochen den Bach herunter zu gehen: „Meine Mitarbeiterinnen sitzen seit Wochen daran, Impftermine auszumachen und das zu organisieren. Soll das alles umsonst gewesen sein?“

Beschwerden an Minister Spahn

Und wie wird Dr. Reimann nun weiter vorgehen? „Ich hänge ein Schreiben in die Praxis, dass sich die aufgebrachten Patienten bei Herrn Spahn beschweren sollen, der von einer Panne in die nächste stolpert“, bleibt dem Mediziner fast nur noch Galgenhumor. Seinen Unmut hat er allerdings schon in zwei Briefen ausgedrückt. Einer ging an das Bundesgesundheitsministerium, der andere an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Dass die Verknappung des Biontech-Vakzins zur Unzeit kommt, steht für Dr. Holger Reimann angesichts explodierender Inzidenzzahlen fest. Der Meinerzhagener blickt denn auch äußerst sorgenvoll in die Zukunft: „Nächste oder übernächste Woche erwarte ich bis zu 100 000 Neuinfektionen am Tag“, fürchtet er. Daran würde auch eine hohe Impfquote wohl nichts mehr ändern. Deshalb fordert der heimische Arzt nun Kontaktbeschränkungen als einzige relativ kurzfristig umsetzbare Maßnahme.

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