Der Wunsch nach der eigenen „Wasserquelle“ ist ungebrochen

Meinerzhagen: Mehr als 100 Brunnen

Vor allem die Bewässerung des eigenen Gartens lässt bei vielen Meinerzhagenern den Wunsch nach einem eigenen Brunnen entstehen.
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Vor allem die Bewässerung des eigenen Gartens lässt bei vielen Meinerzhagenern den Wunsch nach einem eigenen Brunnen entstehen. Doch das Bohrloch kann teuer werden.

Meinerzhagen – Wer im Märkischen Kreis einen Brunnen bohren möchte, braucht einen langen Bohrer. Denn das Grundwasser befindet sich im Kreisgebiet durchschnittlich in einer Tiefe von 60 bis 80 Metern.

Trotzdem ist das Interesse an einer eigenen Wasserversorgung im Kreisgebiet ungebrochen. Vor allem die Meinerzhagener und Kiersper setzen auf solche Anlagen.

Derzeit gibt es mehr als 1000 Brunnen im Märkischen Kreis, die meisten davon im südlichen Märkischen Kreis – und damit sind nur die gezählt, die vom Gesundheitsamt auf ihre Wasserqualität geprüft werden. Allein in Meinerzhagen sind es rund 100 und in der Nachbarstadt Kierspe weit mehr als 200. Etliche dieser Brunnen befinden sich auf dem Gelände landwirtschaftlicher Gebiete, die nicht an die städtische Wasserversorgung angeschlossen sind. Doch auch viele Eigentümer von Wohnbaugrundstücken schätzen die autonome Versorgung mit Trink-, vor allem aber mit Brauchwasser.

Die trockenen Sommer der vergangenen Jahre haben bei vielen Gartenbesitzern den Wunsch nach einer eigenen Wasserquelle aufkommen lassen. Wer nun denkt, dass so etwas im überregulierten Deutschland nur mit großem behördlichen Aufwand möglich ist, der irrt.

„Grundsätzlich besteht ein Anschluss- und Benutzerzwang“, formuliert der Pressesprecher des Märkischen Kreises Hendrik Klein in Behördensprache. Gemeint ist damit, dass erst einmal der zuständige Wasserversorger das Recht hat, die Bewohner der Stadt an sein Netz anzuschließen. Die Bewohner haben im Gegenzug die Pflicht, dem Versorger das Wasser auch abzunehmen. Für die Meinerzhagener heißt das, dass ihr Trinkwasser vor allem aus der Fürwigge- und Genkeltalsperre kommt.

Doch auch in Meinerzhagen gibt es etliche Bewohner, die so weit im Außenbezirk wohnen, dass sie ihr Wasser aus eigenen Brunnen fördern, weil eine Wasserleitung ihre Grundstücke nie erreicht hat.

„Für solche Anlagen muss aber nicht nur eine Genehmigung vorliegen, die Qualität des Wassers muss auch regelmäßig in unseren Laboratorien nachgewiesen werden“, so Klein im weiteren Gespräch.

Viel Geld fürs tiefe Loch

Ins Detail geht dann Johannes Krüsemann, der als Ingenieur bei der Unteren Wasserbehörde des Märkischen Kreises arbeitet: „Wenn wir feststellen, dass aufgrund der Lage des geplanten Brunnens, der Qualität des Wassers oder aufgrund eines Einspruchs des Wasserversorgers Gründe gegen einen Brunnen sprechen, untersagen wir die Errichtung. Das kommt aber nur ausgesprochen selten vor.“

Bauliche Gründe liegen etwa dann vor, wenn der Brunnen neben einer Sickergrube gebohrt werden soll oder wenn er sich so dicht an einem Gebäude befinden würde, dass es zu Schäden an diesem kommen könnte.

Dient der Brunnen nur der Gewinnung von Brauchwasser, um beispielsweise den eigenen Garten zu bewässern, ist eine Untersuchung der Wasserqualität nicht notwendig und auch die Nachfrage beim Versorger entfällt.

