Nach Attentat auf Andreas Hollstein: Entsetzen auch in Meinerzhagen

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Nach dem Attentat herrscht auch in Meinerzhagen Fassungslosigkeit.

Meinerzhagen - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist entsetzt, Ministerpräsident Armin Laschet erschüttert. Nach dem Attentat auf Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein macht sich Fassungslosigkeit breit. Auch in Meinerzhagen.

Wahrscheinlich ist, dass der Burgstädter wegen seines Einsatzes für Flüchtlinge attackiert wurde. Hollstein kam mit dem Leben davon – doch eine Frage bleibt: Birgt die Flüchtlingsarbeit Risiken für die Helfer? Müssen sie jederzeit damit rechnen, Ziel von politisch motivierten Hass-Attacken zu werden? 

Susanne Berndt steht in Sachen Flüchtlingshilfe in Meinerzhagen im Brennpunkt. Sie ist bekannt, fast jeder weiß, dass sie der Motor des ehrenamtlichen Engagements ist. „Angst habe ich deshalb aber nicht. Und das liegt sicherlich auch an meiner Lebenseinstellung. Ich bin Christin in der Freien Gemeinde. Und ich weiß: „Wenn ich sterbe, dann deshalb, weil es der Wille Gottes ist. Dann ist das eben meine Zeit.“

Susanne Berndt kümmert sich um Flüchtlinge, egal welchen Glauben sie haben und welchen persönlichen Hintergrund. Dass sie deshalb selbst in Gefahr geraten könnte, hat sie sich zu keiner Sekunde vor Augen geführt. Dabei ist es aber auch in Meinerzhagen zumindest in einem Fall bereits zu anonymen Drohungen gekommen ist, weiß sie aus ihrer Erfahrung: „Da bekam ein Vermieter einen Droh-Anruf von einem Unbekannten, weil er Flüchtlinge aufgenommen hat. Das erfüllt mich schon mit einer gewissen Sorge, aber Angst habe ich um mich selbst wie gesagt nicht. Meine Einstellung ist: Wenn jemand Hilfe braucht, verwehrte ich sie ihm nicht. Und daran wird sich auch nach dem Attentat auf Andreas Hollstein nichts ändern.“ 

Selbst habe sie auch noch nie Drohungen bekommen. „Allerdings nehme ich hier bei uns durchaus Menschen wahr, die mein Engagement für Flüchtlinge kritisch sehen.“

Bürgermeister Jan Nesselrath hat gestern am frühen Morgen von dem Angriff auf seinen Amts- und Parteikollegen aus Altena erfahren. Er zeigte sich danach „zutiefst betroffen und entsetzt“. Im Gespräch mit der MZ sprach Nesselrath von einer „abscheulichen Tat“. Und weiter: „Ich kenne Andreas Hollstein sehr gut, er ist ein geschätzter Kollege.“ 

Dass die Bedrohung politisch motivierter Attentate jetzt auch häufiger Kleinstädte wie Meinerzhagen erreichen könnte, glaubt das Meinerzhagener Stadtoberhaupt allerdings nicht: „Ich denke, dass das ein bedauerlicher, schlimmer Einzelfall war.“ Zu den Hintergründen des Angriffs selbst wollte Jan Nesselrath gestern Morgen noch keine Stellung nehmen. Man müsse nun abwarten, bis feststehe, was genau hinter dem Attentat stecke.

„Ich wünsche Andreas Hollstein nun die notwendige Kraft, diesen traumatischen Einschnitt in seinem Leben zu überwinden. Und ich bin erleichtert, dass er sich auf dem Weg der Besserung befindet. Andreas Hollstein ist ein von mir sehr geschätzter Kollege, dem ich nun einen Brief schreiben werde“, fügte der Meinerzhagener Bürgermeister abschließend an.

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