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Hassbotschaften sollen schockieren 

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Von: Jürgen Beil

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Ewa Budna, hier mit Ehemann Christian, hat bereits Hassbotschaften erhalten.
Ewa Budna, hier mit Ehemann Christian, hat bereits Hassbotschaften erhalten. © Isleib, Göran

Nachrodts Bürgermeisterin Birgit Tupat kennt das Gefühl, Ziel anonymer Drohungen zu sein. Psychotherapeutin Ewa Budna aus Valbert auch. Diese beiden Frauen sind aber nicht die einzigen Opfer eines solchen Psychoterrors.

Meinerzhagen – Auch Bürgermeister Jan Nesselrath war schon Empfänger einiger Hassbotschaften. „Etwa drei oder vier davon habe ich bekommen“, berichtet er auf MZ-Anfrage. In jedem Fall, so Nesselrath weiter, sei Anzeige erstattet und der Staatsschutz eingeschaltet worden. Für das Meinerzhagener Stadtoberhaupt steht aber dennoch fest: „Ich lasse mich durch so etwas nicht in meiner Arbeit beeinträchtigen. Man muss lernen, mit so etwas umzugehen.“

Anfeindungen im Wahlkampf

Jan Nesselrath hat beobachtet, dass Hass-Nachrichten in seinen Fällen meistens im Wahlkampf vorkommen. „Gewaltandrohungen waren jedoch nicht dabei“, berichtet er. Auch wenn der Bürgermeister nach solchen Anfeindungen keine Angst verspürt, zu denken gebe einem das alles schon. „Das macht einem das Leben in ohnehin schwierigen Zeiten nicht einfacher“, sagt er. Im Rathaus ist Jan Nesselrath auch nicht der Einzige, der anonym beleidigt wurde. „Eine leitende Mitarbeiterin ist im Zuge der Ukraine-Krise Ziel solcher Botschaften geworden. Sie ist aufs Übelste bedroht worden“, erläutert Jan Nesselrath.

Auch Kommunalpolitiker sind im ganzen Land bereits Ziel von anonymen Anfeindungen geworden. Nicht so Thorsten Stracke, Vorsitzender der Meinerzhagener CDU und Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt. „Aber solche Fälle geben mir schon zu denken. Ich selbst fühle mich in Meinerzhagen sehr sicher und das war immer so. Aber für alle, die das betrifft und die sich im Dienst der Allgemeinheit engagieren, ist das eine schlimme Sache“, denkt er und fügt hinzu: „Es betrifft sicher nur eine Minderheit, aber so etwas ist in jedem Fall eine feige Tat. Angst habe ich selbst aber nicht und es beeinträchtigt mich auch nicht in meiner Arbeit.“

Botschaften gelöscht

Zwei beleidigende und anonyme Nachrichten hat SPD-Fraktionsvorsitztender Rolf Puschkarsky bisher bekommen. „Das passierte, als ich im Zusammenhang mit Flüchtlings-Themen in der Zeitung erwähnt worden bin. In den ,Botschaften’ stand dann etwa, dass ich mich mal um Wichtigeres kümmern sollte, als um Flüchtlinge“, berichtet der Meinerzhagener. Bei der Polizei angezeigt hat er diese Mails nicht: „Ich habe sie einfach gelöscht.“ Und auch Angst hat Rolf Puschkarsky nun nicht: „Das hat auf mich überhaupt keinen Einfluss. Ich lasse mich durch so etwas nicht beeindrucken.“

Susanne Berndt engagiert sich seit vielen Jahren im sozialen Bereich. Die SPD-Ratsfrau hat dafür auch einen Preis bezahlen müssen: Sie wurde ebenfalls schon mit anonymen „Botschaften“ konfrontiert. „Die lagen sogar bei mir zu Hause im Briefkasten. Jemand hat sich also die Mühe gemacht, meine Privatadresse herauszufinden. In den Briefen ging es um das Thema Flüchtlinge“, erläutert sie und fügt hinzu: „Das ist aber schon ein paar Jahre her. In letzter Zeit ist so etwas bei mir nicht mehr vorgekommen. Und es beeinträchtigt mich auch nicht. Im Gegenteil: Es spornt mich an.“ Die Briefe seien auch nicht handschriftlich verfasst worden. Meist habe es sich um Kopien mit Fremdtexten gehandelt, die sich gegen Ausländer gerichtet hätten, erläutert Susanne Berndt, die sich aber sozial weiter einsetzen will: „Wenn wir das nicht tun, wer tut das den sonst?“, ist ihre Einstellung. Angezeigt hat sie die Tasten übrigens nicht: „Drohungen gegen mich persönlich standen da auch nicht drin.“

Nicht einschüchtern lassen

Sibylle Mangold ist Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen in Meinerzhagen. Sie ist froh, dass gegen sie selbst und ihre Partei noch keine anonymen Drohungen eingegangen sind: „Wir sind zum Glück bisher verschont geblieben. Aber sich einschüchtern zu lassen, das wäre auch der falsche Weg. So etwas würde keinen Einfluss auf unsere Arbeit haben.“

Raimo Benger ist selbst schon massiv anonym bedroht worden. „So massiv, dass der Staatsschutz sich um mich kümmert. Ich sei auf bestimmten Listen aufgetaucht, wurde mir mitgeteilt“, berichtet der UWG-Kommunalpolitiker und Hauptgeschäftsführer der Industrieverbände der Bau- und Rohstoffindustrie. Allerdings schränkt Benger ein: „Das ist mir nicht als Kommunalpolitiker passiert, sondern wegen meines Berufes.“

Routine stellt sich ein

Absender der Nachrichten seien radikale und eher unbekannte „Umweltorganisationen“ gewesen. Benger: „In Organisationen wie BUND, NABU oder auch dem Alpenverein bin ich selbst Mitglied und trotz nicht immer übereinstimmenden Meinungen lässt sich mit diesen Gruppen sehr gut und konstruktiv zusammenarbeiten.“

Und wie geht der Meinerzhagener mit den sehr konkreten Bedrohungen um? „Zuerst ist man natürlich geschockt. Aber auch wenn sich das komisch anhört: Irgendwann entwickelt man eine gewisse Routine. Aber klar ist auch: So etwas braucht man nicht.“

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