Ein kleines „Liebesschloss“ made in Wormgermühle

An der Hohenzollernbrücke hängen inzwischen Tausende von Liebesschlössern. Ihr Gesamtgewicht beträgt mehrere Tonnen. - Foto: Schildchen

VALBERT - Ich bau’ dir ein Schloß – so wie im Märchen...“, trällerte Heintje im Jahr 1968. Das „Schlagerkind“ aus Holland verdiente in den Folgejahren auch genug, um seiner Mama diesen Traum zu erfüllen. Für alle, die unsterblich in ihre Mutter, Frau oder Freundin verliebt sind und deren Budget etwas geringer ist, bietet die heimische Firma Burg Wächter aus Wormgermühle aber jetzt eine andere Alternative an.

Von Jürgen Beil

Das Unternehmen produziert „Liebesschlösser“, die später im freien Verkauf weit weniger als 20 Euro kosten. Und der „Schlossherr“ kann dabei sogar zwischen verschiedenen Varianten wie rot oder lila wählen. Natürlich steht es auch Frauen frei, ihrem Angebeteten dieselbe Freude mit einem Schloss made in Meinerzhagen zu bereiten.

Liebesschlösser liegen im Trend. Gemeint sind allerdings nicht die Wohnsitze des Hochadels, sondern kleine Vorhängeschlösser, mit deren Produktion sich die Firma Burg Wächter aus Wormgermühle weltweit einen Namen gemacht hat. Das unter anderem auf Sicherheitstechnik spezialisierte Unternehmen profitiert derzeit von einem Trend, der seit einigen Jahren am deutlichsten an der Hohenzollernbrücke in Köln zu sehen ist: Verliebte hängen ein Schloss an das Geländer, versehen mit den Namen des Paares und Symbolen wie Herzchen. Am Anfang wurde dabei noch improvisiert: „Normale“ Vorhängeschlösser wurden in Eigenarbeit verziert. Das ist inzwischen nicht mehr nötig, die industrielle Fertigung nimmt Paaren diese Arbeit ab. So laufen bei Burg Wächter Schlösser vom Band, die fertig lackiert sind und die auf einer Seite das markante Firmenlogo tragen, auf der Gegenseite aber keine Prägung haben. Genau hier ist Platz für Herzchen, Sternchen, Initialen oder Vornamen. Natürlich werden auch zwei Schlüssel mitgeliefert.

Auf der Hohenzollernbrücke kann das individuell verzierte Schloss nun angebracht und geschlossen werden. Der Schlüssel wird dann traditionell abgezogen und in den Rhein geworfen.

Harald Elbertshagen ist Fertigungsleiter bei Burg Wächter. Er weiß, dass einiger Aufwand nötig ist, um die Liebesschlösser herzustellen. Bei der Lackierung dürfen zum Beispiel die Edelstahlbügel und Schlüssel noch nicht am Schlosskörper besfestigt sein, denn sie sollen später ihre silbrige Farbe behalten. Das bedeutet: Schlüssel vorher abziehen und nach dem Lackieren dem passenden Schloß wieder zuordnen. Gar nicht so einfach, bei etwa 9000 Liebesschlössern, die in einer Schicht produziert werden. „Unsere Mitarbeiterinnen sind aber erfahren genug, um das hinzubekommen. Dabei muss allerdings auch sehr aufgepasst werden. Wird der Wagen, an dem die Schlüssel auf Stangen aufgereiht sind, etwa aus Versehen falsch herum hingestellt, passt gar nichts mehr. Denn die Reihenfolge, in der die Schlösser vom Lackieren kommen, muss genau beachtet werden“, erläutert Elbertshagen.

Einmal im Monat läuft die Produktion der Liebesschlösser an, dann werden 16 Stunden lang die farbigen Metallkörper samt Bügel und „Innenleben“ hergestellt. Dass Bedarf besteht, haben auch die Spezialisten in Wormgermühle festgestellt. Immer wieder kommen Anfragen von Kunden wie Baumärkten oder Einkaufsverbünden, die das Produkt in Wormgermühle ordern.

Spezielle Farbwünsche werden natürlich berücksichtigt. „Ab einer Produktion von etwa 2000 Stück liefern wir in jedem Ral-Farbton“, erklärt Elbertshagen.

Wo die Tradition der Liebesschlösser herkommt, darüber streiten sich die Experten. Fakt ist, dass etwa im Jahr 2008 die ersten Exemplare an der Kölner Hohenzöllernbrücke auftauchten. Das Gesamtgewicht der -zig Tausend Liebesschlösser beträgt dort inzwischen mehrere Tonnen. Mittlerweile hat sich der Brauch in ganz Europa verbreitet. Pärchen versichern sich so ihrer ewigen Liebe. Brücken, besonders in Großstädten, werden dabei wegen ihrer verbindenden Funktion ausgewählt.

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