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Meinerzhagener Gastronomen: Nach Corona- jetzt die Energiekrise

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Von: Fabian Paffendorf

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Nicole Lüsebrink vom Hotel-Restaurant Am Schnüffel
Gut durch die Corona-Krise gekommen: Nicole Lüsebrink vom Hotel-Restaurant Am Schnüffel. © Popovici, Cornelius

Wohl kaum eine Branche war während der Coronakrise mehr von Umsatzausfällen betroffen, als das Hotel- und Gastgewerbe. Das Gros der Meinerzhagener Hotelbetriebe hat nach Lockdown & Co. wieder den Geschäftsbetrieb voll aufnehmen können und erwirtschaftet Umsätze wie vor der Pandemie. Allerdings hat sich das lokale Angebotsgefüge an Zimmern verändert – und die Energiekrise bereitet den Hoteliers Sorge.

Meinerzhagen – „Wir heizen mit Öl und haben bereits im vergangenen Jahr mehr als sonst für die Lieferung bezahlen müssen. Die Abschläge für den Strom betragen jetzt schon 1000 Euro im Monat – und es wird noch teurer werden“, erklärt Nicole Lüsebrink vom Hotel Am Schnüffel. Die Crux, mit der sich die Betreiberfamilie konfrontiert sieht: Um die Energiekosten dauerhaft tragen zu können, sei es möglich, dass man die Preise künftig nochmals anheben müsse. „Die Energiepreissteigerungen treffen ja nicht nur uns Unternehmer, sondern auch unsere Gäste im privaten Rahmen. Und die Erfahrung zeigt ja, dass die Leute, wenn’s ums Sparen geht, beim Essengehen und Ähnlichem den Rotstift ansetzen“, sagt Lüsebrink.

Durch die massiv gestiegenen Einkaufspreise für Lebensmittel habe man eh schon vor kurzer Zeit die Preise neu ansetzen müssen. Das sei durchaus mit Bauchschmerzen verbunden gewesen, wie Nicole Lüsebrink sagt, aber auch beim Großhandelsbezug käme man bei Milch, Butter oder Käse um saftige Preiserhöhungen nicht mehr umher. Dennoch sei den Betreibern des Hotels Am Schnüffel derzeit nicht zum Wehklagen zumute, denn man sei eigentlich „sehr zufrieden, wie die Geschäfte mittlerweile wieder laufen“. Fast jeden Abend sei das Haus so gut wie ausgebucht. Und langsam würden auch wieder mehr Menschen Feiern im Hotel buchen.

Über die Corona-Zeit seien die Lüsebrinks gut hinweggekommen, weshalb jetzt keine Panik aufkomme mit Blick auf die neue Schutzverordnung für den Herbst. „Ich glaube, so schlimm wie das alles schon war, wird es nun nicht mehr werden. Und wenn da neue Maßnahmen notwendig sind, dann werden wir die natürlich ohne zu murren umsetzen“, meint Nicole Lüsebrink. Trotzdem seien an anderer Stelle noch Nachwehen der Pandemie spürbar. „Wir sind schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einer Küchenhilfe, aber es scheint so, als wenn nach Corona kaum mehr Personal zu bekommen sei. Keine Ahnung, was die jetzt alle machen, aber viele haben sich während dieser Zeit umorientiert“, sagt Nicole Lüsebrink.

Service- wie auch Küchenkräfte sind kaum zu bekommen

Dass auf dem Jobmarkt im Gastro-Sektor zahlreiche Jobs zurzeit unbesetzt blieben, glaubt auch Petra Kniese, die mit ihrer Familie das Haus Hahnenbecke betreibt. „Wir haben zwei 450-Euro-Kräfte, die beim Familienbetrieb mithelfen, das reicht. Aber von vielen Kolleginnen und Kollegen aus der Gastro hört man oft, dass Service- wie auch Küchenkräfte kaum zu bekommen sind“, sagt sie. Haus Hahnenbecke selbst habe unter den Folgen der Pandemie sicherlich nicht so schwer gelitten wie andere Häuser, ist sich Petra Kniese sicher. Natürlich habe es auch merkliche Umsatzeinbußen gegeben und die Familie Kniese habe Mittel aus den Corona-Hilfen erhalten – „aber das haben wir schnell zurückgezahlt, weil es ja doch unerwartet gut lief“.

Was an Urlaubsgästen in dieser Zeit gefehlt habe, hätten Geschäftsreisende, Monteure und andere Berufsreisende als Gäste aufgefangen. „Das hat sich alles die Waage gehalten“, meint Kniese. Im Großen und Ganzen habe sich das Geschäft in den vergangenen Monaten sehr gut erholt. Man könne also zufrieden sein.

Was sich allerdings auch bemerkbar mache und mitunter bei den Auslastungen durch Übernachtungen in Meinerzhagener Hotels eine Rolle spiele, sei der Wegfall von Betten aufgrund der Schließung des Hotels Wirth. Rüdiger Wirth hatte den Betrieb zu Jahresbeginn aufgegeben. „Für Meinerzhagen bedeutet das einen merklichen Einschnitt, dass auf einen Schlag 20 Betten weniger da sind. Geschäftsreisende, die zuvor im Hotel Wirth Zimmer belegten, teilen sich jetzt auf die verbliebenen Hotels auf, oder buchen woanders in der Umgebung“, sagt Petra Kniese.

Unverständnis über politische Entscheider

Hinsichtlich der Energiepreis-Explosion gab es auch für die Betreiber des Haus Hahnenbecke Handlungsbedarf: „Ich meine, wer jetzt die Preise nicht anhebt, hat bald ein Problem. Natürlich haben wir keine andere Möglichkeit, als die gestiegenen Kosten einzupreisen und auf Gäste umzulegen.“ Allein der Strompreis, den man jetzt zahle, habe sich verdoppelt, Öl habe man Gott sei Dank noch zu einem teuren, aber recht annehmbaren Kurs bestellen können. Trotzdem herrscht bei Petra Kniese Unsicherheit darüber, was da noch künftig an Mehrkosten auf sie und Branchenkollegen niederprasseln könnte. „Wenn wir es genau nehmen, dann ist das, was wir jetzt draufzahlen, bei den Energiepreisen doch nichts anderes als ein zinsloses Darlehen für die Energiekonzerne“, meint sie.

Ein wenig grause es ihr auch vor den Corona-Schutzmaßnahmen im Herbst und Winter: „Natürlich muss man das umsetzen. Unverständlich ist es trotzdem: Drei Monate dürfen die Leute mit dem 9-Euro-Ticket ohne Masken im Zug rumfahren, aber im Herbst soll wieder Maske getragen werden, wenn man bloß am Buffet ansteht.“ Anstatt Vorgaben zu machen, sollte die Politik besser auf Freiwilligkeit der Bürger setzen, denn: „Wer sich auch schützen will, der trägt eh Maske – auch jetzt.“

Gerne hätte die MZ auch erfahren, wie es beim Hotel Bauer aktuell läuft, aber auf Anfrage teilte eine Mitarbeiterin des Betriebs mit, dass Hotelier José Gamboa aktuell keine Fragen zum Geschäft beantworten möchte.

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