Die Nutzungsart entscheidet auch über die Kosten, die der Kreis erhebt. So betragen die Bearbeitungskosten, wenn es um ein Wasserrecht geht, 200 Euro. Ist das Bohren erlaubnisfrei, fallen auch keine Kosten an.

Brunnen im Märkischen Kreis

Die Zahl der vom Gesundheitsamt des Märkischen Kreises kontrollierten Einzelwasserversorgungsanlagen, Stand Ende 2018: Altena 21, Balve 22, Halver 225, Hemer 33, Herscheid 94, Iserlohn 69, Kierspe 220, Lüdenscheid 65, Meinerzhagen 95, Menden 11, Nachrodt-Wiblingwerde 9, Neuenrade 18, Plettenberg 67, Schalksmühle 16, Werdohl 28.

Teuer wird es aber trotzdem, denn nach Angaben des Kreises ist für das Bohren eines Brunnens mit Erstellungskosten von 8000 bis 12 000 Euro zu rechnen. Das liegt vor allem an der Tiefe, aus der Grundwasser gefördert wird. Krüsemann: „Legt man diese Kosten auf den Wasserpreis um, muss man schon sehr lange Blumen gießen, um die Kosten wieder hereinzuholen. Außerdem rücken die Fachfirmen mit schwerem Gerät an, um das Loch zu bohren.“

Davon lassen sich aber viele Bewohner des Kreises nicht abhalten. Werden üblicherweise 10 bis 20 entsprechende Anträge im Jahr gestellt, müssen derzeit rund drei Mal so viele bearbeitet werden.

Immer tiefer in den Boden

Um an Öl zu kommen wurde in China ein rund acht Kilometer tiefes Loch gebohrt. Damit sind die Chinesen tief gekommen, aber längst nicht so tief wie die Deutschen und Russen.

Durch moderne Bohrtechnik werden Tiefen erreicht, von den Menschen früher nur träumen konnten. Doch es zog die Menschen schon immer in die Tiefe, um an Kohle, Gas, Öl, Edelmetalle und Wasser zu kommen.

Bestes Beispiel sind die Erbauer von mittelalterlichen Burgen. Um die Festungen uneinnehmbar zu machen, wurden diese gerne auf Bergen oder Hügeln gebaut. Das führte aber dazu, dass sich die Erbauer von den wasserführenden Schichten immer weiter entfernten. Um auch im Belagerungsfall über genügend Wasser zu verfügen, musste tief gegraben werden. Einige der tiefsten Burgbrunnen finden und fanden sich in Deutschland. In der Burg Regenstein reichte der Brunnen 197 Meter tief, dieser ist aber heute verschüttet. Der tiefste „offene“ Burgbrunnen steht auf dem Gelände der ehemaligen „Reichsburg Kyffhausen“. 40 Jahre wurde gegraben, bevor man in einer Tiefe von 176 Metern auf Wasser stieß. Der später verschüttete Brunnen wurde 1936 bis 1937 wieder freigelegt.

In westdeutschen Bergwerken erreichte man eine Tiefe von 1630 Metern, in Ostdeutschland ging es zur Uranförderung 1800 Meter hinab. Die tiefsten Bergwerke der Welt wurden mit rund 4000 Metern in Südafrika errichtet.

Das tiefste Loch, das je gebohrt wurde, befand sich in Russland nahe der finnischen Grenze – dort sind die Forscher 12 262 Meter tief gekommen. Da dieses Loch verschüttet ist, sind die Deutschen Weltrekordhalter. Eine Tiefenbohrung zu wissenschaftlichen Zwecken in Bayern erreichte Anfang der 1990er-Jahre eine Tiefe von 9101 Metern. Das Loch ist heute noch stabil und erlaubt unter anderem Temperaturmessungen – und gemessen wurden in dieser Tiefe rund 300 Grad Celsius.

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