Fahrschulen haben ein Problem

Weniger Prüflinge pro Tag: Fahrlehrer im Prüfungsstau

Auch Fahrlehrer Maik Berges berichtet von einem Prüfungsstau.
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Auch Fahrlehrer Maik Berges berichtet von einem Prüfungsstau.

Wenn Fahrlehrer über Staus klagen, waren früher meist Baustellen oder Verkehrsunfälle schuld. Heute gibt es diese Verkehrsbehinderungen immer noch – doch ein weiterer Stau hat sich hinzugesellt: der Prüfungsstau.

Meinerzhagen – Der Meinerzhagener Fahrlehrer Jörg Fröhlich bestätigt, dass Schüler zurzeit in der Regel länger darauf warten müssen, ihre Prüfung ablegen zu können. Und das hat für ihn gleich mehrere Gründe: „Einer davon ist das neue elektronische Prüfungsprotokoll beim TÜV. Die Zeit hat sich bei der praktischen Prüfung dadurch für einen Schüler von früher 45 auf nun 55 Minuten verlängert, weil es einen größeren Dokumentationsaufwand für den Prüfer gibt. Das Resultat: Ein Prüfer konnte vorher etwa elf Leute am Tag ,abarbeiten’. Jetzt sind es etwa neun. Bei mehreren Prüfern, die tagtäglich im Einsatz sind, wirkt sich das natürlich aus.“

Neueinstellungen nicht einfach

Fröhlich weiß auch, dass es sich bei den Prüfern um hoch qualifierte Spezialisten handelt. „Und deshalb sind Neueinstellungen auch nicht so einfach, weil man diese Mitarbeiter nicht so schnell findet“, sagt er. Für ihn hat das zur Folge, dass nur sehr schwer an Prüfungsplätze im Bereich „Theorie“ zu kommen ist. „Alles ausgebucht“, meldet der Fahrlehrer.

Fröhlich berichtet weiter, dass Prüfungstermine online gebucht werden können: „Eigentlich soll das freitags mittags geschehen. In der Praxis ist es aber so, dass freie Termine zum Beispiel auch sonntags oder zu später Stunde freigeschaltet werden. Und ich habe einfach nicht die Zeit, ständig online zu sein und nachzusehen, ob es wieder freie Termine gibt.“

Einen Anmeldestopp gibt es in Jörg Fröhlichs Fahrschule aber nicht, lediglich die relativ aufwendige Motorrad-Ausbildung hat er für dieses Jahr gestrichen. Ansonsten haben sich Jörg Fröhlich und seine Fahrschüler mit Corona arrangiert: „Wir tragen im Auto natürlich Masken, die Fahrzeuge werden desinfiziert und wir halten uns an die Hygieneregeln.“

Online- und Präsenzunterricht

Beim theoretischen Unterricht setzt der Volmestädter auf eine Mischung aus Online und Präsenz. „Wegen der Mindestabstände bilden wir kleinere Gruppen und wir wechseln durch, jeder wird mal online und mal im Schulungsraum unterrichtet. Natürlich nehme ich auch Rücksicht auf die Schüler, die nicht ins Internet gehen können. Die bekommen dann Präsenzunterricht“, erläutert Jörg Fröhlich.

Auch Maik Berges von der gleichnamigen Meinerzhagener Fahrschule muss sich zurzeit mit denselben Problemen herumplagen. Prüfungsstau? „Absolut. Auch bei uns warten Prüflinge ohne Ende auf einen Termin“, bestätigt der Fahrlehrer und fügt hinzu: „Manchmal bekommen wir nur halb so viele Plätze, wie wir eigentlich brauchen würden.“

Keine schnelle Lösung

Da ist es dann nicht immer leicht, junge potenzielle Fahranfänger noch weiter zu vertrösten. Die möchten schließlich so schnell wie möglich ans Steuer. Dass sich der Prüfungsstau bald auflöst, daran glaubt Maik Berges nicht: „Das Problem werden wir noch mit ins Jahr 2022 nehmen.“

Der Meinerzhagener weiß auch von einigen Kollegen, bei denen bis zu 70 praktische Prüfungen anstehen, die nun zunächst auf einer Warteliste notiert werden müssen. „Und viel weniger sind das bei uns auch nicht“, berichtet Maik Berges. Er möchte nun allerdings nicht dem TÜV den schwarzen Peter für die missliche Situation zuschieben. Genauso wie sein Kollege Jörg Fröhlich weiß er genau, dass qualifizierte Fahrprüfer auf dem Arbeitsmarkt nicht einfach zu finden sind.

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