„Stolpersteine“ zum Gedenken im Alltag

Der Kölner Künstler Gunter Demnig soll bald auch „Stolpersteine“ in Meinerzhagen verlegen.

MEINERZHAGEN ▪ Mehr als 32 000 Stolpersteine in über 700 Orten hat der Kölner Künstler Gunter Demnig bis Ende 2011 verlegt und damit einen völlig neuen Begriff des Denkmals geschaffen: Gedenken im Alltag.

Auch die Nachbarstädte Attendorn und Plettenberg sind zwei der Kommunen, die sich auf diese Weise an dem Gedenken an ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern, die Opfer des unmenschlichen NS-Regimes wurden. Nach dem einstimmigen Votum des Rates der Stadt Meinerzhagen vom Montag (wir berichteten gestern) können nun auf Anregung einer bürgerschaftlichen Initiative auch in Meinerzhagen solche „Stolpersteine“ für die Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Nach dem bisherigen Stand handelt es sich um insgesamt 43 Stolpersteine, die vor dem jeweils letzten frei gewählten Wohnsitz der Betroffenen verlegt werden sollen.

Fünf von insgesamt zehn in Frage kommenden Verlegestellen befinden sich in städtischem Eigentum, fünf in privatem Besitz. Durch den Ratsbeschluss vom Montag ist sichergestellt, dass eine Verlegung nur mit vorherigem Einverständnis der an die Verlegestelle angrenzenden Wohngebäude erfolgt. Die Initiative „Stolpersteine Meinerzhagen“ wird sich im Vorfeld um dieses Einverständnis in schriftlicher Form bemühen.

Die Initiative ist nach den bislang schon dazu geführten intensiven Gesprächen der Hoffnung, dass dieses Einverständnis in der überwiegenden Zahl der in Frage kommenden Verlegestellen auch gewährt werden dürfte. Bereits unstrittig geregelt ist die Verlegung bislang für drei der insgesamt in Frage kommenden Verlegestellen im Stadtgebiet.

Absicht der Initiative Stolpersteine Meinerzhagen ist, auf diese besondere Weise an das Schicksal der jüdischen Mitbürger zu erinnern, die verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Alle Stolpersteine werden durch Patenschaften finanziert. Grundstückseigentümern und der Stadt Meinerzhagen entstehen dadurch keine Kosten.

Und die Initiative verweist in einer dazu herausgegebenen Infobroschüre auch auf Folgendes: „Zu den einzelnen Stolpersteinen werden Dokumentationen erstellt, die die Geschichte dieser Menschen und ihr Eingebundensein in die Stadt beschreiben. Für interessierte Bürger und vor allem für die Schülerinnen und Schüler Meinerzhagens kann so die Geschichte der NS-Zeit in Unterricht und Projekten vor Ort erlebbar werden. Für überlebende jüdische Mitbürger und deren Nachkommen werden die Stolpersteine in Meinerzhagen ein Zeugnis sein, dass ihr Schicksal nicht vergessen ist.“

Bürgermeister Erhard Pierlings hatte in der ausführlichen, sehr sachlichen und auf hohem Niveau geführten Aussprache in der Ratssitzung Wert auch auf diese Feststellung gelegt: „Es wird auch von den Mitgliedern der Initiative anerkannt, dass sich die Stadt selbst schon frühzeitig und in verschiedener Weise öffentlich intensiv mit diesem dunkelsten Kapitel auch der Meinerzhagener Ortsgeschichte beschäftigt und dieses aufgearbeitet hat.“

Zu erinnern ist unter anderem an die Anfang der 80er Jahre erfolgte Einladung überlebender ehemaliger jüdischer Bürger zum Besuch ihrer alten Heimatstadt, an die verschiedenen öffentlichen Orte zum Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Verfolgung, so auch den Gedenkstein für die ermordeten Juden aus Meinerzhagen am Kirchplatz und eine dokumentarische Aufarbeitung durch Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer.

Die Meinerzhagener Zeitung wird auch den weiteren Prozess der jetzt angedachten neuen Form des Gedenkens und Lebendighaltens der Erinnerung mit ausführlichen Informationen begleiten. ▪ -fe

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