Meinerzhagener will Halbmarathon laufen

Kai Höbler trotzt seiner MS-Erkrankung: Mit Olympiasieger Hambüchen zurück ins Leben

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„Fabian Hambüchen vermittelt allen, dass sie den Lauf schaffen“, sagt Kai Höbler über den Olympiasieger, der die Aktion unterstützt.

Meinerzhagen - Der Eine möchte fitter werden, etwas für sich selbst und seinen Körper tun, der Nächste sucht einen Ausgleich von seinem stressigen Alltag. Jeder hat einen Traum. Der von Kai Höbler ist es, irgendwann einen Halbmarathon laufen zu können – trotz Multipler Sklerose (MS). Für seinen ersten Zehn-Kilometer-Lauf trainierte er mit Olympiasieger Fabian Hambüchen.

Der 47-jährige Meinerzhagener ist Teilnehmer der Kampagne „Verfolge deinen Traum. Egal was kommt“ des Reifenherstellers Bridgestone. Gemeinsam, als Team „Heimliche Sieger“ will sich dabei eine Gruppe von Laufanfängern einer Herausforderung stellen und am 14. Oktober in Berlin den „Bridgestone Great 10k“ absolvieren. 13 Läufer mit 13 Träumen. 

Dass der Meinerzhagener dabei ist – Zufall. Und ein Glücksfall für Kai Höbler. „Ich sammel’ gerade viele tolle Momente. Da kann ich viel raus ziehen“, ist er sich sicher. Die Diagnose schubförmig remittierende MS traf ihn 2011. „Ab der Hüfte war alles taub. Zunächst habe ich an einen Bandscheibenvorfall gedacht“, beschreibt er. 

Die Diagnose war schlimm, noch schlimmer waren die Nebenwirkungen: Depressionen, Fatigue – quälende Müdigkeit und Erschöpfung, Konzentrationsstörungen. „Es folgten viele, viele Rehas und diverse Schübe“, erzählt Kai Höbler. 2014 verlor der Industriekaufmann aufgrund der Erkrankung seine Arbeit. „Das war ein Absturz. Ich fühlte mich nutzlos.“ Seit 2015 ist der 47-Jährige berentet. 

Die MS zeigt sich heute durch neuropathische, dauerhafte Schmerzen in den Beinen, Fatigue und Konzentrationsschwierigkeiten. Trotzdem, sagt Kai Höbler, gehe es ihm gut. Eine Reha im vergangenen Jahr habe ihn in die richtige Richtung „geschubst“. Geholfen hat ihm der Sport und auch die Umstellung der Ernährung. 

Dass der ehemalige Handballer und jetzige Trainer der Handball-Damen der SG Kierspe-Meinerzhagen noch vor eineinhalb Jahren 40 Kilo schwerer war – schwer vorzustellen, wenn der Zwei-Meter-Mann von seinen intensiven Trainingseinheiten erzählt. Was mit Nordic Walking und Mountainbike-Fahren anfing, ist dank der Bridgestone-Kampagne zu einem festen Trainingsplan ausgefeilt worden. 

„Ich möchte allen zeigen, dass man sich nicht unterkriegen lassen darf. In unserem Team ,Heimliche Sieger’ mit Fabian Hambüchen unterstützen wir uns alle gemeinsam – pushen und motivieren uns.“ 

Die Vorbereitung startete Ende Mai. Als Olympischer Partner und Initiator des Trainings kümmerte sich Bridgestone um die optimale Unterstützung des Teams mit Teilnehmern aus ganz Deutschland: Alle erhalten eine Betreuung durch einen Laufcoach, einen Medizin- und Gesundheitscheck, individualisierte Trainingspläne sowie eine professionelle Ausrüstung. 

Olympiasieger unterstützt Läufer

Zusammen mit den Läufern schnürte sich beim Training auch Kunstturner Fabian Hambüchen die Laufschuhe – „auch er hat trotz vieler Widerstände nie aufgegeben und hart dafür gekämpft, seinen Traum vom Olympiasieg zu erfüllen“, beschreibt der Olympia-Partner in seiner Kampagne. 

Das Turn-Ass wird auch beim Finale in Berlin dabei sein. „Fabian hat uns vermittelt, dass es für jeden in der Gruppe möglich ist, diesen Lauf zu schaffen“, freut sich Kai Höbler über die prominente Unterstützung. Vor allem aber hat er während der vergangenen Monate eine Erfahrung gemacht: „Aus Fremden ist ein Team geworden.“ 

Wie das Rennen ausging

Im September erhielt seine Laufgruppe als Anerkennung für den Trainingsfleiß eine Einladung zum Internationalen Stadionfest (Istaf) in Berlin. Wenn er seine Mitstreiter bald zum großen Lauf im Oktober trifft, hat Kai Höbler ebenfalls ein Ziel: „Gemeinsam ankommen.“ 

Für ihn persönlich ist die sportliche Herausforderung Motivation: „Ich kann das trotz Multipler Sklerose. MS ist nicht das Ende“, sagt er. Dass Menschen trotz einer chronischen Erkrankung Außergewöhnliches schafften, dafür gebe es viele Beispiele, weiß der Sportler. 

„Früher, bei der Vorbereitung im Handball habe ich Laufen gehasst. Jetzt laufe ich und mein Ziel ist ein Halb-Marathon“, sagt er. Niemals aufgeben und für seine Träume zu kämpfen – trotz aller Hindernisse auf dem Lebensweg – das lohne sich. Ein Ziel beschreibt Kai Höbler auch einem Video, das zur Heimliche-Sieger-Aktion veröffentlicht wurde: „Ich möchte niemals im Rollstuhl landen. Und ich möchte für meine Frau kein Pflegefall werden. Dafür tue ich im Moment alles.“ Dafür lohnt es sich, Träume zu verfolgen. Egal was kommt.

www.egalwaskommt.de

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