Auch Skurilles landet im Meinerzhagener Fundbüro 

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Gundula Klotz tut es besonders leid, wenn Kindersachen abgegeben werden.

Meinerzhagen - Ein Bierchen schmeckt auch ohne Zähne. Tröstlich für denjenigen, der einst beim Meinerzhagener Schützenfest feststellen musste: „Mein Gebiss ist weg.“ Die dritten Zähne jedenfalls konnten gerettet werden.

Sie landeten bei Gundula Klotz im städtischen Fundbüro – die sie dann nach einem halben Jahr Aufbewahrungsfrist entsorgte. An skurrile Fundstücke wie die künstlichen Zähne erinnert sich die städtische Angestellte sofort, wenn sie auf ihre Arbeit im Bürgerbüro der Stadt zurückblickt.

Der Einrichtung im Eingangsbereich des Rathauses an der Bahnhofstraße ist das Fundbüro angegliedert. Senioren und Kinder scheinen häufiger beteiligt zu sein, wenn das Fundbüro eingeschaltet wird. Das jedenfalls lässt ein Blick in die Asservatenkammer im Rathaus vermuten: Hier warteten einst auch ein Rollstuhl und ein Krückstock auf ihre Eigentümer. Dinge wie diese werden jedoch nach Gundula Klotz’ Erfahrung oft nicht abgeholt. Sie landen dann im Müll. Richtig wertvolle Objekte – die wurden in der jahrzehntelangen Geschichte des Fundbüros in Meinerzhagen noch nicht in städtische Obhut übergeben. Dafür jede Menge Schlüssel und Brillen. „Sie zählen zu den am häufigsten verlorenen Dingen“, weiß Gundula Klotz. Für die Sehhilfen ist die städtische Einrichtung dann auch meistens Endstation: „Sie werden selten von ihren Besitzern abgeholt“, hat Gundula Klotz festgestellt. Anders bei Schlüsseln: „Die können wir hin und wieder an die Eigentümer zurückgeben.“

Emotional wird es für Gundula Klotz immer dann, wenn Fundstücke eindeutig Kindern zugeordnet werden können. „Das tut mir dann häufig sehr leid“, fühlt sie mit. Momentan warten ein Rucksack mit Comic-Motiven und zwei Kinderräder – eines davon pink – auf junge Meinerzhagener, die sich nun zu Fuß zum Spielplatz aufmachen müssen. 

Dass viele Dinge während der halbjährigen Aufbewahrungsfrist nicht abgeholt werden, kann sich Gundula Klotz durchaus erklären. Sie hat eine Theorie: „Vielleicht waren die Verlierer nur in Meinerzhagen zu Besuch.“ Nach sechs Monaten haben die dann auch endgültig keine Chance mehr, ihren Besitz zurückzubekommen: „Dann ist es nämlich so, dass der Finder das jeweilige Objekt bekommen kann“, erläutert die Fundbüro-Mitarbeiterin. Dass der häufig abwinkt, ist verständlich. Schließlich wird jede Menge „Schrott“ angeliefert. Gundula Klotz: „Es könnte in einigen Fällen auch einfach so sein, dass Dinge irgendwo am Straßenrand entsorgt werden. Andere sehen die Objekte, nehmen sie mit und bringen sie zu uns.“ 

Weil die Stadt bei Fundstücken mit der heimischen Polizei zusammenarbeitet, werden manchmal auch verloren gegangene Objekte von den Ordnungshütern vorbei gebracht. Ist etwas darunter, was einen gewissen Wert hat, steht Gundula Klotz und ihren Kolleginnen vom Bürgerbüro nach Ablauf der Halbjahresfrist auch dieses Mittel zur Verfügung: die Online-Versteigerung. „Wirkliche Einnahmen lassen sich damit für die Stadtkasse aber kaum erzielen.“ Häufig kommen Fahrräder unter den Hammer, die dann allerdings für wenig Geld abgegeben werden. Und auch das ist bereits passiert: „Kinder haben einmal einen Hund zu uns gebracht. Den hatten sie auf einer Wiese entdeckt, wo das Tier einsam herumlief. Wir haben den Besitzer dann anhand der Steuermarke festgestellt, die der Hund trug“, schmunzelt Gundula Klotz.

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