Prozessende

Nach Missbrauch der eigenen Tochter: Gericht spricht Urteil über Eheleute aus dem MK

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Symbolbild

Mit vollstreckbaren Haftstrafen für die beiden Eheleute aus Meinerzhagen, die gemeinsam ihre kleine Tochter sexuell missbraucht und dabei fotografiert und gefilmt hatten, endete am Freitag der Prozess am Landgericht Hagen.

Meinerzhagen – Der 37-jährige Angeklagte muss wegen schweren sexuellen Missbrauchs und weiterer Straftaten für vier Jahre ins Gefängnis. Seine Ehefrau wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt. Damit blieben die Richter deutlich unter dem Antrag von Staatsanwältin Claudia Kersebaum, die Haftstrafen von fünf Jahren und neun Monaten sowie fünf Jahren und drei Monaten beantragt hatte.

Allerdings lag das letztlich verhängte Strafmaß auch erheblich über den Bewährungsstrafen, die die Anwälte des Ehepaars für ausreichend hielten. Im erneut relativ großen Publikum war ein sehr dezentes Raunen bei diesen Anträgen zu vernehmen. Dem Ehepaar wird zur Last gelegt, ihre eigene Tochter missbraucht, gefilmt und fotografiert zu haben.

Missbrauchsprozess in Meinerzhagen: Exzessives Sexualleben

In seiner Urteilsbegründung warf der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz noch einmal einen kurzen Blick auf das exzessive Sexualleben der beiden Angeklagten, deren Leben von „frivolen Fantasie- und Lustwelten und teilweise perversen Gedanken“ bestimmt gewesen sei. „Gott sei Dank blieben die Fantasien gegenüber den beiden älteren Kindern nur Fantasien.“

Die durch die beiden Angeklagten gezogenen Grenzen zeigten, dass ihnen das Unrecht ihrer Taten sehr wohl bewusst war. Der Angeklagte hatte zwar behauptet, dass er „emotional überhaupt keinen Bezug zu diesem Thema“ (der Pädophilie) habe. „Das glauben wir nicht“, erklärte der Vorsitzende mit Blick auf das reiche kinderpornografische Bildmaterial, das die Ermittler auf mehreren Datenträgern sichergestellt hatten. Die beiden Angeklagten haben sich im Prozess gegenseitig die Schuld zugeschoben.

Missbrauchsprozess in Meinerzhagen: Unrecht der Taten war Angeklagten sehr wohl bewusst

Und auch die sexuellen Übergriffe gegenüber der eigenen kleinen Tochter dienten letztlich der Herstellung kinderpornografischer Bilder. Die Richter nahmen den Angeklagten ab, dass ihr Interesse auch das reiche Betätigungsfeld der Erwachsenen-Sexualität umfasste: Sie konnten „keine krankhafte sexuelle Störung bei dem Angeklagten“ feststellen. „Ihm wäre es möglich gewesen, auf andere Weise sexuelle Erfüllung zu finden.“ Im Vorfeld wurde festgestellt, dass das Paar eine "stark sexualisierte" Kommunikation habe und beide gescheiterte Beziehungen erlebt haben.

Strafrechtlich am schwersten wog ein sexueller Missbrauch der kleinen Tochter, an dem beide Elternteile beteiligt waren. Dadurch sei die Tat, bei der es nicht um ein Eindringen in den kleinen Körper gegangen war, einer solchen Tat gleichzustellen, erklärte der Vorsitzende.

Missbrauchsprozess in Meinerzhagen: Beide Eltern beteiligt

Ein Kind, das von beiden Elternteilen missbraucht werde, verliere seinen familiären Schutzraum. Zugunsten der Angeklagten werteten die Richter den Umstand, dass das kleine Mädchen durch die Übergriffe „keine unmittelbaren Schäden“ erlitten habe. Die durch die Taten ausgelöste Katastrophe ist vor allem eine familiäre, die letztlich drei Kinder trifft: „Wer das Sorgerecht für seine Kinder verliert, dem ist deutlich vor Augen geführt, was er getan hat“, erklärte der Anwalt der 32-Jährigen.

In ihrem letzten Wort brach diese in Tränen aus und erklärte, dass sie auf jeden Fall eine Therapie machen wolle: „Ich habe keine Worte mehr. Es tut mir leid.“ Der Botschaft der Tränen schloss sich auch der 37-Jährige an. Er versicherte ebenfalls, dass ihm das alles leid tue. „Meine Kinder stehen immer noch zu mir. Ich schreibe ihnen aus dem Gefängnis. Selbst von der Kleinen kriege ich Post.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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